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Jahrelang war Wolfgang Treis Oberbürgermeister der Stadt Mayen. Seit 2022 ist der 63-Jährige Erster Vorsitzender des Traditionsvereins TuS Mayen. 2023 musste Treis mit seinem Team den ersten Abstieg nach einigen Jahrzehnten verkraften. In der Bezirksliga ist der TuS aber längst angekommen und träumt vom direkten Wiederaufstieg. Mit Das-Run.de sprach Wolfgang Treis über den bitteren Abstieg, die erfolgreiche Gegenwart und die Zukunftspläne des TuS Mayen.

Hallo Wolfgang, wie geht`s dir in dieser für den TuS Mayen fußballfreien Zeit?

Mir geht es gut, allerdings ist die Zeit ja nicht wirklich „fußballfrei“ für den TuS Mayen. Neben Vorbereitungsspielen geht es auch darum die nächste Mitgliederversammlung am 13.03.2024 vorzubereiten, bei der auch Neuwahlen anstehen.

Nach Jahren in der Ober- und Rheinlandliga musste der TuS Mayen, für viele Außenstehende sehr überraschend, in der vergangenen Saison absteigen. Wie hat der Verein diesen Abstieg in die Bezirksliga verkraftet?

Es ist natürlich sehr schwer zu verkraften, wenn ein fast in allen Positionen neu besetzter Vorstand miterleben muss, dass die 1. Mannschaft nach 50 Jahren wieder zurück in die Bezirksliga muss. Wir haben aber die Ärmel hochgekrempelt und waren und sind sicher, dass wir die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft bereits Anfang des Jahres durch die Verpflichtung unseres neuen Trainerduos, Marc Steil und Mirco Panzetta, gestellt hatten.

Wart ihr eigentlich darauf vorbereitet? Schließlich wurde der Klassenerhalt ja erst kurz vor Saisonende verspielt. Im Profifußball heißt es bei potenziellen „Kellerkindern“ ja immer: „Wir planen zweigleisig.“ Geht das im Amateurfußball auch?

Wir haben bis zuletzt an unsere Mannschaft geglaubt und waren insofern nicht auf einen Abstieg vorbereitet. Dies nicht zuletzt weil die „Vorbereitungen“ für die neue Saison jeweils meist schon in den ersten Monaten des neuen Jahres getroffen werden. Die damalige Tabellensituation ergab kein Erfordernis für die Bezirksliga zu planen. Insofern wurden bei allen Gesprächen, einschließlich bei denen mit unserem Trainerteam, vor dem Hintergrund einer Rheinlandligazugehörigkeit geführt. Gott sei Dank haben die meisten Spieler und bekanntlich auch das Trainerteam trotz des Abstiegs an ihren Zusagen festgehalten.

Blick nach vorne. Mit bereits 12 Siegen und nur zwei Niederlagen steht der TuS Mayen in der Bezirksliga auf einem starken zweiten Tabellenplatz. Gelingt der direkte Wiederaufstieg und war dieser zu Saisonbeginn überhaupt ein Thema?

Unsere Erwartungen wurden in Bezug auf den Tabellenplatz deutlich übertroffen. Keiner konnte vorhersehen, dass Marc und Mirco aus der Mannschaft mit den vielen Neuverpflichtungen in so kurzer Zeit ein schlagkräftiges Team mit einem enormen Zusammenhalt formen würde. Selbstverständlich streben wir jetzt auch den direkten Wiederaufstieg an. Alles andere wäre wohl kaum nachvollziehbar.

Die erste Mannschaft erkennt man fast nicht wieder. So viele junge Gesichter hat man schon sehr lange nicht mehr im Trikot dieses Traditionsvereins gesehen. Ist genau das der Weg des „neuen“ TuS?

Es ist ein regelrechter Generationswechsel vollzogen worden, was völlig unabhängig vom Abstieg ohnehin notwendig war. Selbstverständlich hätten wir die Verjüngung gerne aus der eigenen Jugend vollzogen, dies war leider nicht möglich.

Wie zufrieden bist du generell mit der Entwicklung des TuS Mayen? Was hat sich im Jugendbereich getan und was ist noch geplant?

Im Seniorenbereich können wir sehr zufrieden sein, was konträr zur Entwicklung bei der Jugend steht. Wir müssen leider feststellen, dass gerade bei den älteren Jugendlichen die Begeisterung für den Fußball stark nachlässt. Daneben wird es auch immer schwieriger gute Trainer und ehrenamtliche Betreuer zu gewinnen. Wir lassen aber nicht locker und arbeiten weiter mit Hochdruck daran, die Jugendarbeit zu stärken. Gott sei Dank haben wir mit Chris Schäfer einen ambitionierten Jugendleiter. Bei den Altersklassen bis zur D-Jugend können wir auch bereits eine sehr positive Entwicklung verzeichnen.

Mit Cheftrainer Marc Steil habt ihr kürzlich den Vertrag verlängert. Was unterscheidet seine Arbeit und ihn von anderen Trainern?

Diese Frage kann ich natürlich nur eingeschränkt und bezogen auf das vorherige Trainerteam beantworten. Auffällig ist, dass Marc und Mirco einen sehr guten Teamgeist in der Mannschaft schaffen konnten. Dies zeigt sich nicht nur in einer hohen Trainingsbeteiligung und gutem Zusammenhalt auch außerhalb der Fußballplätze, sondern auch in der Spielanlage auf dem Fußballplatz, wo nicht nur wir im Vorstand sondern auch unsere Zuschauer deutliche Verbesserungen erkennen können.

Einige Vereine, auch in der Region, sprechen gerne immer wieder von „5-Jahres-Plänen“ oder anderen Visionen. Oft natürlich auch mit dem Hintergedanken Sponsoren zu gewinnen und bei Laune zu halten. Habt ihr beim TuS Mayen einen ähnlichen Zukunftsplan?

Wir, Stefanie Anheyer, Jürgen Hilse, Michael Brodam, Hans-Walter May und Chris Schäfer konnten leider nicht auf einen Mehrjahresplan zurückgreifen und waren in unserer bisherigen Amtszeit damit beschäftigt die Tagesarbeit zu erledigen, die in hohem Maß gefordert hat. Wir wollen die nächste Zeit dazu nutzen zumindest mittelfristig überprüfbare Ziele zu definieren, die auch erreichbar sind. Gott sei Dank konnten wir auf eine Sponsorengemeinschaft zurückgreifen, was uns die Arbeit zumindest an dieser Stelle erleichtert hat.

Konkret. Wo siehst du deinen Verein, den TuS Mayen, in fünf Jahren?

Wir gehen davon aus, dass wir in fünf Jahren wieder in allen Altersklassen der Jugend erfolgreich aktiv sind und im oberen Drittel der Rheinlandliga unterwegs sein werden. Begleitet durch eine 2. Mannschaft, die in der A-Klasse erfolgreich mitmischt.

Was macht den TuS Mayen in deinen Augen aus?

Der TuS ist ein Traditionsverein, der über Jahrzehnte sowohl im Jugend- als auch im Seniorenbereich erfolgreich war. Es gilt die Verbundenheit zum Verein sowohl in der aktiven Zeit als auch danach zu stärken.

Seit wann bist du eigentlich TuS-Fan?

Quasi seit meiner Geburt, da mein Vater ja bekanntlich Geschäftsführer des TuS war und ich auch in der Jugend erfolgreich aktiv sein konnte. Die schönste Zeit war unter Trainer Karl Heinz Justen in der ich als B-Jugendlicher bereits mit Cracks wie Erich Klasen, Thomas Waldorf, Wolfgang Berens, Rainer Angeletti, Flappo Müller und weiteren in der A-Jugend Sonderrunde aktiv sein konnte. Danach hat leider mein Engagement in Sachen Fußball nachgelassen, sodass ich nach einer Saison in der Bezirksliga bei TuS in Hausen gelandet bin. Mein Herz hat aber im für den TuS geschlagen.

Und was ist einfacher? Oberbürgermeister dieser Stadt zu sein oder den Vorsitz des TuS zu übernehmen?

Beide Aufgaben haben natürlich Ihre Herausforderungen und sind in den Aufgabenstellungen nur mehr als eingeschränkt vergleichbar. Ich habe mir auch wirklich diese Frage gestellt und jetzt kann ich nur sagen, dass beide Aufgaben einen großen Reiz auf mich ausgeübt haben.

Wie siehst du die Entwicklung des Fußballs im Fußballverband Rheinland? Glaubst du, dass es einem Verein in naher Zukunft noch einmal gelingen wird, höherklassig zu spielen?

Dies kann meiner Meinung nach am ehesten der TuS aus Koblenz gelingen, wenn man unter höherklassig mindestens die 3. Liga versteht. Insgesamt wird es im Amateurfußball immer schwieriger, da immer weniger „Ehrenamtliche“ für kontinuierliche Vereinsarbeit zur Verfügung stehen und gleichzeitig der Verwaltungsaufwand sich auf einem hohen Niveau bewegt und nicht erkennbar ist, dass es zu Erleichterungen kommen wird. Im Übrigen ist es auch eine große Herausforderung Sponsoren langfristig an den Verein zu binden.

Am 3. März – einem Sonntag – geht es für euch im Nettetal ausgerechnet mit einem Derby wieder los. Spitzenreiter SG Eintracht Mendig/Bell ist zu Gast. Anpfiff ist um 15 Uhr. Was erwartest du für eine Begegnung?

Bei einem Sieg seid ihr punktgleich mit den Vulkanstädtern. Die Mannschaften werden hochmotiviert in die Partie gehen, wobei unsere Jungs natürlich die Hinspielniederlage wett machen wollen. Wir gehen davon aus, dass es ein kampfbetontes Spiel vor hoffentlich großer Zuschauerkulisse geben wird, bei dem wir am Ende die Nase knapp vorn haben werden.

Zum Abschluss eine gemeine Frage. Rheinlandpokalsieg im nächsten Jahr und damit verbunden die erste DFB-Pokalrunde gegen deinen VfL Borussia Mönchengladbach im Nettetal oder Aufstieg in die Rheinlandliga?

Warum gemein, mit einem breiten Grinsen fällt mir die Antwort leicht: beides natürlich!!

Vielen Dank für deine Zeit und weiterhin viel Erfolg. Danke für die Fragen und die Aufmerksamkeit, die dem TuS damit geschenkt wurde.

Bildquelle: Peter Seydel