Thorsten Wörsdörfer ist zu Beginn der Saison nach 21 Jahren wieder auf die Trainerbank der Sportfreunde Eisbachtal zurückgekehrt. Der Coach spielte in den 90ern für den Klub und war Anfang der 2000er sogar als Spielertrainer in Heilberscheid tätig. Auf Das-Run.de spricht der erfahrene Übungsleiter gut gelaunt über die bislang erfolgreiche Saison mit Eisbachtal in der Rheinlandliga, einen möglichen Showdown am letzten Spieltag sowie seine Vergangenheit als Juniorennationalspieler und Bundesliga-Profi.
Das-Run.de: Du bist zu Beginn der Saison nach 21 Jahren zu den Sportfreunden Eisbachtal zurückgekehrt. Wie kam die Rückkehr zustande? Ist der Kontakt über die Jahre überhaupt jemals abgerissen?
Thorsten Wörsdörfer: Ich war nach meiner Profikarriere zehn Jahre als Spieler und Spielertrainer bei Eisbachtal. Da hat man natürlich immer eine gewisse Verbindung. Ich war in den letzten Jahren aber bei anderen Vereinen, unter anderem sechs Jahre in unmittelbarer Nachbarschaft in Dietkirchen. Da hatte ich auch eine ganz, ganz tolle Zeit. Da hatte ich Eisbachtal die ganze Zeit weiter im Auge gehabt. Als dann letztes Jahr das Thema Trainerwechsel anstand, habe ich mich sehr über den Anruf gefreut, und das hat die Gegenseite auch gemerkt. Ich dachte, wenn ich weiterhin als Trainer tätig bin, wäre Eisbachtal die Station, zu der ich am liebsten wechseln würde. Deswegen hat alles gepasst. Gleichzeitig ist es natürlich auch eine gewisse Herausforderung, nach so langer Zeit wieder zum Verein zurückzukehren.
Das-Run.de: Das heißt, du bist auch auf bekannte Gesichter gestoßen?
Thorsten Wörsdörfer: Die Gesichter und die Körper haben sich zwar in der Zwischenzeit verändert – wie auch bei mir, klar (lacht). Aber es sind noch viele alte Bekannte am Werk. Teilweise habe ich auch alte Weggefährten wie Stefan Link als Teambetreuer wieder aktiviert. Nach dem Abstieg und einigen Veränderungen im Vorstand sind wir, glaube ich, aktuell in der Neuorientierung, im Neuaufbau. Um uns für die Zukunft gut aufzustellen, müssen wir noch einiges tun. Es ist heutzutage gar nicht so einfach auf dem Niveau zu arbeiten, besonders im Hinblick auf den Aufwand, den wir im Jugendbereich betreiben. Das ist schon Wahnsinn. Die A-, B- und C-Jugend spielt in der Regionalliga. Der Verein leistet viel. Aber um die Strukturen dauerhaft so zu halten – da muss sich auch noch einiges tun.
Das-Run.de: Welche mittelfristigen und langfristigen Ziele habt ihr euch für die Zusammenarbeit gesteckt? Die Rückkehr in die Oberliga in dieser Saison?
Thorsten Wörsdörfer: Nein. Wir hatten einen relativ großen Umbruch nach dem Abstieg. Der war auch notwendig. Wir wollen jetzt mehr von unserer guten Jugendarbeit profitieren. Wenn wir so viele gute Jugendspieler ausbilden, dann wollen wir möglichst viele in den Profikader integrieren und einbauen. Allerdings ist der Schritt aus dem Jugendbereich in die Rheinlandliga schon gewaltig, auch wenn das nicht alle jungen Spieler gerne hören möchten. Das ist schon ein Sprung. Das müssen die Jungs erstmal akzeptieren und verstehen. Wir haben aber gesagt, wir wollen viele Jugendspieler mit in die Rheinlandliga mitnehmen und eine neue Mannschaft formen. Das war das wichtigste Ziel, eine neue Mannschaft zu formen und zu entwickeln. Der Kader war von Beginn an klein. Das war uns auch bewusst. Aber da gilt auch das Motto: „Lieber einer weniger als einen falschen.“ Der Teamgeist und der Spirit sind manchmal viel wichtiger als die einzelne Qualität. Das ist zumindest meine Erfahrung als Trainer. In der Winterpause hatten wir zwei Abgänge, dazu die Langzeitverletzten. Wir sind aktuell sehr dünn aufgestellt. Deswegen haben wir uns das Ziel Aufstieg nicht von Beginn an gesteckt. Allerdings sind wir jetzt auf der Zielgeraden der Saison. Es ist noch alles möglich. Daher sind wir absolut im Soll. Daher können wir voller Freude in die Endphase gehen.
Das-Run.de: In der Rheinlandliga seid ihr nach 27 Spielen auf Platz zwei. Dieser Rang würde die Aufstiegsrelegation bedeuten. Der Erstplatzierte, SG Schneifel, liegt nur zwei Punkte vor euch. Am letzten Spieltag trefft ihr aufeinander. Ist das der Showdown, auf den ihr hinarbeitet?
Thorsten Wörsdörfer: Schneifel hat ja noch das Pokalendspiel. Jetzt hat der Verband sein Terminproblem endgültig auf dem Tisch (Anm. d. Red., der letzte Spieltag der Rheinlandliga soll am 26. Mai stattfinden, das Rheinlandpokalfinale am 25. Mai). Unabhängig davon: Es wäre schön, wenn wir jetzt sechsmal sehr gut performen und dann das Spiel zum Schluss gegen Schneifel entscheiden würde. Aber ich sage immer: Es ist wie beim Autofahren. Nicht nur noch vorne schauen, sondern auch in den Rückspiegel. Hinter uns liegen mit Ahrweiler und Mühlheim-Kärlich zwei Mannschaften, die einen sehr großen und erfahrenen Kader haben und im Gegensatz zu uns sehr viel eher den Aufstieg anpeilen müssten. Daher muss man auch immer nach hinten gucken. Aber wenn es den Showdown am Ende so gäbe, wäre das für die Rheinlandliga natürlich ein krönender Abschluss.
Das-Run.de: Besonders eure Offensive ist in dieser Saison besonders stark. Mit 79 Toren in 27 Partien habt ihr den stärksten Angriff der Liga. Was würdest du sagen, macht euer Angriffsspiel besonders aus?
Thorsten Wörsdörfer: Wir sind variabel. Wir haben viele Spieler, die Tore schießen, vorbereiten und sich vorne einschalten können. Dazu spielen wir einen technisch sehr guten und schnellen Fußball. Auch in der Verteidigung haben wir einiges dazugelernt, zumindest ein bisschen. Allerdings: Nur in der eigenen Hälfte zu glänzen, bringt uns nicht immer unbedingt weiter. Im Angriff sind wir jedoch wirklich stark, auch wenn ich glaube, dass wir in vielen Spielen unsere Chancenverwertung noch optimieren müssen – trotz der vielen geschossenen Tore. Grundsätzlich bekommen wir aber in manchen Spielen einfach zu viele Gegentore. Zum Beispiel lagen wir gegen die FSG Ehrang zuletzt mit 1:3 hinten und konnten dann noch mit 4:3 gewinnen. Dass man ein solches Spiel noch drehen kann, spricht für sich. Auf der anderen Seite wäre es schön, wenn es nicht allzu oft so weit käme. Denn ich bin ja schon in einem Alter, wo die Haare schon mal grau werden. Aber wenn man am Ende gewonnen hat, ist es natürlich trotzdem schön. Ein solcher Spielverlauf muss aber nicht immer sein.
Das-Run.de: Wir sind zwar noch nicht am Saisonende, aber wie zufrieden bist du bis hierhin mit der Entwicklung des Teams, das du zu Saisonbeginn übernommen hast?
Thorsten Wörsdörfer: Wir haben eine sehr junge Mannschaft. In unserem kleinen Kader fehlt dann der ein oder andere Leistungsträger, der unserem jungen Team noch mehr Struktur geben könnte. Wir haben aber auch eine komplett neue Struktur entwickelt, was die Hierarchie betrifft. Es hat sich einiges verändert. Es ist auch nicht immer einfach, so junge Spieler alle in ein Konzept zu integrieren. In dieser Hinsicht hätte es noch etwas runder laufen können. Aber das sind auch Erkenntnisse, die man sammelt – sowohl die Mannschaft als auch der Trainer. Diese Lehren müssen wir für die neue Saison ziehen. Insgesamt betrachte ich die Entwicklung jedoch sehr positiv. Wir haben großartige Heimspiele abgeliefert, viele Zuschauer angezogen und tollen Fußball gespielt. Die meisten Ergebnisse haben auch gestimmt. Ich bin mit der Entwicklung samt aller Störfaktoren im ersten Schritt zufrieden, ohne dabei die wichtigen Dinge aus den Augen zu verlieren, die noch optimiert werden müssen. Daran arbeiten wir jeden Tag. Wir sind jedoch froh, oben dran zu sein, obwohl wir teilweise nur mit acht oder zehn Spielern trainiert haben.
Das-Run.de: Für die Stuttgarter Kickers hast du 1991 und 1992 39 Spiele in der Bundesliga absolviert. Wie war das? Was sind deine Erinnerungen an diese Zeit?
Thorsten Wörsdörfer: Die erste Erinnerung ist vor allem, dass wir am letzten Spieltag abgestiegen sind. Das war besonders bitter. Ich glaube, der Klassenerhalt hätte meiner fußballerischen Entwicklung eine wesentliche Veränderung gegeben. Andererseits bin ich auch froh, mal ein Jahr in der Bundesliga gespielt zu haben. Das war ein tolles Erlebnis. Dabei habe ich aber auch die Erfahrung gemacht, dass Kopf und Körper gleichermaßen stimmen müssen. Hätte ich damals den Kopf von heute gehabt, wäre es vielleicht noch höher gegangen. Deswegen weiß ich auch wie wichtig es für junge Spieler ist, beides in Einklang zu bringen. Ich habe dann auch gelernt, es gibt im Leben immer ein schnelles Auf und Ab. Entscheidend ist nicht wie oft man hinfällt, sondern wie oft man aufsteht. Das predige ich auch immer meinen Mannschaften. Man muss immer schauen, was man besser machen kann. Man muss ein hohes Maß an Selbstkritik mitbringen und sich auch mal mit unangenehmen Themen auseinandersetzen. Während meiner Laufbahn habe ich sehr viel in sehr kurzer Zeit gelernt, weil ich innerhalb kürzester Zeit erst in der Nationalmannschaft, dann in der A-Klasse und dann in der Bundesliga gespielt habe.
Das-Run.de: In den 80ern hast du auch ein paar Mal für die U18, U19 und U20 der Deutschen Nationalmannschaft gespielt und sogar an der U18-Europameisterschaft teilgenommen – unter anderem mit Oliver Bierhoff im Team. Das waren doch sicherlich ganz besondere Erlebnisse…
Thorsten Wörsdörfer: Die Europameisterschaft im damaligen Jugoslawien war sehr speziell. Wir haben auch gegen die DDR gespielt. In dieser Mannschaft waren viele große Spieler, die später Bundesliga gespielt haben. In einem Länderspiel bin ich einmal eingewechselt und wieder ausgewechselt worden. Das war ein absoluter Tiefpunkt für mich. Aber ich hatte als junger Mensch nicht das Ziel Nationalspieler oder Bundesligaprofi zu werden. Ich komme vom Land. Ich war eher mit meiner Oma, meinem Opa und meinen Eltern in der Landwirtschaft beschäftigt. Ich habe erst mit neun Jahren angefangen Fußball zu spielen. Es kam alles aus dem Spaß heraus und hat sich dann so entwickelt. Plötzlich war ich dann bei der Europameisterschaft dabei. Dabei habe ich auch viele Leute kennengelernt. Das hat schon Spaß gemacht. Aber der Fußball ist ein hartes Geschäft und gnadenlos. Ich musste dann schauen, wie es nach dem Fußball weitergeht. Ich bin froh, dass ich mit 25 Jahren die Entscheidung getroffen habe, nur noch in der Oberliga zu spielen. Gleichzeitig habe ich in meinem Beruf Erfüllung und Glück gefunden. Das Gleiche habe ich dann später im Fußball als Trainer gefunden mit tollen Mannschaften, die ich über all die Jahre trainiert habe. Es macht wirklich Spaß, mit so vielen jungen Leuten zu arbeiten. Manchmal ärgern sie einen auch, aber die Freude steht im Vordergrund.
Bildquelle: Spfr. Eisbachtal
Das-Run.de: Du bist zu Beginn der Saison nach 21 Jahren zu den Sportfreunden Eisbachtal zurückgekehrt. Wie kam die Rückkehr zustande? Ist der Kontakt über die Jahre überhaupt jemals abgerissen?
Thorsten Wörsdörfer: Ich war nach meiner Profikarriere zehn Jahre als Spieler und Spielertrainer bei Eisbachtal. Da hat man natürlich immer eine gewisse Verbindung. Ich war in den letzten Jahren aber bei anderen Vereinen, unter anderem sechs Jahre in unmittelbarer Nachbarschaft in Dietkirchen. Da hatte ich auch eine ganz, ganz tolle Zeit. Da hatte ich Eisbachtal die ganze Zeit weiter im Auge gehabt. Als dann letztes Jahr das Thema Trainerwechsel anstand, habe ich mich sehr über den Anruf gefreut, und das hat die Gegenseite auch gemerkt. Ich dachte, wenn ich weiterhin als Trainer tätig bin, wäre Eisbachtal die Station, zu der ich am liebsten wechseln würde. Deswegen hat alles gepasst. Gleichzeitig ist es natürlich auch eine gewisse Herausforderung, nach so langer Zeit wieder zum Verein zurückzukehren.
Das-Run.de: Das heißt, du bist auch auf bekannte Gesichter gestoßen?
Thorsten Wörsdörfer: Die Gesichter und die Körper haben sich zwar in der Zwischenzeit verändert – wie auch bei mir, klar (lacht). Aber es sind noch viele alte Bekannte am Werk. Teilweise habe ich auch alte Weggefährten wie Stefan Link als Teambetreuer wieder aktiviert. Nach dem Abstieg und einigen Veränderungen im Vorstand sind wir, glaube ich, aktuell in der Neuorientierung, im Neuaufbau. Um uns für die Zukunft gut aufzustellen, müssen wir noch einiges tun. Es ist heutzutage gar nicht so einfach auf dem Niveau zu arbeiten, besonders im Hinblick auf den Aufwand, den wir im Jugendbereich betreiben. Das ist schon Wahnsinn. Die A-, B- und C-Jugend spielt in der Regionalliga. Der Verein leistet viel. Aber um die Strukturen dauerhaft so zu halten – da muss sich auch noch einiges tun.
Das-Run.de: Welche mittelfristigen und langfristigen Ziele habt ihr euch für die Zusammenarbeit gesteckt? Die Rückkehr in die Oberliga in dieser Saison?
Thorsten Wörsdörfer: Nein. Wir hatten einen relativ großen Umbruch nach dem Abstieg. Der war auch notwendig. Wir wollen jetzt mehr von unserer guten Jugendarbeit profitieren. Wenn wir so viele gute Jugendspieler ausbilden, dann wollen wir möglichst viele in den Profikader integrieren und einbauen. Allerdings ist der Schritt aus dem Jugendbereich in die Rheinlandliga schon gewaltig, auch wenn das nicht alle jungen Spieler gerne hören möchten. Das ist schon ein Sprung. Das müssen die Jungs erstmal akzeptieren und verstehen. Wir haben aber gesagt, wir wollen viele Jugendspieler mit in die Rheinlandliga mitnehmen und eine neue Mannschaft formen. Das war das wichtigste Ziel, eine neue Mannschaft zu formen und zu entwickeln. Der Kader war von Beginn an klein. Das war uns auch bewusst. Aber da gilt auch das Motto: „Lieber einer weniger als einen falschen.“ Der Teamgeist und der Spirit sind manchmal viel wichtiger als die einzelne Qualität. Das ist zumindest meine Erfahrung als Trainer. In der Winterpause hatten wir zwei Abgänge, dazu die Langzeitverletzten. Wir sind aktuell sehr dünn aufgestellt. Deswegen haben wir uns das Ziel Aufstieg nicht von Beginn an gesteckt. Allerdings sind wir jetzt auf der Zielgeraden der Saison. Es ist noch alles möglich. Daher sind wir absolut im Soll. Daher können wir voller Freude in die Endphase gehen.
Das-Run.de: In der Rheinlandliga seid ihr nach 27 Spielen auf Platz zwei. Dieser Rang würde die Aufstiegsrelegation bedeuten. Der Erstplatzierte, SG Schneifel, liegt nur zwei Punkte vor euch. Am letzten Spieltag trefft ihr aufeinander. Ist das der Showdown, auf den ihr hinarbeitet?
Thorsten Wörsdörfer: Schneifel hat ja noch das Pokalendspiel. Jetzt hat der Verband sein Terminproblem endgültig auf dem Tisch (Anm. d. Red., der letzte Spieltag der Rheinlandliga soll am 26. Mai stattfinden, das Rheinlandpokalfinale am 25. Mai). Unabhängig davon: Es wäre schön, wenn wir jetzt sechsmal sehr gut performen und dann das Spiel zum Schluss gegen Schneifel entscheiden würde. Aber ich sage immer: Es ist wie beim Autofahren. Nicht nur noch vorne schauen, sondern auch in den Rückspiegel. Hinter uns liegen mit Ahrweiler und Mühlheim-Kärlich zwei Mannschaften, die einen sehr großen und erfahrenen Kader haben und im Gegensatz zu uns sehr viel eher den Aufstieg anpeilen müssten. Daher muss man auch immer nach hinten gucken. Aber wenn es den Showdown am Ende so gäbe, wäre das für die Rheinlandliga natürlich ein krönender Abschluss.
Das-Run.de: Besonders eure Offensive ist in dieser Saison besonders stark. Mit 79 Toren in 27 Partien habt ihr den stärksten Angriff der Liga. Was würdest du sagen, macht euer Angriffsspiel besonders aus?
Thorsten Wörsdörfer: Wir sind variabel. Wir haben viele Spieler, die Tore schießen, vorbereiten und sich vorne einschalten können. Dazu spielen wir einen technisch sehr guten und schnellen Fußball. Auch in der Verteidigung haben wir einiges dazugelernt, zumindest ein bisschen. Allerdings: Nur in der eigenen Hälfte zu glänzen, bringt uns nicht immer unbedingt weiter. Im Angriff sind wir jedoch wirklich stark, auch wenn ich glaube, dass wir in vielen Spielen unsere Chancenverwertung noch optimieren müssen – trotz der vielen geschossenen Tore. Grundsätzlich bekommen wir aber in manchen Spielen einfach zu viele Gegentore. Zum Beispiel lagen wir gegen die FSG Ehrang zuletzt mit 1:3 hinten und konnten dann noch mit 4:3 gewinnen. Dass man ein solches Spiel noch drehen kann, spricht für sich. Auf der anderen Seite wäre es schön, wenn es nicht allzu oft so weit käme. Denn ich bin ja schon in einem Alter, wo die Haare schon mal grau werden. Aber wenn man am Ende gewonnen hat, ist es natürlich trotzdem schön. Ein solcher Spielverlauf muss aber nicht immer sein.
Das-Run.de: Wir sind zwar noch nicht am Saisonende, aber wie zufrieden bist du bis hierhin mit der Entwicklung des Teams, das du zu Saisonbeginn übernommen hast?
Thorsten Wörsdörfer: Wir haben eine sehr junge Mannschaft. In unserem kleinen Kader fehlt dann der ein oder andere Leistungsträger, der unserem jungen Team noch mehr Struktur geben könnte. Wir haben aber auch eine komplett neue Struktur entwickelt, was die Hierarchie betrifft. Es hat sich einiges verändert. Es ist auch nicht immer einfach, so junge Spieler alle in ein Konzept zu integrieren. In dieser Hinsicht hätte es noch etwas runder laufen können. Aber das sind auch Erkenntnisse, die man sammelt – sowohl die Mannschaft als auch der Trainer. Diese Lehren müssen wir für die neue Saison ziehen. Insgesamt betrachte ich die Entwicklung jedoch sehr positiv. Wir haben großartige Heimspiele abgeliefert, viele Zuschauer angezogen und tollen Fußball gespielt. Die meisten Ergebnisse haben auch gestimmt. Ich bin mit der Entwicklung samt aller Störfaktoren im ersten Schritt zufrieden, ohne dabei die wichtigen Dinge aus den Augen zu verlieren, die noch optimiert werden müssen. Daran arbeiten wir jeden Tag. Wir sind jedoch froh, oben dran zu sein, obwohl wir teilweise nur mit acht oder zehn Spielern trainiert haben.
Das-Run.de: Für die Stuttgarter Kickers hast du 1991 und 1992 39 Spiele in der Bundesliga absolviert. Wie war das? Was sind deine Erinnerungen an diese Zeit?
Thorsten Wörsdörfer: Die erste Erinnerung ist vor allem, dass wir am letzten Spieltag abgestiegen sind. Das war besonders bitter. Ich glaube, der Klassenerhalt hätte meiner fußballerischen Entwicklung eine wesentliche Veränderung gegeben. Andererseits bin ich auch froh, mal ein Jahr in der Bundesliga gespielt zu haben. Das war ein tolles Erlebnis. Dabei habe ich aber auch die Erfahrung gemacht, dass Kopf und Körper gleichermaßen stimmen müssen. Hätte ich damals den Kopf von heute gehabt, wäre es vielleicht noch höher gegangen. Deswegen weiß ich auch wie wichtig es für junge Spieler ist, beides in Einklang zu bringen. Ich habe dann auch gelernt, es gibt im Leben immer ein schnelles Auf und Ab. Entscheidend ist nicht wie oft man hinfällt, sondern wie oft man aufsteht. Das predige ich auch immer meinen Mannschaften. Man muss immer schauen, was man besser machen kann. Man muss ein hohes Maß an Selbstkritik mitbringen und sich auch mal mit unangenehmen Themen auseinandersetzen. Während meiner Laufbahn habe ich sehr viel in sehr kurzer Zeit gelernt, weil ich innerhalb kürzester Zeit erst in der Nationalmannschaft, dann in der A-Klasse und dann in der Bundesliga gespielt habe.
Das-Run.de: In den 80ern hast du auch ein paar Mal für die U18, U19 und U20 der Deutschen Nationalmannschaft gespielt und sogar an der U18-Europameisterschaft teilgenommen – unter anderem mit Oliver Bierhoff im Team. Das waren doch sicherlich ganz besondere Erlebnisse…
Thorsten Wörsdörfer: Die Europameisterschaft im damaligen Jugoslawien war sehr speziell. Wir haben auch gegen die DDR gespielt. In dieser Mannschaft waren viele große Spieler, die später Bundesliga gespielt haben. In einem Länderspiel bin ich einmal eingewechselt und wieder ausgewechselt worden. Das war ein absoluter Tiefpunkt für mich. Aber ich hatte als junger Mensch nicht das Ziel Nationalspieler oder Bundesligaprofi zu werden. Ich komme vom Land. Ich war eher mit meiner Oma, meinem Opa und meinen Eltern in der Landwirtschaft beschäftigt. Ich habe erst mit neun Jahren angefangen Fußball zu spielen. Es kam alles aus dem Spaß heraus und hat sich dann so entwickelt. Plötzlich war ich dann bei der Europameisterschaft dabei. Dabei habe ich auch viele Leute kennengelernt. Das hat schon Spaß gemacht. Aber der Fußball ist ein hartes Geschäft und gnadenlos. Ich musste dann schauen, wie es nach dem Fußball weitergeht. Ich bin froh, dass ich mit 25 Jahren die Entscheidung getroffen habe, nur noch in der Oberliga zu spielen. Gleichzeitig habe ich in meinem Beruf Erfüllung und Glück gefunden. Das Gleiche habe ich dann später im Fußball als Trainer gefunden mit tollen Mannschaften, die ich über all die Jahre trainiert habe. Es macht wirklich Spaß, mit so vielen jungen Leuten zu arbeiten. Manchmal ärgern sie einen auch, aber die Freude steht im Vordergrund.
Bildquelle: Spfr. Eisbachtal