In vielen Sportarten brechen talentierte Jugendliche oftmals unter dem Leistungsdruck zusammen und verlieren dadurch den Spaß am Ausüben ihrer Sportart. Diese Erfahrung macht Timm Schneider, der als ausgebildeter Pädagoge arbeitet, leider in aller Regelmäßigkeit. Aufgrund dessen hat es sich der 32-Jährige zur Aufgabe gemacht, ein spezielles Angebot zu entwickeln, welches Spieler nicht nur physisch, sondern auch mental stärkt und direkt auf dem Spielfeld unterstützt. Der im Saarland lebende Mental Coach besitzt die UEFA-B-Lizenz und ist vor allem im Junioren-Leistungsfußball tätig. Im exklusiven Interview mit Das-Run.de erzählt Timm, was sich hinter Mental Coaching im Fußball verbirgt und geht auf Ansätze und Methoden ein, mit denen er Jugendlichen den Spaß am Sport wieder bringt. Des Weiteren erzählt der Pädagoge von seiner Zusammenarbeit mit Spielern und Spielerinnen und ordnet die zukünftigen Perspektiven des Mental Coachings ein. Am Ende des Interviews erläutert der Mann mit der Leidenschaft für den Fußballsport, warum er an seiner aktuellen Arbeit so viel Spaß hat. Viel Freude beim Lesen.
Das-Run.de: Hallo Timm, herzlich willkommen zum Interview. Stell dich gerne einmal unserer Community vor. Wer bist du und wie bist du zum Mental Coaching gekommen?
Timm Schneider: Hallo zusammen, vielen Dank für die Einladung. Mein Name ist Timm Schneider, ich bin 32 Jahre alt und lebe im Saarland. Als ausgebildeter Pädagoge bringe ich viel Erfahrung in der Begleitung, Beratung und im Coaching von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit. Seit vielen Jahren bin ich als Trainer im Juniorenfußball aktiv, vor allem im Leistungsbereich. Hier habe ich immer wieder gesehen, wie groß der Druck auf junge Spieler ist: Erwartungen von Eltern, Trainern und ihnen selbst führen oft dazu, dass sie an sich zweifeln und ihr Potenzial nicht abrufen können. Genau diese Herausforderungen haben mich zum Mental Coaching geführt.
Das-Run.de: Was hat dich dazu inspiriert, speziell im Fußball als Mental Coach zu arbeiten?
Timm Schneider: Die Erfahrungen im Junioren-Leistungsfußball haben mir gezeigt, wie wichtig es ist, Spieler ganzheitlich zu unterstützen. Es hat mich immer wieder frustriert zu sehen, wie talentierte Jugendliche unter dem Druck zusammenbrechen, den Spaß am Spiel verlieren und teilweise sogar mit dem Fußball aufhören. Diese Erlebnisse haben mich dazu bewegt, ein spezielles Angebot zu entwickeln, das Spieler nicht nur physisch, sondern auch mental stärkt und sie auf dem Platz unterstützt.
Das-Run.de: Welche Qualifikationen und Erfahrungen bringt du denn in diesem Bereich mit?
Timm Schneider: Ich bin pädagogische Fachkraft, systemischer Coach und Berater sowie Fachkraft für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Zusätzlich besitze ich die UEFA-B-Lizenz. Diese Kombination erlaubt es mir, Spieler nicht nur fachlich, sondern auch empathisch zu begleiten. Dabei ist es egal, ob es um Selbstvertrauen, Druckbewältigung oder persönliche Herausforderungen geht.
Das-Run.de: Timm, warum ist Mental Coaching im Fußball heutzutage so wichtig?
Timm Schneider: Mental Coaching ist wichtiger denn je, da der moderne Fußball nicht nur physische und technische Anforderungen stellt, sondern auch einen enormen mentalen Druck erzeugt. Spieler stehen vor der Herausforderung, unter Beobachtung Höchstleistungen abzurufen, mit Rückschlägen umzugehen und konstant fokussiert zu bleiben. Ohne mentale Stärke verlieren Spieler oft die Freude am Spiel oder stagnieren in ihrer Entwicklung. Gleichzeitig bleibt das Training von Fokus, Widerstandskraft und Konzentration in den meisten Vereinen auf der Strecke – und das auf allen Niveaus.
Das-Run.de: Wie genau sieht denn deine Arbeit mit Spielern, Trainern oder Teams konkret aus? Kannst du ein Beispiel nennen?
Timm Schneider: In den meisten Fällen arbeite ich im Einzelsetting mit Spielern – entweder digital oder in meinen Räumlichkeiten in Saarlouis. Nach einem ausführlichen diagnostischen Einstieg geht es gezielt um die individuellen Bedürfnisse der jungen Athleten. Viele kommen zu mir, weil sie sagen: „Ich gebe alles, aber ich schaffe es nicht, in den entscheidenden Momenten zu performen.“ Genau hier setzen wir an, indem wir Themen wie Selbstvertrauen, Umgang mit Druck und Resilienz stärken – immer individuell und praxisnah. In Teamworkshops lege ich vor allem wert darauf, der Gruppe Strategien an die Hand zu geben, auf die sie in schwierigen Momenten, wie beispielsweise ein Rückstand oder der Abstiegskampf, Disharmonie oder Unzufriedenheit, zurückgreifen können. Jeder kennt mittlerweile die berüchtigten Teambuilding-Maßnahmen mit Kommunikationsübungen oder anderen gemeinsamen Aktivitäten. Sicherlich gruppenfördernd, aber hat das mal geholfen, eine schwierige Situation in eine positive zu verändern? Hier setze ich mit gezielter Analyse und passenden Übungen an.
Das-Run.de: Das klingt richtig spannend. Timm, was sind die häufigsten mentalen Herausforderungen, mit denen Fußballspieler konfrontiert sind?
Timm Schneider: Gute Frage. Die mentalen Herausforderungen von Fußballspielern sind sehr vielfältig. Häufig höre ich, wie Spieler von Druck sprechen: „Was, wenn ich wieder einen Fehler mache?“ oder „Was denken die anderen über mich?“ Mangelndes Selbstvertrauen und Schwierigkeiten, ihr Potenzial in wichtigen Momenten abzurufen, gehören zu den größten Themen. Persönliche Herausforderungen wie fehlende Spielzeit oder stagnierende Entwicklung verschärfen die Situation zusätzlich.
Das-Run.de: Welche Rolle spielt Mental Coaching in Drucksituationen? Zum Beispiel bei wichtigen Spielen?
Timm Schneider: Mental Coaching spielt in Drucksituationen, dazu gehören wichtige Spielen oder die Zeit nach Verletzungen, eine entscheidende Rolle. Es hilft Spielern, ihre Konzentration und ihren Fokus zu bewahren, selbstbewusst aufzutreten und Vertrauen in ihre Fähigkeiten zu entwickeln. Viele sagen mir nach einer Verletzung: „Ich habe Angst, wieder zu spielen, weil ich nicht weiß, ob ich noch mithalten kann.“ Mentale Stärke kann hier nicht nur Ängste abbauen, sondern auch die Freude am Spiel zurückbringen.
Das-Run.de: Wie hilft du Spielern dabei, Selbstvertrauen und mentale Stärke zu entwickeln?
Timm Schneider: Der erste Schritt besteht darin, mit Spielern daran zu arbeiten, ihre Stärken zu erkennen und konkret benennen zu können. Viele können ihre Stärken nur sehr unspezifisch beschreiben, wie „Ich bin halt irgendwie gut“. Ohne dieses Bewusstsein fehlt das Fundament für Selbstvertrauen. Gemeinsam entwickeln wir Strategien, wie sie in schwierigen Momenten auf ihre Stärken zugreifen können – sei es durch mentale Anker oder Visualisierung.
Das-Run.de: Und welche Methoden oder Techniken setzt du dann beim Coaching ein?
Timm Schneider: Ich arbeite mit einer Kombination aus systemischem Coaching, Reflexionsübungen und lösungsorientierten Fragestellungen, die Spielern helfen, ihre Herausforderungen zu erkennen und eigenständig Lösungen zu entwickeln. Wichtig ist mir, dass Spieler verstehen: „Du hast die Kontrolle über deinen Kopf.“ Das schafft Sicherheit und Motivation.
Das-Run.de: Lass uns die Arbeitsweise des Coachings nochmal vertiefen. Arbeitest du auch mit Visualisierung, Atemtechniken oder anderen spezifischen Tools?
Timm Schneider: Ja, Visualisierung und Atemtechniken sind wichtige Bestandteile meiner Arbeit. Visualisierung hilft Spielern, sich mentale Bilder von Erfolgssituationen zu schaffen. Ich frage sie oft: „Wie fühlt es sich an, wenn du das perfekte Spiel ablieferst?“ Solche Techniken stärken das Selbstbewusstsein und helfen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
Das-Run.de: Wie wichtig ist die Kommunikation zwischen Spieler und Trainer für deinen Ansatz?
Timm Schneider: Die Kommunikation zwischen Spieler und Trainer ist für die Entwicklung der Athleten enorm wichtig. Je wohler sich eine Spieler in der Kommunikation fühlt, desto besser kann er oder sie sich entwickeln. Gleichzeitig unterscheide ich in meiner Arbeit zwischen Dingen, die Spieler selbst beeinflussen können, und jenen, die außerhalb ihres Einflusses liegen. Wenn die Versuche eines Spielers gescheitert sind, mit einem Trainer seine gesunde Ebene der Kommunikation zu finden, analysieren wir gemeinsam die Gründe dafür. Dann arbeiten wir daran, dass sie trotz dieser ungünstigen Situation die beste Performance abrufen können.
Das-Run.de: Du hast vorhin bereits erwähnt, dass du Einzel-Coaching und auch Gruppen-Coaching anbietest. Gibt es da explizite Unterschiede?
Timm Schneider: Im Einzel-Coaching steht die individuelle Entwicklung der Spieler im Mittelpunkt. Hier arbeite ich gezielt an persönlichen Themen wie Selbstvertrauen, Fokus und Resilienz. Im Team-Coaching liegt der Fokus stärker auf der Gruppendynamik. Es geht darum, Strategien zu entwickeln, die das Team als Einheit stärken, besonders in Drucksituationen wie einem Abstiegskampf oder wichtigen Spielen. Ziel ist es, dass die Spieler als Gruppe nicht nur taktisch, sondern auch mental besser aufeinander abgestimmt agieren.
Das-Run.de: Kannst du uns von einem Erfolgserlebnis oder einer besonders herausfordernden Situation erzählen, die du begleitet hast?
Timm Schneider: Ein Erfolgserlebnis, das mir besonders im Gedächtnis geblieben ist, betrifft einen U19-Spieler aus einem Nachwuchsleistungszentrum. Er hatte kaum Spielzeit, sein Selbstvertrauen sank, und er konnte sein Potenzial im Training und in Spielen nicht abrufen – ein klassischer Teufelskreis. Gemeinsam haben wir daran gearbeitet, seine Stärken zu erkennen und konkrete Strategien zu entwickeln, um mit Druck und Enttäuschungen umzugehen. Heute ist er Stammspieler und tritt mit einer ganz anderen Selbstsicherheit auf. Dieses Ergebnis zeigt, wie wichtig es ist, nicht nur körperlich, sondern auch mental zu trainieren.
Das-Run.de: Lässt sich der Erfolg deiner Arbeit als Mental Coach messen?
Timm Schneider: Der Erfolg meiner Arbeit wird auf verschiedenen Ebenen messbar. Zum einen erhalte ich Feedback von Spielern und Trainern, die berichten, dass die Athleten selbstbewusster auftreten, besser mit Druck umgehen und fokussierter spielen. Zum anderen arbeite ich mit sogenannten Performance Checks, die zu Beginn, im Verlauf und am Ende der Coaching-Begleitung eingesetzt werden. Diese subjektiven Einschätzungen der Spieler geben einen klaren Einblick in ihre Entwicklung und helfen, den Coaching-Prozess gezielt anzupassen.
Das-Run.de: Wie siehst du die Entwicklung des Mental Coachings im Fußball in den nächsten Jahren?
Timm Schneider: Ich bin überzeugt, dass Mental Coaching in den kommenden Jahren einen noch größeren Stellenwert im Fußball bekommen wird. Während physisches und technisches Training als Individualtraining längst etabliert sind, bleibt mentale Stärke oft noch ein unterschätztes Thema. Mental Coaching wird nicht nur als Ergänzung, sondern als essenzieller Bestandteil des Trainings anerkannt werden. Es wird entscheidend sein, Vorurteile abzubauen und das Bewusstsein dafür zu schärfen, wie wichtig mentale Stärke für den Erfolg ist.
Das-Run.de: Was würdest du jungen Trainern und Spielern raten, die sich mehr mit mentaler Stärke beschäftigen möchten?
Timm Schneider: Ich rate jungen Trainern, gezielt Zeit und Raum für das Training mentaler Stärke zu schaffen. Spieler und Spielerinnen sollten ihre Stärken und Schwächen ehrlich analysieren und gezielt an mentalen Blockaden arbeiten. Je früher man damit beginnt, desto besser. Mentale Stärke ist ein Schlüssel, um nicht nur sportlich, sondern auch persönlich zu wachsen und Herausforderungen erfolgreich zu meistern.
Das-Run.de: Hast du eigentlich ein persönliches Motto oder eine Philosophie, die dich in deiner Arbeit leitet?
Timm Schneider: Mein Motto lautet: „Kopf. Spiel. Erfolg.“ Mentale Stärke ist der Schlüssel, um die eigenen Grenzen zu verschieben und das volle Potenzial zu entfalten. Erfolg beginnt im Kopf – das gilt nicht nur für meine Spieler, sondern auch für mich selbst. Dieses Motto begleitet mich in jeder Situation.
Das-Run.de: Was begeistert dich persönlich am meisten an deiner Arbeit?
Timm Schneider: Mich begeistert, Spieler dabei zu begleiten, ihre mentale Stärke zu entwickeln und dabei zuzusehen, wie sie nicht nur auf dem Platz, sondern auch als Persönlichkeiten wachsen. Es ist unglaublich erfüllend, wenn jemand sagt: „Danke, ohne das Coaching hätte ich nicht mehr dran geglaubt, dass ich das schaffen kann.“ Meine Erfahrung im Fußball hilft mir dabei, ihre Herausforderungen zu verstehen und passgenaue Unterstützung zu bieten.
Das-Run.de: Welche Rolle spielt Leidenschaft in deiner Arbeit?
Timm Schneider: Leidenschaft ist der Kern meiner Arbeit. Ohne Leidenschaft könnte ich meine Spieler nicht so intensiv und mit vollem Engagement unterstützen. Es ist diese Leidenschaft, die mich antreibt, jeden Tag mein Bestes zu geben und meinen Spielern dabei zu helfen, ihre Ziele zu erreichen und über sich hinauszuwachsen.
Das-Run.de: Wenn du einen Ratschlag an dein jüngeres Ich geben könntest, was wäre das?
Timm Schneider: „Fang früher an, an deiner mentalen Stärke zu arbeiten.“ Mentale Stärke ist kein Talent, das man einfach hat, sondern etwas, das man trainieren kann – genauso wie Technik oder Kondition. Je früher man damit beginnt, desto besser ist man für zukünftige Herausforderungen gewappnet. Rückschläge gehören dazu, aber sie sind Chancen, aus denen man wachsen kann.
Das-Run.de: Timm, vielen lieben Dank für das tolle Interview. Es freut uns sehr, dass wir unserer Community das Thema Mental Coaching näher beibringen durften.
Timm Schneider: Ich danke euch für die Möglichkeit, ein Interview zu führen. Macht es gut.
Bildquelle: Timm Schneider
Das-Run.de: Hallo Timm, herzlich willkommen zum Interview. Stell dich gerne einmal unserer Community vor. Wer bist du und wie bist du zum Mental Coaching gekommen?
Timm Schneider: Hallo zusammen, vielen Dank für die Einladung. Mein Name ist Timm Schneider, ich bin 32 Jahre alt und lebe im Saarland. Als ausgebildeter Pädagoge bringe ich viel Erfahrung in der Begleitung, Beratung und im Coaching von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit. Seit vielen Jahren bin ich als Trainer im Juniorenfußball aktiv, vor allem im Leistungsbereich. Hier habe ich immer wieder gesehen, wie groß der Druck auf junge Spieler ist: Erwartungen von Eltern, Trainern und ihnen selbst führen oft dazu, dass sie an sich zweifeln und ihr Potenzial nicht abrufen können. Genau diese Herausforderungen haben mich zum Mental Coaching geführt.
Das-Run.de: Was hat dich dazu inspiriert, speziell im Fußball als Mental Coach zu arbeiten?
Timm Schneider: Die Erfahrungen im Junioren-Leistungsfußball haben mir gezeigt, wie wichtig es ist, Spieler ganzheitlich zu unterstützen. Es hat mich immer wieder frustriert zu sehen, wie talentierte Jugendliche unter dem Druck zusammenbrechen, den Spaß am Spiel verlieren und teilweise sogar mit dem Fußball aufhören. Diese Erlebnisse haben mich dazu bewegt, ein spezielles Angebot zu entwickeln, das Spieler nicht nur physisch, sondern auch mental stärkt und sie auf dem Platz unterstützt.
Das-Run.de: Welche Qualifikationen und Erfahrungen bringt du denn in diesem Bereich mit?
Timm Schneider: Ich bin pädagogische Fachkraft, systemischer Coach und Berater sowie Fachkraft für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Zusätzlich besitze ich die UEFA-B-Lizenz. Diese Kombination erlaubt es mir, Spieler nicht nur fachlich, sondern auch empathisch zu begleiten. Dabei ist es egal, ob es um Selbstvertrauen, Druckbewältigung oder persönliche Herausforderungen geht.
Das-Run.de: Timm, warum ist Mental Coaching im Fußball heutzutage so wichtig?
Timm Schneider: Mental Coaching ist wichtiger denn je, da der moderne Fußball nicht nur physische und technische Anforderungen stellt, sondern auch einen enormen mentalen Druck erzeugt. Spieler stehen vor der Herausforderung, unter Beobachtung Höchstleistungen abzurufen, mit Rückschlägen umzugehen und konstant fokussiert zu bleiben. Ohne mentale Stärke verlieren Spieler oft die Freude am Spiel oder stagnieren in ihrer Entwicklung. Gleichzeitig bleibt das Training von Fokus, Widerstandskraft und Konzentration in den meisten Vereinen auf der Strecke – und das auf allen Niveaus.
Das-Run.de: Wie genau sieht denn deine Arbeit mit Spielern, Trainern oder Teams konkret aus? Kannst du ein Beispiel nennen?
Timm Schneider: In den meisten Fällen arbeite ich im Einzelsetting mit Spielern – entweder digital oder in meinen Räumlichkeiten in Saarlouis. Nach einem ausführlichen diagnostischen Einstieg geht es gezielt um die individuellen Bedürfnisse der jungen Athleten. Viele kommen zu mir, weil sie sagen: „Ich gebe alles, aber ich schaffe es nicht, in den entscheidenden Momenten zu performen.“ Genau hier setzen wir an, indem wir Themen wie Selbstvertrauen, Umgang mit Druck und Resilienz stärken – immer individuell und praxisnah. In Teamworkshops lege ich vor allem wert darauf, der Gruppe Strategien an die Hand zu geben, auf die sie in schwierigen Momenten, wie beispielsweise ein Rückstand oder der Abstiegskampf, Disharmonie oder Unzufriedenheit, zurückgreifen können. Jeder kennt mittlerweile die berüchtigten Teambuilding-Maßnahmen mit Kommunikationsübungen oder anderen gemeinsamen Aktivitäten. Sicherlich gruppenfördernd, aber hat das mal geholfen, eine schwierige Situation in eine positive zu verändern? Hier setze ich mit gezielter Analyse und passenden Übungen an.
Das-Run.de: Das klingt richtig spannend. Timm, was sind die häufigsten mentalen Herausforderungen, mit denen Fußballspieler konfrontiert sind?
Timm Schneider: Gute Frage. Die mentalen Herausforderungen von Fußballspielern sind sehr vielfältig. Häufig höre ich, wie Spieler von Druck sprechen: „Was, wenn ich wieder einen Fehler mache?“ oder „Was denken die anderen über mich?“ Mangelndes Selbstvertrauen und Schwierigkeiten, ihr Potenzial in wichtigen Momenten abzurufen, gehören zu den größten Themen. Persönliche Herausforderungen wie fehlende Spielzeit oder stagnierende Entwicklung verschärfen die Situation zusätzlich.
Das-Run.de: Welche Rolle spielt Mental Coaching in Drucksituationen? Zum Beispiel bei wichtigen Spielen?
Timm Schneider: Mental Coaching spielt in Drucksituationen, dazu gehören wichtige Spielen oder die Zeit nach Verletzungen, eine entscheidende Rolle. Es hilft Spielern, ihre Konzentration und ihren Fokus zu bewahren, selbstbewusst aufzutreten und Vertrauen in ihre Fähigkeiten zu entwickeln. Viele sagen mir nach einer Verletzung: „Ich habe Angst, wieder zu spielen, weil ich nicht weiß, ob ich noch mithalten kann.“ Mentale Stärke kann hier nicht nur Ängste abbauen, sondern auch die Freude am Spiel zurückbringen.
Das-Run.de: Wie hilft du Spielern dabei, Selbstvertrauen und mentale Stärke zu entwickeln?
Timm Schneider: Der erste Schritt besteht darin, mit Spielern daran zu arbeiten, ihre Stärken zu erkennen und konkret benennen zu können. Viele können ihre Stärken nur sehr unspezifisch beschreiben, wie „Ich bin halt irgendwie gut“. Ohne dieses Bewusstsein fehlt das Fundament für Selbstvertrauen. Gemeinsam entwickeln wir Strategien, wie sie in schwierigen Momenten auf ihre Stärken zugreifen können – sei es durch mentale Anker oder Visualisierung.
Das-Run.de: Und welche Methoden oder Techniken setzt du dann beim Coaching ein?
Timm Schneider: Ich arbeite mit einer Kombination aus systemischem Coaching, Reflexionsübungen und lösungsorientierten Fragestellungen, die Spielern helfen, ihre Herausforderungen zu erkennen und eigenständig Lösungen zu entwickeln. Wichtig ist mir, dass Spieler verstehen: „Du hast die Kontrolle über deinen Kopf.“ Das schafft Sicherheit und Motivation.
Das-Run.de: Lass uns die Arbeitsweise des Coachings nochmal vertiefen. Arbeitest du auch mit Visualisierung, Atemtechniken oder anderen spezifischen Tools?
Timm Schneider: Ja, Visualisierung und Atemtechniken sind wichtige Bestandteile meiner Arbeit. Visualisierung hilft Spielern, sich mentale Bilder von Erfolgssituationen zu schaffen. Ich frage sie oft: „Wie fühlt es sich an, wenn du das perfekte Spiel ablieferst?“ Solche Techniken stärken das Selbstbewusstsein und helfen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
Das-Run.de: Wie wichtig ist die Kommunikation zwischen Spieler und Trainer für deinen Ansatz?
Timm Schneider: Die Kommunikation zwischen Spieler und Trainer ist für die Entwicklung der Athleten enorm wichtig. Je wohler sich eine Spieler in der Kommunikation fühlt, desto besser kann er oder sie sich entwickeln. Gleichzeitig unterscheide ich in meiner Arbeit zwischen Dingen, die Spieler selbst beeinflussen können, und jenen, die außerhalb ihres Einflusses liegen. Wenn die Versuche eines Spielers gescheitert sind, mit einem Trainer seine gesunde Ebene der Kommunikation zu finden, analysieren wir gemeinsam die Gründe dafür. Dann arbeiten wir daran, dass sie trotz dieser ungünstigen Situation die beste Performance abrufen können.
Das-Run.de: Du hast vorhin bereits erwähnt, dass du Einzel-Coaching und auch Gruppen-Coaching anbietest. Gibt es da explizite Unterschiede?
Timm Schneider: Im Einzel-Coaching steht die individuelle Entwicklung der Spieler im Mittelpunkt. Hier arbeite ich gezielt an persönlichen Themen wie Selbstvertrauen, Fokus und Resilienz. Im Team-Coaching liegt der Fokus stärker auf der Gruppendynamik. Es geht darum, Strategien zu entwickeln, die das Team als Einheit stärken, besonders in Drucksituationen wie einem Abstiegskampf oder wichtigen Spielen. Ziel ist es, dass die Spieler als Gruppe nicht nur taktisch, sondern auch mental besser aufeinander abgestimmt agieren.
Das-Run.de: Kannst du uns von einem Erfolgserlebnis oder einer besonders herausfordernden Situation erzählen, die du begleitet hast?
Timm Schneider: Ein Erfolgserlebnis, das mir besonders im Gedächtnis geblieben ist, betrifft einen U19-Spieler aus einem Nachwuchsleistungszentrum. Er hatte kaum Spielzeit, sein Selbstvertrauen sank, und er konnte sein Potenzial im Training und in Spielen nicht abrufen – ein klassischer Teufelskreis. Gemeinsam haben wir daran gearbeitet, seine Stärken zu erkennen und konkrete Strategien zu entwickeln, um mit Druck und Enttäuschungen umzugehen. Heute ist er Stammspieler und tritt mit einer ganz anderen Selbstsicherheit auf. Dieses Ergebnis zeigt, wie wichtig es ist, nicht nur körperlich, sondern auch mental zu trainieren.
Das-Run.de: Lässt sich der Erfolg deiner Arbeit als Mental Coach messen?
Timm Schneider: Der Erfolg meiner Arbeit wird auf verschiedenen Ebenen messbar. Zum einen erhalte ich Feedback von Spielern und Trainern, die berichten, dass die Athleten selbstbewusster auftreten, besser mit Druck umgehen und fokussierter spielen. Zum anderen arbeite ich mit sogenannten Performance Checks, die zu Beginn, im Verlauf und am Ende der Coaching-Begleitung eingesetzt werden. Diese subjektiven Einschätzungen der Spieler geben einen klaren Einblick in ihre Entwicklung und helfen, den Coaching-Prozess gezielt anzupassen.
Das-Run.de: Wie siehst du die Entwicklung des Mental Coachings im Fußball in den nächsten Jahren?
Timm Schneider: Ich bin überzeugt, dass Mental Coaching in den kommenden Jahren einen noch größeren Stellenwert im Fußball bekommen wird. Während physisches und technisches Training als Individualtraining längst etabliert sind, bleibt mentale Stärke oft noch ein unterschätztes Thema. Mental Coaching wird nicht nur als Ergänzung, sondern als essenzieller Bestandteil des Trainings anerkannt werden. Es wird entscheidend sein, Vorurteile abzubauen und das Bewusstsein dafür zu schärfen, wie wichtig mentale Stärke für den Erfolg ist.
Das-Run.de: Was würdest du jungen Trainern und Spielern raten, die sich mehr mit mentaler Stärke beschäftigen möchten?
Timm Schneider: Ich rate jungen Trainern, gezielt Zeit und Raum für das Training mentaler Stärke zu schaffen. Spieler und Spielerinnen sollten ihre Stärken und Schwächen ehrlich analysieren und gezielt an mentalen Blockaden arbeiten. Je früher man damit beginnt, desto besser. Mentale Stärke ist ein Schlüssel, um nicht nur sportlich, sondern auch persönlich zu wachsen und Herausforderungen erfolgreich zu meistern.
Das-Run.de: Hast du eigentlich ein persönliches Motto oder eine Philosophie, die dich in deiner Arbeit leitet?
Timm Schneider: Mein Motto lautet: „Kopf. Spiel. Erfolg.“ Mentale Stärke ist der Schlüssel, um die eigenen Grenzen zu verschieben und das volle Potenzial zu entfalten. Erfolg beginnt im Kopf – das gilt nicht nur für meine Spieler, sondern auch für mich selbst. Dieses Motto begleitet mich in jeder Situation.
Das-Run.de: Was begeistert dich persönlich am meisten an deiner Arbeit?
Timm Schneider: Mich begeistert, Spieler dabei zu begleiten, ihre mentale Stärke zu entwickeln und dabei zuzusehen, wie sie nicht nur auf dem Platz, sondern auch als Persönlichkeiten wachsen. Es ist unglaublich erfüllend, wenn jemand sagt: „Danke, ohne das Coaching hätte ich nicht mehr dran geglaubt, dass ich das schaffen kann.“ Meine Erfahrung im Fußball hilft mir dabei, ihre Herausforderungen zu verstehen und passgenaue Unterstützung zu bieten.
Das-Run.de: Welche Rolle spielt Leidenschaft in deiner Arbeit?
Timm Schneider: Leidenschaft ist der Kern meiner Arbeit. Ohne Leidenschaft könnte ich meine Spieler nicht so intensiv und mit vollem Engagement unterstützen. Es ist diese Leidenschaft, die mich antreibt, jeden Tag mein Bestes zu geben und meinen Spielern dabei zu helfen, ihre Ziele zu erreichen und über sich hinauszuwachsen.
Das-Run.de: Wenn du einen Ratschlag an dein jüngeres Ich geben könntest, was wäre das?
Timm Schneider: „Fang früher an, an deiner mentalen Stärke zu arbeiten.“ Mentale Stärke ist kein Talent, das man einfach hat, sondern etwas, das man trainieren kann – genauso wie Technik oder Kondition. Je früher man damit beginnt, desto besser ist man für zukünftige Herausforderungen gewappnet. Rückschläge gehören dazu, aber sie sind Chancen, aus denen man wachsen kann.
Das-Run.de: Timm, vielen lieben Dank für das tolle Interview. Es freut uns sehr, dass wir unserer Community das Thema Mental Coaching näher beibringen durften.
Timm Schneider: Ich danke euch für die Möglichkeit, ein Interview zu führen. Macht es gut.
Bildquelle: Timm Schneider