Der in Gladbeck aufgewachsene Marcel Lowitsch verfolgte als Jugendlicher den Traum vom Profifußball. Diesem kam der heute 33-Jährige sehr nahe, er spielte beim FC Schalke 04 in den Nachwuchsmannschaften. Doch der ganz große Sprung blieb dem einstigen Innenverteidiger aufgrund von Verletzungen verwehrt. Angetrieben von der Devise, das mehrere Wege nach Rom führen, entschied sich Marcel dazu, nach Kalifornien auszuwandern und eine eigene Fußballschule zu betreiben. Diese läuft heute so gut, dass durch die Hilfe des Mannes mit der A-Lizenz für Fußball und Athletik schon einige Spieler den Sprung in die Major League Soccer (MLS) oder auch nach Europa geschafft haben. Im exklusiven Interview verrät Marcel, wie er sich, angetrieben vom amerikanischen Traum, ein neues Leben in den Staaten aufgebaut hat und dieses nicht mehr missen möchte. Er berichtet davon, wie er die deutschen und die amerikanischen Werte in seine Fußballschule eingebaut hat und warum er damit so erfolgreich ist. Hinzu kommt, dass er seine Philosophie für den Fußballsport beschreibt und erläutert, dass ein Profi neben dem guten Fußballspielen auch tolle Charakterzüge braucht, um den Sprung nach oben zu schaffen. Am Ende des Interviews spricht er über seine beruflichen Ziele und den Wunsch, den FC Schalke mal wieder live spielen zu sehen.
Das-Run.de: Hallo Marcel, herzlich willkommen zum Interview. Was hat dich dazu bewegt, nach Kalifornien auszuwandern und dort eine Fußballschule zu gründen?
Marcel Lowitsch: Amerika war schon immer für mich das Land ohne Limits, wo man noch Träume erreichen kann, wenn man eine Mission und Vision hat. Zumal mir das Wetter und die Natur in Kalifornien immer gefiel.
Das-Run.de: Marcel, warum ist dir der Slogan „Made in Germany“ so wichtig, und wie definierst du die deutschen Tugenden im Fußball?
Marcel Lowitsch: Made in Germany stand immer für eine hohe Qualität, Belastbarkeit und Zuverlässigkeit. Deutsche Trainer sind im Ausland immer gefragt. Wir haben immer noch im Ausland, gerade in Amerika, einen sehr guten Ruf. Deutsche Tugenden im Fußball sind für mich die Disziplin, Fleiß und Ehrgeiz. Wir sind nicht umsonst vier Mal Weltmeister geworden. Natürlich sind wir auch über taktische Qualität und Raffinesse gekommen. Dennoch habe ich bei der Fußball-WM 2014 das Bild vor Augen, wo Bastian Schweinsteiger blutet und kämpfend weitergespielt hat und sich für die Mannschaft aufgeopfert hat. Diese Tugenden gibt es heute noch, dennoch wird auch das immer weniger.
Das-Run.de: Wie hast du denn die Unterstützung des DFB gewonnen, und welche Rolle spielt diese Zusammenarbeit in deinem Projekt?
Marcel Lowitsch: Der DFB wurde auf mich im letzten Jahr aufmerksam. Es gibt Kontakt und Austausch mit dem DFB. Derzeit gibt es aber keine Zusammenarbeit.
Das-Run.de: Marcel, lass uns über das Konzept deiner Fußballschule sprechen. Wie unterscheidet sich dein Trainingsansatz von typischen US-amerikanischen Fußballschulen?
Marcel Lowitsch: Amerikas Fußballvereine hinken noch enorm in taktischen Bereichen, und auch in deren Intensität, hinterher. Meine Akademie ist aufgebaut wie ein Nachwuchsleistungszentrum (NLZ). Das fängt an bei der Trainingsplanung, Periodisierung des Trainings, Auswertung der Leistung bis hin zum spezifischen Teil. Ich habe einen Torwarttrainer und einen Assistenztrainer. Dies ermöglicht mir, mehrere Augen auf das Geschehen zu haben. Das alles ist bei dem normalen Verein noch nicht so.
Das-Run.de: Welche Aspekte der deutschen Philosophie möchtest du den Spielern in den USA näher bringen?
Marcel Lowitsch: Fußball ist Teil unserer Kultur in Deutschland und sicher Teil des täglichen Alltags. Ich möchte den Jungs den Fußball so intensiv wie möglich vorleben und eben so arbeiten, wie es die großen NLZ in Deutschland machen. Die fußballerische Ausbildung ist gar nicht das Wichtigste, denn es geht auch um zwischenmenschliche Aspekte. Eine Fußballschule sollte auch eine Schule des Lebens sein und ich bin schon glücklich, wenn die Jungs eine Siegermentalität entwickeln und das nicht nur auf dem Platz zeigen.
Das-Run.de: Wie kombinierst du deutsche Tugenden mit der amerikanischen Mentalität und Kultur?
Marcel Lowitsch: Der Amerikaner ist oft nicht so steif und festgefahren in vielen Dingen und sieht vieles entspannter als der Deutsche. Ich glaube, dass diese Balance wichtig ist zwischen Anspannung, organisiert sein und Fleiß, aber auch nicht sofort Depressionen bekommt oder sich fertig machen lässt, wenn was mal nicht klappt.
Das-Run.de: Marcel, gibt es Schwerpunkte in deinem Training, die sich speziell an den Anforderungen des modernen Fußballs orientieren?
Marcel Lowitsch: Natürlich arbeiten wir viel mit Videoanalysen, externen Trainern aus dem Ausland, und auch mit Lehrern und Psychologen zusammen. Ich hatte zum Beispiel im Jahr 2023 verschiedene Trainer aus der Bundesliga oder aus NLZs (TSG Hoffenheim, Rot Weiss Essen oder VfB Stuttgart) hier. Im Jahr 2024 hatten wir von Peter Hyballa, der inhaltlich ein enormes Fachwissen mitbringt, hier vor Ort. Peter kennt sich im Bereich Gegenpressing, Restverteidigung, deutsche vs. niederländische Tugenden und Deep Runs ziemlich gut aus. Ein Schwerpunkt ist es, die Spielphilosophie von Red Bull zu vereinheitlichen und einen aggressiven und mutigen auf Gegenpressing beruhenden Fußball zu spielen. Das gibt es zu wenig in Amerika, da einfach das Wissen und die geeigneten Trainer fehlen.
Das-Run.de: Marcel, lass uns mal über deine in Kalifornien gesammelten Erfahrungen sprechen. Wie wurde deine Fußballschule in der lokalen Community aufgenommen?
Marcel Lowitsch: Mit großem Interesse, Freude und auch Hoffnung, dass sich der Fußball hier verbessert.
Das-Run.de: Was sind in deinen Augen die größten Unterschiede zwischen Fußball in Deutschland und den USA – auf und neben dem Platz?
Marcel Lowitsch: Ich wage mir kein Urteil zu, ob ein deutscher Fußballspieler auf dem Platz den Fußball anders lebt als hier. Neben dem Platz spielt Fußball hier nicht so eine Rolle wie in Deutschland. Im Radio gibt es keine Berichterstattung, es gehört nicht zum Alltag, sodass der Fußball auch kein tägliches Gesprächsthema ist.
Das-Run.de: Welche Herausforderungen hast du bei der Gründung und dem Aufbau deiner Fußballschule in den USA erlebt?
Marcel Lowitsch: Eine sehr gute Frage. Es gibt in Kalifornien zu wenig Fußballfelder und es kostet zu viel Geld, um Spielfelder zu mieten, damit man sich einen Namen machen kann. Es gibt zu viele Privattrainer in Los Angeles und jeder X-Beliebige kann sich “Pro Coach” nennen. Dennoch hat sich die Qualität durchgesetzt und ich bin davon überzeugt, dass die Leute irgendwann auch sehen, welchem Trainer es wirklich um die Ausbildung eines Spielers geht.
Das-Run.de: Marcel, lass uns gerne über Zusammenarbeit und Ziele sprechen. Wie eng arbeitest du mit dem DFB zusammen? Gibt es regelmäßige Austauschprogramme oder Schulungen?
Marcel Lowitsch: Die Idee meiner Akademie war von Anfang an, was zu machen, was es hier nicht gibt und was anders ist. Wenn hier einer in Amerika sehr stolz, selbstbewusst und auch erfolgreich den deutschen Fußball anwirbt und vertritt, dann ist es meine Akademie. Der DFB sollte meiner Meinung nach offener sein für Partnerschaften und Austauschprogramme. Gerade im Hinblick auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2026. Es kann nicht immer nur um Geld oder Vetternwirtschaft gehen. Ich will Kinder für den deutschen Fußball begeistern, mein Fußballland und unsere Tugenden jedem jungen Kind zeigen. Es ist toll, wenn ein Kind aus Amerika oder Mexiko ein Trikot von Jamal Musiala, Manuel Neuer oder Florian Wirtz trägt und den deutschen Fußball bewundert. Und das mache ich, denn neben den ganzen Fußball-Elementen geht es hier darum, Fußballkultur den Leuten nahezubringen.
Das-Run.de: Welche Ziele verfolgst du denn mit deiner Fußballschule?
Marcel Lowitsch: Es geht erstmal darum, Spieler für die in der MLS (amerikanische Profiliga) spielenden Teams auszubilden und zu empfehlen. Dann habe ich unwahrscheinlich viele Talente, die ein College-Stipendium erlangen können. Wenn ein Spieler enorm gut und anders ist, schicke ich diesen nach Deutschland und versuche mein Bestes, damit er dort Fuß fassen kann. Ich habe schon einige Spieler nach Deutschland geschickt, die dort leben und glücklich sind.
Das-Run.de: Gibt es eigentlich Pläne, das Konzept deiner Fußballschule auf andere Regionen in den USA auszuweiten?
Marcel Lowitsch: Ich habe mich letztes Jahr an Miami herangewagt, weil es viele Anfragen gab. Ich fokussiere mich auf meinen Heimatmarkt rund um Los Angeles, bin aber offen, woanders den Fußball so zu lehren, wie ich ihn selbst im Ruhrgebiet leben durfte.
Das-Run.de: Marcel, was bedeutet für dich persönlicher Erfolg in diesem Projekt?
Marcel Lowitsch: Wenn ein Spieler was mitnimmt, neben dem Platz. Eine Ellenbogenmentalität entwickelt sich, um sich durchzusetzen. Wer an sich glaubt und Krisen meistern kann weis auch, dass Erfolg mit Resultaten zusammenhängt und harte Arbeit die Voraussetzung dafür ist. Ich glaube, wenn das einem Jungen klar ist, dann habe ich als Trainer und Lehrer viel erreicht. Es geht nicht immer um die Profikarriere oder um Geld und Anerkennung.
Das-Run.de: Marcel, lass uns noch über deine zwei Heimaten sprechen. Was vermisst du am meisten an Deutschland, und was liebst du an deinem Leben in Kalifornien?
Marcel Lowitsch: Ein Spiel auf Schalke mal wieder live zu sehen und das Ruhrgebiet zu erleben. Dennoch bin ich in Kalifornien auch sehr gut aufgehoben. Die Menschen sind einfach positiver eingestellt. Ich genieße auch, dass es in Amerika weniger Neider und Nein-Sager gibt.
Das-Run.de: Gibt es einen Moment, in dem dir klar wurde, dass du mit deinem Projekt genau auf dem richtigen Weg bist?
Marcel Lowitsch: Ja, als das öffentliche Interesse immer mehr wurde und auch MLS-Vereine und die Elite-Universitäten das Ganze ernst genommen haben. Und natürlich an den Anmeldungen und dem Interesse bei jungen Talenten.
Das-Run.de: Zum Abschluss möchten wir noch Wissen, welche Werte du deinen Schülern, abgesehen von fußballerischen Fähigkeiten, vermittelst?
Marcel Lowitsch: Der Glaube, dass kein Berg zu hoch, kein Fluss zu tief und kein Weg zu weit ist. Und ganz wichtig ist nicht viel zu reden, sondern einfach mal zu machen.
Das-Run.de: Marcel, besten Dank für dieses spannende Interview. Wir wünschen dir bei deinen weiteren Projekten in Kalifornien den größtmöglichen Erfolg.
Marcel Lowitsch: Ich danke für euer Interesse. Es hat mich sehr gefreut. Kommt doch gerne mal nach Kalifornien und verschafft euch einen persönlichen Eindruck.
Bildquelle: DFB
Das-Run.de: Hallo Marcel, herzlich willkommen zum Interview. Was hat dich dazu bewegt, nach Kalifornien auszuwandern und dort eine Fußballschule zu gründen?
Marcel Lowitsch: Amerika war schon immer für mich das Land ohne Limits, wo man noch Träume erreichen kann, wenn man eine Mission und Vision hat. Zumal mir das Wetter und die Natur in Kalifornien immer gefiel.
Das-Run.de: Marcel, warum ist dir der Slogan „Made in Germany“ so wichtig, und wie definierst du die deutschen Tugenden im Fußball?
Marcel Lowitsch: Made in Germany stand immer für eine hohe Qualität, Belastbarkeit und Zuverlässigkeit. Deutsche Trainer sind im Ausland immer gefragt. Wir haben immer noch im Ausland, gerade in Amerika, einen sehr guten Ruf. Deutsche Tugenden im Fußball sind für mich die Disziplin, Fleiß und Ehrgeiz. Wir sind nicht umsonst vier Mal Weltmeister geworden. Natürlich sind wir auch über taktische Qualität und Raffinesse gekommen. Dennoch habe ich bei der Fußball-WM 2014 das Bild vor Augen, wo Bastian Schweinsteiger blutet und kämpfend weitergespielt hat und sich für die Mannschaft aufgeopfert hat. Diese Tugenden gibt es heute noch, dennoch wird auch das immer weniger.
Das-Run.de: Wie hast du denn die Unterstützung des DFB gewonnen, und welche Rolle spielt diese Zusammenarbeit in deinem Projekt?
Marcel Lowitsch: Der DFB wurde auf mich im letzten Jahr aufmerksam. Es gibt Kontakt und Austausch mit dem DFB. Derzeit gibt es aber keine Zusammenarbeit.
Das-Run.de: Marcel, lass uns über das Konzept deiner Fußballschule sprechen. Wie unterscheidet sich dein Trainingsansatz von typischen US-amerikanischen Fußballschulen?
Marcel Lowitsch: Amerikas Fußballvereine hinken noch enorm in taktischen Bereichen, und auch in deren Intensität, hinterher. Meine Akademie ist aufgebaut wie ein Nachwuchsleistungszentrum (NLZ). Das fängt an bei der Trainingsplanung, Periodisierung des Trainings, Auswertung der Leistung bis hin zum spezifischen Teil. Ich habe einen Torwarttrainer und einen Assistenztrainer. Dies ermöglicht mir, mehrere Augen auf das Geschehen zu haben. Das alles ist bei dem normalen Verein noch nicht so.
Das-Run.de: Welche Aspekte der deutschen Philosophie möchtest du den Spielern in den USA näher bringen?
Marcel Lowitsch: Fußball ist Teil unserer Kultur in Deutschland und sicher Teil des täglichen Alltags. Ich möchte den Jungs den Fußball so intensiv wie möglich vorleben und eben so arbeiten, wie es die großen NLZ in Deutschland machen. Die fußballerische Ausbildung ist gar nicht das Wichtigste, denn es geht auch um zwischenmenschliche Aspekte. Eine Fußballschule sollte auch eine Schule des Lebens sein und ich bin schon glücklich, wenn die Jungs eine Siegermentalität entwickeln und das nicht nur auf dem Platz zeigen.
Das-Run.de: Wie kombinierst du deutsche Tugenden mit der amerikanischen Mentalität und Kultur?
Marcel Lowitsch: Der Amerikaner ist oft nicht so steif und festgefahren in vielen Dingen und sieht vieles entspannter als der Deutsche. Ich glaube, dass diese Balance wichtig ist zwischen Anspannung, organisiert sein und Fleiß, aber auch nicht sofort Depressionen bekommt oder sich fertig machen lässt, wenn was mal nicht klappt.
Das-Run.de: Marcel, gibt es Schwerpunkte in deinem Training, die sich speziell an den Anforderungen des modernen Fußballs orientieren?
Marcel Lowitsch: Natürlich arbeiten wir viel mit Videoanalysen, externen Trainern aus dem Ausland, und auch mit Lehrern und Psychologen zusammen. Ich hatte zum Beispiel im Jahr 2023 verschiedene Trainer aus der Bundesliga oder aus NLZs (TSG Hoffenheim, Rot Weiss Essen oder VfB Stuttgart) hier. Im Jahr 2024 hatten wir von Peter Hyballa, der inhaltlich ein enormes Fachwissen mitbringt, hier vor Ort. Peter kennt sich im Bereich Gegenpressing, Restverteidigung, deutsche vs. niederländische Tugenden und Deep Runs ziemlich gut aus. Ein Schwerpunkt ist es, die Spielphilosophie von Red Bull zu vereinheitlichen und einen aggressiven und mutigen auf Gegenpressing beruhenden Fußball zu spielen. Das gibt es zu wenig in Amerika, da einfach das Wissen und die geeigneten Trainer fehlen.
Das-Run.de: Marcel, lass uns mal über deine in Kalifornien gesammelten Erfahrungen sprechen. Wie wurde deine Fußballschule in der lokalen Community aufgenommen?
Marcel Lowitsch: Mit großem Interesse, Freude und auch Hoffnung, dass sich der Fußball hier verbessert.
Das-Run.de: Was sind in deinen Augen die größten Unterschiede zwischen Fußball in Deutschland und den USA – auf und neben dem Platz?
Marcel Lowitsch: Ich wage mir kein Urteil zu, ob ein deutscher Fußballspieler auf dem Platz den Fußball anders lebt als hier. Neben dem Platz spielt Fußball hier nicht so eine Rolle wie in Deutschland. Im Radio gibt es keine Berichterstattung, es gehört nicht zum Alltag, sodass der Fußball auch kein tägliches Gesprächsthema ist.
Das-Run.de: Welche Herausforderungen hast du bei der Gründung und dem Aufbau deiner Fußballschule in den USA erlebt?
Marcel Lowitsch: Eine sehr gute Frage. Es gibt in Kalifornien zu wenig Fußballfelder und es kostet zu viel Geld, um Spielfelder zu mieten, damit man sich einen Namen machen kann. Es gibt zu viele Privattrainer in Los Angeles und jeder X-Beliebige kann sich “Pro Coach” nennen. Dennoch hat sich die Qualität durchgesetzt und ich bin davon überzeugt, dass die Leute irgendwann auch sehen, welchem Trainer es wirklich um die Ausbildung eines Spielers geht.
Das-Run.de: Marcel, lass uns gerne über Zusammenarbeit und Ziele sprechen. Wie eng arbeitest du mit dem DFB zusammen? Gibt es regelmäßige Austauschprogramme oder Schulungen?
Marcel Lowitsch: Die Idee meiner Akademie war von Anfang an, was zu machen, was es hier nicht gibt und was anders ist. Wenn hier einer in Amerika sehr stolz, selbstbewusst und auch erfolgreich den deutschen Fußball anwirbt und vertritt, dann ist es meine Akademie. Der DFB sollte meiner Meinung nach offener sein für Partnerschaften und Austauschprogramme. Gerade im Hinblick auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2026. Es kann nicht immer nur um Geld oder Vetternwirtschaft gehen. Ich will Kinder für den deutschen Fußball begeistern, mein Fußballland und unsere Tugenden jedem jungen Kind zeigen. Es ist toll, wenn ein Kind aus Amerika oder Mexiko ein Trikot von Jamal Musiala, Manuel Neuer oder Florian Wirtz trägt und den deutschen Fußball bewundert. Und das mache ich, denn neben den ganzen Fußball-Elementen geht es hier darum, Fußballkultur den Leuten nahezubringen.
Das-Run.de: Welche Ziele verfolgst du denn mit deiner Fußballschule?
Marcel Lowitsch: Es geht erstmal darum, Spieler für die in der MLS (amerikanische Profiliga) spielenden Teams auszubilden und zu empfehlen. Dann habe ich unwahrscheinlich viele Talente, die ein College-Stipendium erlangen können. Wenn ein Spieler enorm gut und anders ist, schicke ich diesen nach Deutschland und versuche mein Bestes, damit er dort Fuß fassen kann. Ich habe schon einige Spieler nach Deutschland geschickt, die dort leben und glücklich sind.
Das-Run.de: Gibt es eigentlich Pläne, das Konzept deiner Fußballschule auf andere Regionen in den USA auszuweiten?
Marcel Lowitsch: Ich habe mich letztes Jahr an Miami herangewagt, weil es viele Anfragen gab. Ich fokussiere mich auf meinen Heimatmarkt rund um Los Angeles, bin aber offen, woanders den Fußball so zu lehren, wie ich ihn selbst im Ruhrgebiet leben durfte.
Das-Run.de: Marcel, was bedeutet für dich persönlicher Erfolg in diesem Projekt?
Marcel Lowitsch: Wenn ein Spieler was mitnimmt, neben dem Platz. Eine Ellenbogenmentalität entwickelt sich, um sich durchzusetzen. Wer an sich glaubt und Krisen meistern kann weis auch, dass Erfolg mit Resultaten zusammenhängt und harte Arbeit die Voraussetzung dafür ist. Ich glaube, wenn das einem Jungen klar ist, dann habe ich als Trainer und Lehrer viel erreicht. Es geht nicht immer um die Profikarriere oder um Geld und Anerkennung.
Das-Run.de: Marcel, lass uns noch über deine zwei Heimaten sprechen. Was vermisst du am meisten an Deutschland, und was liebst du an deinem Leben in Kalifornien?
Marcel Lowitsch: Ein Spiel auf Schalke mal wieder live zu sehen und das Ruhrgebiet zu erleben. Dennoch bin ich in Kalifornien auch sehr gut aufgehoben. Die Menschen sind einfach positiver eingestellt. Ich genieße auch, dass es in Amerika weniger Neider und Nein-Sager gibt.
Das-Run.de: Gibt es einen Moment, in dem dir klar wurde, dass du mit deinem Projekt genau auf dem richtigen Weg bist?
Marcel Lowitsch: Ja, als das öffentliche Interesse immer mehr wurde und auch MLS-Vereine und die Elite-Universitäten das Ganze ernst genommen haben. Und natürlich an den Anmeldungen und dem Interesse bei jungen Talenten.
Das-Run.de: Zum Abschluss möchten wir noch Wissen, welche Werte du deinen Schülern, abgesehen von fußballerischen Fähigkeiten, vermittelst?
Marcel Lowitsch: Der Glaube, dass kein Berg zu hoch, kein Fluss zu tief und kein Weg zu weit ist. Und ganz wichtig ist nicht viel zu reden, sondern einfach mal zu machen.
Das-Run.de: Marcel, besten Dank für dieses spannende Interview. Wir wünschen dir bei deinen weiteren Projekten in Kalifornien den größtmöglichen Erfolg.
Marcel Lowitsch: Ich danke für euer Interesse. Es hat mich sehr gefreut. Kommt doch gerne mal nach Kalifornien und verschafft euch einen persönlichen Eindruck.
Bildquelle: DFB