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Die neue Interviewserie mit regionalen Fußballtrainern, in der auch die Hinserie der Saison 2024/2025 beleuchtet wird, eröffnen wir mit Sascha Watzlawik. Der 46-Jährige coacht aktuell den Fußball-Oberligisten FV Engers. Am Ende dieser Spielzeit gibt Sascha den Staffelstab an Julian Feit, aktuell Trainer beim Fußball-Rheinlandligisten Ahrweiler BC, weiter. In diesem exklusiven Interview erläutert der Erfolgscoach vom Wasserturm anfangs, wie er seinen Verein in 13 Jahren Amtszeit von einem Fußball-Bezirksligisten zu einem sehr erfolgreichen Fußball-Oberligisten entwickeln konnte. Im Mittelteil geht Sascha auf die eingefahrenen Titel sowie die Herausforderungen im Hinblick auf das Spielermaterial ein. Es folgen eine Bewertung der Hinserie in der Meisterschaftsrunde sowie das Formulieren von sportlichen Zielen in der Fußball-Oberliga und dem Fußball-Rheinlandpokal. Am Ende gewährt der Inhaber der A-Lizenz Einblicke in seine Gefühlswelt, denn die Nachricht von seinem Abschied hat die Fußballszene aufgewühlt. Viel Spaß beim Lesen.

Das-Run.de: Hallo Sascha, herzlich Willkommen zum Interview. Stell dich gerne zu Beginn einmal kurz vor.

Sascha Watzlawik: Hallo zusammen. Mein Name ist Sascha Watzlawik, ich bin 46 Jahre jung und verheiratet. Beim FV Engers bin ich seit 13 Jahren.

Das-Run.de: Sascha, du bist seit 13 Jahren beim FV Engers. Was durftest du in dieser langen Zeit alles erleben? Unter anderem bist du mit deiner Mannschaft zweimal aufgestiegen.

Sascha Watzlawik: Die 13 Jahre beim FV Engers haben mich als Mensch sehr geprägt. Ich durfte viele großartige Menschen kennenlernen und muss einfach sagen, dass es mehr ist als nur ein Verhältnis zwischen einem Verein und einem Trainer. Es haben sich in der Zeit Freundschaften gebildet, die ich nach meinem Abschied im Sommer weiter pflegen werde. Sportlich muss ich sagen, dass die ersten drei Spiele unter meiner Leitung in der Fußball-Bezirksliga verloren gingen. Zu diesem Zeitpunkt hat keiner gedacht, dass wir den Aufstieg noch schaffen. Da wir aber eine richtig gute Rückrunde gespielt und einen tollen Teamspirit hatten, ist uns der Schritt in die Fußball-Rheinlandliga gelungen. Wir konnten uns dort auf Anhieb halten und haben uns dann Schritt für Schritt als Team entwickelt. Auf dem Transfermarkt haben wir stets gut gewirtschaftet und 2017 dann meinen großen Wunsch, den Aufstieg in die Fußball-Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar, umgesetzt bekommen. In unserer ersten Spielzeit in Liga fünf sind wir gut gestartet, mussten dann aber Lehrgeld bezahlen. In der zweiten Saison lagen wir wenige Spieltage vor Ende auf dem zweiten Rang hinter dem FC Rot-Weiss Koblenz, konnten diese Ausgangslage aber sportlich nicht ganz ausnutzen und sind am Ende auf dem fünften Rang gelandet. Dennoch war diese Saison ein großer Erfolg für den Verein. Danach haben wir uns bis zur Corona-Saison stets weiterentwickelt. Dann hat es etwas gedauert, bis wir wieder in den normalen Alltag zurückkehren konnten. Ich will aber noch sagen, dass wir trotz den beiden Umbrüchen in den letzten beiden Sommern weiterhin als Team gute Leistungen zeigen und eine Mannschaft aufbauen, mit der wir weiterhin erfolgreich Fußball spielen können. Ich bin sehr happy, dass mir all dies so passiert ist, wie es eben nun mal passiert ist.

Das-Run.de: Neben den beiden Aufstiegen werden die Triumphe im Fußball-Rheinlandpokal immer mit deinem Namen in Verbindung gebracht. Wie waren diese Pokalgewinne im Jahr 2020 und 2022?

Sascha Watzlawik: Die Gewinne des Fußball-Rheinlandpokals sind für mich Momente, die mich für immer prägen. Ich erzähle heute noch gerne davon, dass wir nach dem Gewinn des Verbandspokals 2020 unser Erstrundenspiel im DFB-Pokal nicht vor heimischer Kulisse austragen durften. Wegen der Corona-Pandemie mussten wir bei unserem Gegner, dem VfL Bochum spielen. Das war ein einmaliges Erlebnis, denn wir sind einen Tag vor dem Spiel angereist und haben im Hotel geschlafen. Hinzu kommt, dass sich der ganze VfL sehr solidarisch gezeigt und uns diesen professionellen Einblick ermöglicht hat. Basierend auf dem DFB-Pokalspiel ist eine bis heute gültige Fanfreundschaft entstanden. Und auch der zweite Gewinn des Landespokals war super. Wir durften dann im DFB-Pokal im Stadion Oberwerth gegen Arminia Bielefeld antreten.

Das-Run.de: Sascha, wie hast du dich denn in der Rolle des Trainers beim FV Engers entwickelt?

Sascha Watzlawik: Wie ich schon gesagt habe, konnte ich mich im Laufe der Jahre durch das Zusammenarbeiten mit möglichst vielen Menschen weiterentwickeln. Hinzu kommen die Fußball-Lizenzen bis hin zur A-Lizenz, welche ich abgelegt habe. An dieser Stelle nochmal ein Dankeschön an die Lehrbeauftragten des Fußballverbandes Rheinland. Auch wenn mir das Erlangen des Fußballlehrers aufgrund der geforderten Voraussetzungen verwehrt geblieben ist, haben mich die zahlreichen Erfahrungen geprägt. Ich konnte beim FV Engers, meiner ersten Trainerstation, viele Erfahrungen machen und reifen und war immer von einer gewissen Herzlichkeit umgeben. Ich habe als Trainer gelernt, dass das Formen einer Gruppe das Wichtigste ist, denn nur wenn ein Team menschlich zusammenpasst, kann jeder einzelne hundert Prozent Leistung bringen. Mir ist es immer wichtig gewesen, dass die Mannschaft ihren Teamspirit findet. Meistens ist der Erfolg dann von alleine gekommen.

Das-Run.de: Allein in der fünftklassigen Fußball-Oberliga bist du ein alter Hase. Welche Qualitäten braucht deiner Meinung nach eine Mannschaft, um erfolgreich zu sein.

Sascha Watzlawik: Am meisten kommt es darauf an, klar zu sein und ein Team zu bilden. Dabei ist es wichtig, dass jeder Spieler seine Rolle kennt und diese in den Diensten der Mannschaft auch ausübt. Es benötigt in meinen Augen ein Teamgefüge, denn Mentalität schläft häufig Qualität. Dies ist uns auch regelmäßig gegen qualitativ bessere Mannschaften gelungen. Sofern du eine gewisse Qualität hast, und jeder Spieler seine hundert Prozent bringt, kannst du in der fünften Liga performen. Hinzu kommt, dass die Mentalität mit Ehrgeiz und einem Siegeswillen kombiniert werden sollte und auch die Physis beachtet werden sollte. Gerade im Oberligabereich muss viel dafür gemacht werden, um die Physis abrufen zu können, da wir uns immer noch im Amateurbereich bewegen. Disziplin und der Verzicht auf das ein oder andere bringt meiner Meinung nach erfolgreiche Spieler heraus.

Das-Run.de: Sascha, danke für deine Beschreibung der notwendigen Qualitäten. Neben den Spielern kommt es aber auch auf die Philosophie des Trainers an. Welchen Fußball lässt du denn spielen? Was ist dir wichtig?

Sascha Watzlawik: Jeder Trainer hat seine Grundidee vom Fußballspielen. Je nach Gegner und Spielklasse passt man diese Grundidee dann auch etwas an. Als wir noch in der Fußball-Rheinlandliga gespielt haben, lag der Fokus auf der spielerischen Qualität. In der Fußball-Oberliga hingegen lege ich viel Wert darauf, dass wir eine hohe Intensität und Mentalität haben, um das notwendige Spieltempo zu erreichen. Hinzu kommt der Fokus auf das kompakte Verteidigen. Aus der Kompaktheit heraus lässt es sich dann perfekt umschalten. In den letzten Jahren haben wir beim FV Engers Spielertypen gehabt beziehungsweise auf dem Transfermarkt gesucht und verpflichtet, um ein beidseitig starkes Umschaltspiel in die Spielidee einzubauen. Nicht zu vernachlässigen sind ein paar Prinzipien, welche wir in jedem Training und in Spielen einfordern. Ebenfalls von hoher Bedeutung ist es, dass die Spieler Spaß am Fußballspielen haben und sich auch gegenseitig helfen.

Das-Run.de: Sascha, du hast den Transfermarkt schon angesprochen. Du arbeitest gerne mit Jungs, die für dein Umschaltspiel wichtig sind. Hinzu kommt, dass du auch regelmäßig junge Spieler verpflichtest und diese dann förderst. Warum ist dieser Weg so erfolgreich?

Sascha Watzlawik: Ich bin der Meinung, dass sich junge Spieler bei uns so gut entwickeln können, weil sie befreit aufspielen dürfen. Die Jungs sollen einfach Fußball spielen, lernen und möglichst viel mitnehmen. Es ist wichtig, dass diese Jungs eine Rolle haben, sich wohlfühlen, und im Laufe der Zeit sich in der Mannschaft immer besser zurechtfinden. Wenn die Jungs ernst genommen werden und ihre Rolle erfüllen, dann können sie ihr Potenzial auch voll ausschöpfen.

Das-Run.de: Im Sommer habt ihr mehrere Jungs abgeben müssen, die zuvor über mehrere Jahre wichtige Rollen ausgeübt haben. Wie blickst du darauf zurück?

Sascha Watzlawik: Wir haben in den letzten Jahren wichtige Spieler verloren. Yasin Yaman zum Beispiel hat bei uns einen Riesenschritt gemacht und sich eine neue Herausforderung gesucht. Ihm traue ich den Schritt in die Fußball-Regionalliga auf jeden Fall zu. Ähnlich ist es bei Andi Brahaj, den wir nach seiner Jugendzeit beim 1. FC Kaiserslautern im Seniorenfußball entwickelt haben und eben zu einem höherklassigen Verein transferieren konnten. Hinzu kommen dann Spieler, die aus Altersgründen oder beruflichen Herausforderungen neue Wege einschlagen. Nicht zu vernachlässigen sind auch die Jungs, die aus Verletzungen nicht mehr zurückgekommen sind. Diese Challenge haben wir im Sommer mal wieder angekommen und zum Teil junge Spieler aus tieferen Klassen verpflichtet, die eine großartige Entwicklung genommen haben. Es geht einfach darum, sehr lösungsorientiert zu arbeiten, den Markt zu sondieren, sich nicht verrückt machen zu lassen und auf die eigenen Stärken zu vertrauen. Mit den Verpflichtungen im Sommer haben wir die richtigen Entscheidungen getroffen.

Das-Run.de: Trotz dem Umbruch habt ihr Jungs verpflichtet, die sich als Stammkräfte etabliert haben. Wie blickst du darauf zurück?

Sascha Watzlawik: Wir haben Jungs verpflichtet, die charakterlich zu uns passen und eben sportlich noch Luft nach oben haben. Es ist wichtig, dass ein Spieler ins Mannschaftsgefüge passt und sich verbessern möchte. Wir haben Jungs aus der U19, der Fußball-Kreisliga A und aus der Fußball-Rheinlandliga verpflichtet, die keiner auf der Uhr hatte, sich aber toll entwickelt haben und sich somit auch Einsatzminuten gesichert haben. An dieser Stelle auch nochmal ein Dank an unseren Teammanager, der immer wieder Jungs aus der Region entdeckt. Es ist uns auch wichtig, dass die Jungs langfristig am Wasserturm belieben möchten. Jedoch haben wir auch erfahrene Spieler geholt, die als Führungsspiele fungieren und somit für einen starken Teamspirit sorgen. Der Zusammenhalt hat sich gerade in den Phasen gezeigt, in denen wenige Punkte eingefahren wurden.

Das-Run.de: In der Hinserie wart ihr regelmäßig von Verletzungen gebeutelt. Hinzu kommt, dass ihr auf heimischem Geläuf oftmals wenig Spielglück hattet. Wie würdest du die Hinserie einordnen?

Sascha Watzlawik: Ich würde sagen, dass die Hinserie eine komplette Entwicklung gewesen ist. Die Mannschaft ist nach dem Umbruch im Sommer neu zusammengekommen und musste zu Beginn viele Gegentore schlucken, da wir nicht so die Stabilität in unserem Spiel hatten. Im Laufe der Zeit haben wir uns gut entwickelt und als Mannschaft gefunden, da das kompakte und geschlossene Verteidigen immer besser funktioniert hat. Hinzu kommt, dass sich viele junge Spieler in Ruhe weiterentwickelt haben und durch die vielen Verletzungen eben Wettkampfpraxis sammeln konnten. Am Ende konnten wir die Hinserie mit der besten Platzierung in dieser Saison beenden. Zu der Heimschwäche kann ich nur sagen, dass wir weiterhin unsere Prinzipien beibehalten werden und zu Saisonbeginn einfach noch nicht so gefestigt waren, um den Gegnern, oftmals Favoriten, über 90 Minuten Paroli bieten zu können. Gegen Ende der Hinserie ist es uns auch in den Heimspielen gelungen, unseren Fußball zu spielen und Punkte einzufahren. Mit dem Überwintern auf einem einstelligen Tabellenrang und dem Erreichen des Viertelfinals im Fußball-Rheinlandpokal bin ich zufrieden – wir sind im grünen Bereich.

Das-Run.de: Wie wichtig ist es deiner Meinung nach gewesen, mit einem dreifachen Punktgewinn in die Winterpause zu gehen? Ihr habt auswärts beim spielstarken 1. FC Kaiserslautern II gewonnen.

Sascha Watzlawik: Der dreifache Punktgewinn in Kaiserslautern hat in mir ein absolut überwältigendes Gefühl ausgelöst. Vor dem Spiel gegen die Mannschaft, die in der Liga alles in Schutt und Asche gelegt hat, haben nur die wenigstens einen Pfifferling auf uns gegeben. Doch dann hat meine Truppe eine beeindruckende Leistung gezeigt und sich für das schwere erste Halbjahr mit vielen unglücklichen Niederlagen belohnen können. Die Leistung und die Mentalität haben dafür gesorgt, dass wir verdientermaßen als Sieger vom Feld gehen. Mit diesem Gefühl im Kopf weißt du dann auch, dass du in der Rückserie an einem guten Tag gegen jede Mannschaft in der Meisterschaftsrunde gewinnen kannst. Jedoch wissen wir auch, dass wir gegen jedes Team verlieren können, sofern wir unsere Hausaufgaben nicht machen. Genau deshalb ist diese Liga auch sehr ausgeglichen und spannend.

Das-Run.de: Welche Ziele habt ihr euch für die Rückrunde gesteckt?

Sascha Watzlawik: Im Fußball-Rheinlandpokal sind wir jetzt schon bei den Finalspielen angekommen und möchten diesen natürlich auch gewinnen. Dennoch werden wir von Runde zu Runde schauen. Allein mit den Sportfreunden Eisbachtal im Viertelfinale haben wir eine dicke Nuss zu knacken. Ansonsten fände ich es schön, wenn wir in der Meisterschaftsrunde viele Punkte einfahren. Ebenfalls wichtig ist die Weiterentwicklung der Mannschaft. Wir haben noch zwei, drei Dinge, an denen ich arbeiten möchte. Es geht darum, diese Kontinuität zu haben, die eigene Leistung zu halten und die Intensität weiter umzusetzen. Wenn wir noch ein paar Plätze klettern können im Tableau, schnell nicht mehr in den Keller schauen müssen und den Jungs nochmal was mitgeben können, bin ich sehr zufrieden.

Das-Run.de: Top-Acht-Platzierung in der Meisterschaftsrunde und der Gewinn des Fußball-Rheinlandpokals. Würdest du dieses sportliche Ergebnis am Ende der Saison so nehmen?

Sascha Watzlawik: Ja, das würde ich dir direkt so unterschreiben (lacht).

Das-Run.de: Sascha, lass uns am Ende noch einmal über ein emotionales Thema sprechen. Die Nachricht von deinem Abgang beim FV Engers am Ende der Saison hat die Fußballszene aufgewühlt. Wie blickst du im Nachhinein darauf zurück?

Sascha Watzlawik: Ich war sehr berührt von der Anteilnahme der Leute und den zahlreichen persönlichen Nachrichten. Das zeigt mir, dass diese 13 Jahren beim FV Engers sehr besonders gewesen sind. Diese ganze Fußballfamilie, jeder ist vom selben Gedanke getrieben, ist in meinen Augen ganz besonders. Ich bin jedem, der mich über all die Jahre begleitet hat, sehr dankbar. Mir ist es sehr wichtig, dass ich den FV Engers im Guten verlasse. Wir haben etwas aufgebaut, darauf kann man mit stolz zurückblicken. Ich werde meine jahrelangen Weggefährten beim FVE nicht hängen lassen, sondern gebe in meinem letzten halben Jahr Vollgas, um auch meinen eigenen Anspruch befriedigen zu können. Ich denke, dass auch über den Sommer hinaus sportlicher Erfolg vorhanden sein wird. Ansonsten freue ich mich für den Verein, dass Julian Feit als mein Nachfolger verpflichtet werden konnte.

Das-Run.de: Sascha, dann bedanken wir uns bei dir für das breit gefächerte Interview und wünschen eine starke Wintervorbereitung sowie den maximalen Erfolg für die Rückserie. Bleibt euren Prinzipien weiter treu, denn dann werden die sportlichen Erfolge schon ganz von alleine kommen.

Sascha Watzlawik: Ich kann auch nur noch danke sagen für das Interview. Ich habe die guten Fragen gerne beantwortet und werde mich in meinem letzten halben Jahr am Wasserturm nochmal voll reinhängen. Es geht darum, dass die Mannschaft sich weiterentwickelt und ich mit der Performance zufrieden bin. Dann kann ich den Stab beruhigt an Julian weitergeben.

Bildquelle: FV Engers 07