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Seit Dezember sitzt Yusuf Emre Kasal auf der Trainerbank des Oberligisten Cosmos Koblenz. Der langjährige Profi soll die Cosmonauten vor dem Abstieg retten – keine einfache Aufgabe. Bei das-run.de gibt Kasal interessante Einblicke über die Arbeit der Koblenzer auf und neben dem Platz in der Winterpause. Außerdem äußert sich der Coach zu den Spielen zum Jahresauftakt und wie er und seine Mannschaft die restliche Saison angehen, um den Klassenerhalt perfekt zu machen.

Das-Run.de: Im Dezember bist du von Mechtersheim auf die Trainerbank von Cosmos Koblenz gewechselt – ein Wechsel innerhalb der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar. Was waren die Gründe für diesen Wechsel?

Yusuf Emre Kasal: Das Angebot von Cosmos kam sehr unerwartet. Wir hatten mit Mechtersheim zu Saisonbeginn Schwierigkeiten und dann eine Serie von sieben Siegen und zwei Unentschieden hingelegt. Dann hatten wir ein Nachholspiel gegen Cosmos und dann innerhalb von vier Tagen zweimal gegeneinander gespielt. Wir hatten beide Spiele mit Mechtersheim gewonnen, woraufhin sich Cosmos von meinem Vorgänger getrennt hat. Dann kamen der Verein und Herr Rashica auf uns zu und wollte uns kennlernen. Wir wurden ganz unverbindlich nach Koblenz eingeladen. Es muss auch erstmal eine gewisse Energie entstehen, man muss ein Gefühl füreinander bekommen. Dann würde mir das Projekt Cosmos Koblenz, die Möglichkeiten und die Vorstellungen präsentiert. Das hat mich überzeugt. Denn auch wenn wir in der Oberliga spielen, sind hier nahezu professionelle Bedingungen möglich. Durch diese Bedingungen möchte ich mich als Trainer auf die nächste Stufe heben und mich weiterentwickeln. So wollen wir auch diese Herkules-Aufgabe bis zum Saisonende meistern.

Das-Run.de: In der Winterpause habt ihr für das Ziel Klassenerhalt einige Neuverpflichtungen präsentiert, ein paar Spieler sind auch gegangen. Was war euer Ansatz bei der Umgestaltung des Kaders in der Winterpause? Bringen die neuen Spieler alle ein Profil mit, die sich an dem Fußball orientieren, den du spielen lässt?

Yusuf Emre Kasal: Auf jeden Fall. Es gab zunächst einige Entscheidungen, die der Verein aufgrund der Leistungen und Einstellungen einiger Spieler in der Hinrunde getroffen hat. Der Klub war mit der Aufopferungsbereitschaft einiger Akteure nicht zufrieden. Die restlichen Entscheidungen lagen dann alle bei mir. In der doch sehr langen Winterpause habe ich alle 24 Spieler des Kaders über 90 Minuten in Testspielen eingesetzt. Anschließend habe ich sportliche Entscheidungen getroffen und bewertet, wer als Typ und welches Spielerprofil zu meiner Spielweise passen und wer nicht. Die Neuverpflichtungen waren dann Spieler aus der Oberliga, die ich sehr gut kannte und die aus vorherigen Begegnungen auf meinem Zettel standen. Dann habe ich bei den entsprechenden Spielern angeklopft und das Projekt sowie meine Spielidee vorgestellt. Es hat dann nicht lange gedauert, dass man dann Lösungen gefunden hat und diese Transfers realisieren konnte.

Das-Run.de: Worauf achtest du bei Spielerverpflichtung und wie laufen solche Transfers eigentlich ab?

Yusuf Kasal: Man wählt Spieler für seine Spielidee aus. Zusätzlich müssen diese Akteure das passende positionsbezogene Profil erfüllen. Beispielsweise müssen zentrale Mittelfeldspieler für eine tiefstehende und kompakte Mannschaft andere Eigenschaften mitbringen, als ein zentraler Mittelfeldspieler dessen Team Ballbesitzfußball spielt. Das heißt nicht das die eine Spielidee besser als die andere ist. Aber man muss eben für seine eigene Idee die richtigen Spielertypen auswählen. Zu allen Spielen, die ich in der Oberliga gesehen habe – sei es in der Analyse oder von gegnerischen Teams – habe ich mir immer Notizen gemacht. Dabei hebe ich zum Beispiel besondere Fähigkeiten hervor. Wenn das Spielerprofil dann passt, achte ich auf die charakterlichen Eigenschaften. Ist der Spieler bereit zu arbeiten? Was sind seine Ziele? Man holt sich dann in der Regel ein paar Meinungen ein und hat dann ein persönliches Treffen, bei dem dann letztendlich entschieden wird, ob der Spieler mit all seinen Eigenschaften in die Mannschaften passt oder nicht. Dann versucht man die Sache zu verwirklichen.

Das-Run.de: Schauen wir mal auf das sportliche bei Cosmos. Wie zufrieden bist du mit der Vorbereitung in der langen Winterpause gewesen?

Yusuf Emre Kasal: Mit der Vorbereitung war ich sehr zufrieden. Ich hätte es mit nicht besser vorstellen können. Ich war mit jedem einzelnen sehr zufrieden und auch die Entwicklung, die die Mannschaft innerhalb der Vorbereitung genommen hat, war sehr gut und ging genau in die richtige Richtung – Stabilität, Offensivpower. Die Torchancenverwertung war noch ein bisschen unser Manko. Das hat mir in den letzten Testspielen nicht so gut gefallen. Aber es war wichtig, dass wir uns diese Chancen immer wieder herausgespielt haben und hinten stabil standen.

Das-Run.de: Zum Auftakt der zweiten Saisonhälfte gab es dann zweimal ein 2:2. Die Spiele waren sehr unterschiedlich. Einmal ging es gegen das Topteam des SV Gonsenheim und dann zuletzt gegen Quierschied, die ja ein direkter Konkurrent um den Klassenerhalt sind. Da habt ihr ganz spät den Ausgleich kassiert. Du hast nach dem Spiel gesagt, dass du enttäuscht von der Leistung vor allem in der 1. Halbzeit bist. Wie ordnest du diese beiden Partien ein?

Yusuf Emre Kasal: Beim Spiel gegen Gonsenheim war ich mit der Einstellung und der Einsatzbereitschaft sehr zufrieden. Aber das Ergebnis war enttäuschend. Wir haben den Gegner klar dominiert. In den letzten 20 Minuten hat dann oft der letzte finale Pass, der letzte Abschluss gefehlt. Wir waren nicht konzentriert genug. Hätte jemand am Ende der Vorrunde gesagt, dass wir gegen Gonsenheim 2:2 spielen, hätte es jeder unterschrieben. Nach dem Spiel waren wir allerdings sehr traurig und enttäuscht über das Ergebnis. Die Jungs haben sich aber reingehauen. Ich war mit der Einstellung zufrieden. Das war der Punkt, der gegen Quierschied in der ersten Halbzeit wiederum gefehlt hat. Ich glaube, die Mannschaft hat gegen Gonsenheim gesehen welche Qualität sie hat und welche Intensität sie gehen kann. Und das war, glaube ich, der Ausschlag, weshalb gegen Quierschied dann fünf bis zehn Prozent gefehlt haben. Wir können es uns nicht erlauben, einen Gegner zu unterschätzen. Wir haben eine sehr junge Mannschaft. Das Durchschnittsalter liegt knapp über 22 Jahren. Die Dominanz gegen den Tabellenzweiten hat etwas ausgelöst. Meine Spieler waren etwas zu hochmütig. Das habe ich gegen Quierschied schon nach zehn Minuten gespürt. Daraufhin habe ich die gesamte Bank zum Warmmachen geschickt. Ich wollte reagieren. Dann wurde es besser. Trotzdem gab es weiterhin viele Unkonzentriertheiten, es wurde sich nicht immer an den Plan gehalten und ein bisschen arrogant gespielt. Egal wo man in der Tabelle steht, für sowas habe ich nichts übrig. In unserer Lage ist das inakzeptabel. In der Kabine habe ich meine Enttäuschung deutlich zum Ausdruck gebracht. Die zweite Halbzeit war dann ein Feuerwerk, ein Spiel auf ein Tor. Das Problem war dann nur noch die Chancenverwertung. Trotzdem haben wir das Spiel gedreht. Daraufhin haben wir wieder fünf bis zehn Prozent nachgelassen und wurden dann wieder bestraft.

Das-Run.de: Das heißt ihr habt jetzt vielleicht nicht unbedingt die erwünschte Punkteausbeute aus diesen zwei Spielen geholt. Wie geht ihr mit diesen Rückschlägen jetzt die nächsten Aufgaben an? Das kommende Programm ist mit Kaiserslautern II, Wormita Worms und Eintracht Trier natürlich ordentlich.

Yusuf Kasal: Es ist so: Wenn mein Team mit 100 Prozent in ein Spiel geht, können wir jeden Gegner schlagen – sei es in Kaiserslautern, zuhause gegen Worms oder in Trier. Es spielt keine Rolle. Davon bin ich absolut überzeugt. Ich habe genug Spiele in dieser Liga gesehen und stand oft genug bei meinem Team an der Seitenlinie. Wenn mein Team 100 Prozent gibt, habe ich überhaupt keine Befürchtungen. Aber wenn mein Team nur fünf bis zehn Prozent nachlässt, dann können wir auch gegen Mannschaften, die hinter uns stehen, verlieren. Ich versuche meiner Mannschaft klarzumachen: Es liegt hauptsächlich an uns.

Das-Run.de: Der Klassenerhalt ist das große Ziel. Ihr seid jetzt elf Punkte vom rettenden Ufer entfernt. Was stimmt dich positiv, dass ihr dieses große und schwere Vorhaben noch realisieren könnt?

Yusuf Emre Kasal: Es klingt wie eine Floskel, aber wir schauen von Spiel zu Spiel und nicht auf die Tabelle. Wenn wir gemeinsam auf die Tabelle schauen und anfangen zu rechnen… Das bringt nichts. Natürlich schaut man auf die Tabelle, um einfach den Abstand im Auge zu behalten. Aber wenn ich am Tag fünfmal auf die Tabelle schaue, ändert sich trotzdem nichts. Wir müssen unsere Punkte holen und von Spiel zu Spiel einfach fokussiert sein. Was mich positiv stimmt ist, was die Mannschaft mittlerweile für eine Qualität hat, was sie im Stande ist zu spielen und das wir noch gegen fast alle Gegner aus dem unteren Tabellendrittel spielen werden. Wenn man von acht Absteigern und elf Punkten Abstand ausgeht, haben wir durch die direkten Spiele noch die Möglichkeit, es aus eigener Kraft zu schaffen. Es geht wahnsinnig schnell in der Oberliga. Mit einer Serie ist einiges möglich. Aber es bringt wirklich nichts auf die Tabelle zu blicken. Ich muss jetzt drei Punkte gegen Kaiserslautern holen. Dann können wir kurz auf die Tabelle schauen und weiter geht’s. Die ganzen Rechnereien machen erst Sinn, wenn es in die letzten zwei, drei Wochen geht.

Das-Run.de: Du hast selbst lange Zeit in der Türkei Fußball gespielt. Ist das für dich langfristig gesehen ein Ziel, einmal in der Türkei ein Team zu coachen? Die türkische Fußballkultur ist ja wirklich sehr faszinierend, wie ich finde.

Yusuf Emre Kasal: Als Spieler war es sehr interessant in einem Land zu kicken, wo der Fußball richtig in seinen Emotionen ausgelebt wird. Es ist aber immer ein Fluch und Segen zugleich. Wenn es gut läuft, ist es natürlich geil, dass alles mitzuerleben. Aber wenn es schlecht läuft, dann ist es auch so, dass ein soziales Leben in der Stadt, in der man lebt, kaum möglich ist. Weil die Menschen sehr emotional sind. Als Trainer ist es für mich so: Ich bin vor zwei Jahren aus der Türkei zurückgekehrt und möchte hier in Deutschland meine Trainerkarriere entwickeln und weiter aufsteigen. Ich habe keine Pläne in der Türkei als Trainer zu arbeiten. Ich möchte schon in Deutschland bleiben, weil hier die Trainerausbildung und die Kontakte, die ich hier habe, mich einfach viel weiterbringen können. Natürlich sollte man nie etwas ausschließen. Man weiß nie, was kommt. Aber im Moment habe ich überhaupt keinen Gedanken daran. Ich möchte mich in Deutschland entwickeln und meine Ziele erreichen.

Bildquelle: FC Cosmos Koblenz