Der Fußballsport spielte von Klein auf eine große Rolle im Leben von Sebastian Stahl. Auf erste Erfahrungen auf dem Bolzplatz und heiße Duelle auf dem Pausenhof folgte der Schritt in einen Fußballverein nahe Frankfurt. Das Besondere hieran ist gewesen, dass Sebastian lange Jahre mit seinen Freunden in einem Dorfverein aktiv war, aber dennoch regelmäßig gegen NLZ-Teams von Eintracht Frankfurt, FSV Frankfurt und anderer Vereine antreten durfte. Im Seniorenfußball angekommen merkte der 18-Jährige schon bald, dass er großen Gefallen am Trainerjob hat und diesen gerne ausüben würde. Er war fast 16 Jahren im deutschen Nachwuchsfußball aktiv und trainierte auch NLZ-Teams vom FSV Frankfurt. Seit drei Jahren schlägt sein Sportlerherz für die “Young Bafana Academy”. Darunter ist ein Fußballprojekt in Südafrika nahe Kapstadt zu verstehen, welches Sebastian mit großer Leidenschaft unterstützt, sofern er nicht an der Carl-von-Weinberg-Schule in Frankfurt, einer Eliteschule des Sports, unterrichtet. Im zweiten von insgesamt drei Interviews berichtet der 38-Jährige von seinem fußballerischen Ansatz und ordnet seine einzelnen Trainerstationen im Juniorenfußball ein. In Teil drei rückt dann die Young Bafana Academy in den Vordergrund. Viel Spaß beim Lesen.
Das-Run.de: Hallo Sebastian, im zweiten Teil der Interviewreihe möchten wir mit dir über deinen fußballerischen Ansatz sprechen. Dieser lautet: “Entwickelst du die Persönlichkeit neben dem Platz, so entwickelt sich auch die Performance auf dem Platz!”. Wie hast du diesen Ansatz entwickelt?
Sebastian Stahl: Die Entwicklung des Ansatzes kam durch die jahrelangen Erfahrungen. Wir Trainer arbeiten mit Menschen und daher ist es nur logisch, dass wir erst einmal den Menschen mitnehmen und begeistern müssen. Wir sollten den Charakteren auch etwas zur persönlichen Weiterentwicklung anbieten, damit sie weiter reifen können. Beispielsweise die Wertevermittlung und die Aufstellung von Mannschafts- und persönlichen Werten, das Diskutieren über die Art und Weise Hindernisse anzugehen und das Gespräch darüber, dass jeder Mensch wertvoll ist und dass das nicht in Frage gestellt wird. Dadurch entsteht bei den meisten weitaus mehr als Vertrauen und das ist die Grundlage, um gemeinsam den einzelnen Spieler im Mannschaftskomplex weiterentwickeln zu können. Wenn der Spieler weiß, was er für eine Persönlichkeit hat, wie sein Wertekanon aussieht, so kann er das auch auf dem Platz, gerade in schwierigen Situationen, diese Aspekte mit einbringen.
Das-Run.de: Sebastian, warum bist du der Meinung, dass dieser Ansatz erfolgreich ist?
Sebastian Stahl: Während meiner jahrelangen Arbeit haben mir das genug Spieler und Eltern widergespiegelt, ich selbst fühle mich damit am wohlsten und die Leistungsexplosionen auf dem Platz der einzelnen Spieler waren meist hervorragend. Man muss die Kinder wie Fackeln entzünden, nicht wie Fässer füllen und dazu braucht es die Beachtung des Menschen hinter dem Spieler.
Das-Run.de: Das heißt, der Erfolg gibt dir recht. Jetzt ist ein Ansatz von theoretischer Natur. Was benötigt es für die praktische Umsetzung?
Sebastian Stahl: In allererster Linie bedarf es einer großen Freude, mit jungen Menschen arbeiten zu dürfen. Gepaart mit einer Menge Geduld und Leichtigkeit und der Gewissheit, dass es hier nicht um dich als Trainer geht, sondern um den einzelnen Spieler und das gesamte Team. Schlussendlich steckt auch eine Menge Aufwand und Beziehungsarbeit dahinter – die wertvollen Momente, die daraus aber entstehen, sind ganz besonders und werden einen sein ganzes Leben prägen.
Das-Run.de: Immer wieder wird in der Sportwissenschaft von Mental Coaching gesprochen. Wie wichtig ist Mental Coaching für deinen Ansatz?
Sebastian Stahl: Christoph Daum hat vor Jahrzehnten einmal gesagt: der Kopf ist das dritte Bein. Er wurde dafür von vielen Ahnungslosen belächelt und das zu Unrecht. Christoph Daum war oft seiner Zeit voraus – ich sage immer, dass wir Menschen “Psycho-Tiere” sind und unsere Gedanken bestimmen unser Handeln und irgendwann sogar unsere Lebensgeschichte. Also müssen wir uns mit unseren Gedanken, unseren Prägungen, Ängsten, ja einfach mit den Dingen hinter unserer Stirn beschäftigen. Übrigens zahlt mein Ansatz genau da mit ein.
Das-Run.de: Du nennst auch regelmäßig das Wort Entfaltungspotenzial. Wie wichtig ist dies denn?
Sebastian Stahl: Ich halte das für sehr wichtig, denn ich möchte, dass meine Spieler sich in einem gewissen Rahmen frei entfalten dürfen und müssen. Denn letzten Endes stehen sie selbst auf dem Platz, müssen unter komplexen Drucksituationen richtig erkennen und danach handeln und da hilft nicht immer ein vorgegebener Plan. Ich möchte dadurch Entscheider kreieren, die selbst das Spiel gewinnen und gar nicht so durch die Hilfe des Trainers. Wenn wir die Spieler nie entfalten lassen, wie sollen wir erkennen, was wirklich in ihnen steckt oder was möglich gewesen wäre.
Das-Run.de: Lass uns gerne mal auf die aktuelle Ausbildung im Nachwuchsfußball schauen. Oftmals wird wie im “Reagenzglas” gezüchtet. Es gibt kaum noch Freigeister. Wie wichtig sind Spieler wie beispielsweise Said El Mala und auch Lennart Karl, die ihrem Instinkt folgen?
Sebastian Stahl: Man sollte sich manchmal die Frage stellen, ob solche Spieler sich gerade wegen oder trotz unserer ganzen Ausbildung entwickeln. Ein Reagenzglas ist immer etwas künstliches, zu viel taktische Informationen sind immer künstlich, da man nie weiß, ob oder wann sie gebraucht werden. Das, was wir ausbilden müssen beziehungsweise fordern und fördern müssen, ist ein Gespür für Spielsituationen, in denen dann der Spieler eigene Lösungen kreiert. Alles, was wir im Reagenzglas versuchen heranzuzüchten, ist durchschaubar, weil planbar – alles voller Freigeist, Kreativität, Spielwitz und intelligentem Verhalten, ist schwer durchschaubar für den Gegner und damit enorm erfolgsversprechend. Demnach finde ich es extrem wichtig, dass Spieler über ihren Instinkt kommen und eigene Entscheidungen treffen können.
Das-Run.de: Im Handballsport gibt es beispielsweise David Späth. Dieser spielt bei den Rhein-Neckar-Löwen und hat sich von einem Torhüter mit herausragendem Talent in die Weltspitze hochgearbeitet. Er sagte, dies ist ihm durch das Leben von Emotionen gelungen. Wie wichtig sind Emotionen deiner Meinung nach?
Sebastian Stahl: Emotionen gehören natürlich dazu, es ist aber enorm wichtig, mit ihnen umgehen und sie regulieren zu können. Für den Trainer und für die Spieler gilt: brennendes Herz, aber kühler Kopf. Ein wichtiger Baustein in meiner Trainerarbeit ist auch, mit den Spielern Workshops zu dem Thema Emotionen zu veranstalten, damit sie lernen, ihre Emotionen gewinnbringend in Spielsituationen einzusetzen. Dieses gewinnbringende Einsetzen der Emotionen verkörpert David Späth beispielsweise hervorragend.
Das-Run.de: Zum Abschluss des zweiten Interviewteils stellt sich uns noch eine Frage: Wie wichtig ist die Kommunikation untereinander? Was für ein Austausch muss es zwischen Spieler, Trainer und den Eltern geben?
Sebastian Stahl: Kommunikation ist der Schlüssel – das war schon immer so und wird auch so bleiben. Transparente Kommunikation ist ein ganz wichtiger Aspekt, damit alle in der Mannschaft und im Umfeld wissen: Warum wird das jetzt gemacht? Was soll uns das bringen? Wie kann jede(r) sein Teil dazu beitragen? Du kannst mit Kommunikation ein ganzes Team zerstören oder Stück für Stück auf ein neues Level heben.
Das-Run.de: Sebastian, wir danken dir auch dieses Mal für deine Offenheit und freuen uns bereits darauf, wenn du uns in Teil drei der Interviewserie die Young Bafana Academy genauer vorstellst. Mach es gut und bis die Tage.
Sebastian Stahl: Ich danke euch für die Möglichkeit meine Person, meine fußballerischen Ansätze und Ideen und künftig noch die Young Bafana Academy vorstellen zu dürfen. Wir hören voneinander.
Fotoquelle: Privat
Das-Run.de: Hallo Sebastian, im zweiten Teil der Interviewreihe möchten wir mit dir über deinen fußballerischen Ansatz sprechen. Dieser lautet: “Entwickelst du die Persönlichkeit neben dem Platz, so entwickelt sich auch die Performance auf dem Platz!”. Wie hast du diesen Ansatz entwickelt?
Sebastian Stahl: Die Entwicklung des Ansatzes kam durch die jahrelangen Erfahrungen. Wir Trainer arbeiten mit Menschen und daher ist es nur logisch, dass wir erst einmal den Menschen mitnehmen und begeistern müssen. Wir sollten den Charakteren auch etwas zur persönlichen Weiterentwicklung anbieten, damit sie weiter reifen können. Beispielsweise die Wertevermittlung und die Aufstellung von Mannschafts- und persönlichen Werten, das Diskutieren über die Art und Weise Hindernisse anzugehen und das Gespräch darüber, dass jeder Mensch wertvoll ist und dass das nicht in Frage gestellt wird. Dadurch entsteht bei den meisten weitaus mehr als Vertrauen und das ist die Grundlage, um gemeinsam den einzelnen Spieler im Mannschaftskomplex weiterentwickeln zu können. Wenn der Spieler weiß, was er für eine Persönlichkeit hat, wie sein Wertekanon aussieht, so kann er das auch auf dem Platz, gerade in schwierigen Situationen, diese Aspekte mit einbringen.
Das-Run.de: Sebastian, warum bist du der Meinung, dass dieser Ansatz erfolgreich ist?
Sebastian Stahl: Während meiner jahrelangen Arbeit haben mir das genug Spieler und Eltern widergespiegelt, ich selbst fühle mich damit am wohlsten und die Leistungsexplosionen auf dem Platz der einzelnen Spieler waren meist hervorragend. Man muss die Kinder wie Fackeln entzünden, nicht wie Fässer füllen und dazu braucht es die Beachtung des Menschen hinter dem Spieler.
Das-Run.de: Das heißt, der Erfolg gibt dir recht. Jetzt ist ein Ansatz von theoretischer Natur. Was benötigt es für die praktische Umsetzung?
Sebastian Stahl: In allererster Linie bedarf es einer großen Freude, mit jungen Menschen arbeiten zu dürfen. Gepaart mit einer Menge Geduld und Leichtigkeit und der Gewissheit, dass es hier nicht um dich als Trainer geht, sondern um den einzelnen Spieler und das gesamte Team. Schlussendlich steckt auch eine Menge Aufwand und Beziehungsarbeit dahinter – die wertvollen Momente, die daraus aber entstehen, sind ganz besonders und werden einen sein ganzes Leben prägen.
Das-Run.de: Immer wieder wird in der Sportwissenschaft von Mental Coaching gesprochen. Wie wichtig ist Mental Coaching für deinen Ansatz?
Sebastian Stahl: Christoph Daum hat vor Jahrzehnten einmal gesagt: der Kopf ist das dritte Bein. Er wurde dafür von vielen Ahnungslosen belächelt und das zu Unrecht. Christoph Daum war oft seiner Zeit voraus – ich sage immer, dass wir Menschen “Psycho-Tiere” sind und unsere Gedanken bestimmen unser Handeln und irgendwann sogar unsere Lebensgeschichte. Also müssen wir uns mit unseren Gedanken, unseren Prägungen, Ängsten, ja einfach mit den Dingen hinter unserer Stirn beschäftigen. Übrigens zahlt mein Ansatz genau da mit ein.
Das-Run.de: Du nennst auch regelmäßig das Wort Entfaltungspotenzial. Wie wichtig ist dies denn?
Sebastian Stahl: Ich halte das für sehr wichtig, denn ich möchte, dass meine Spieler sich in einem gewissen Rahmen frei entfalten dürfen und müssen. Denn letzten Endes stehen sie selbst auf dem Platz, müssen unter komplexen Drucksituationen richtig erkennen und danach handeln und da hilft nicht immer ein vorgegebener Plan. Ich möchte dadurch Entscheider kreieren, die selbst das Spiel gewinnen und gar nicht so durch die Hilfe des Trainers. Wenn wir die Spieler nie entfalten lassen, wie sollen wir erkennen, was wirklich in ihnen steckt oder was möglich gewesen wäre.
Das-Run.de: Lass uns gerne mal auf die aktuelle Ausbildung im Nachwuchsfußball schauen. Oftmals wird wie im “Reagenzglas” gezüchtet. Es gibt kaum noch Freigeister. Wie wichtig sind Spieler wie beispielsweise Said El Mala und auch Lennart Karl, die ihrem Instinkt folgen?
Sebastian Stahl: Man sollte sich manchmal die Frage stellen, ob solche Spieler sich gerade wegen oder trotz unserer ganzen Ausbildung entwickeln. Ein Reagenzglas ist immer etwas künstliches, zu viel taktische Informationen sind immer künstlich, da man nie weiß, ob oder wann sie gebraucht werden. Das, was wir ausbilden müssen beziehungsweise fordern und fördern müssen, ist ein Gespür für Spielsituationen, in denen dann der Spieler eigene Lösungen kreiert. Alles, was wir im Reagenzglas versuchen heranzuzüchten, ist durchschaubar, weil planbar – alles voller Freigeist, Kreativität, Spielwitz und intelligentem Verhalten, ist schwer durchschaubar für den Gegner und damit enorm erfolgsversprechend. Demnach finde ich es extrem wichtig, dass Spieler über ihren Instinkt kommen und eigene Entscheidungen treffen können.
Das-Run.de: Im Handballsport gibt es beispielsweise David Späth. Dieser spielt bei den Rhein-Neckar-Löwen und hat sich von einem Torhüter mit herausragendem Talent in die Weltspitze hochgearbeitet. Er sagte, dies ist ihm durch das Leben von Emotionen gelungen. Wie wichtig sind Emotionen deiner Meinung nach?
Sebastian Stahl: Emotionen gehören natürlich dazu, es ist aber enorm wichtig, mit ihnen umgehen und sie regulieren zu können. Für den Trainer und für die Spieler gilt: brennendes Herz, aber kühler Kopf. Ein wichtiger Baustein in meiner Trainerarbeit ist auch, mit den Spielern Workshops zu dem Thema Emotionen zu veranstalten, damit sie lernen, ihre Emotionen gewinnbringend in Spielsituationen einzusetzen. Dieses gewinnbringende Einsetzen der Emotionen verkörpert David Späth beispielsweise hervorragend.
Das-Run.de: Zum Abschluss des zweiten Interviewteils stellt sich uns noch eine Frage: Wie wichtig ist die Kommunikation untereinander? Was für ein Austausch muss es zwischen Spieler, Trainer und den Eltern geben?
Sebastian Stahl: Kommunikation ist der Schlüssel – das war schon immer so und wird auch so bleiben. Transparente Kommunikation ist ein ganz wichtiger Aspekt, damit alle in der Mannschaft und im Umfeld wissen: Warum wird das jetzt gemacht? Was soll uns das bringen? Wie kann jede(r) sein Teil dazu beitragen? Du kannst mit Kommunikation ein ganzes Team zerstören oder Stück für Stück auf ein neues Level heben.
Das-Run.de: Sebastian, wir danken dir auch dieses Mal für deine Offenheit und freuen uns bereits darauf, wenn du uns in Teil drei der Interviewserie die Young Bafana Academy genauer vorstellst. Mach es gut und bis die Tage.
Sebastian Stahl: Ich danke euch für die Möglichkeit meine Person, meine fußballerischen Ansätze und Ideen und künftig noch die Young Bafana Academy vorstellen zu dürfen. Wir hören voneinander.
Fotoquelle: Privat