Schiedsrichter betreten im Regelfall das Spielfeld mit der Intention, möglichst nicht aufzufallen und ein sportliches Kräftemessen mit viel Souveränität zu leiten. In dieser Interviewserie haben wir uns aber bewusst dazu entschieden, den 23. Mann eines Matches in den Vordergrund zu rücken. Im dritten Interview dieser exklusiven Reihe ist Manuel Mück unser Gesprächsgast gewesen. Der 26-Jährige pfeift für den FC Arzheim und hat es in seiner Zeit als Schiedsrichter bis in die Fußball-Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar geschafft. Darüber hinaus ist Manuel auch seit Sommer 2024 Schiedsrichterobmann im Fußballkreis Koblenz und übernimmt dort viele wichtige Aufgaben, denn er ist Ansprechpartner für 100 Schiedsrichter i Raum Koblenz. Im exklusiven Interview berichtet Mück von seinen Anfängen als Schiedsrichter, von seinem Aufstieg in die Fußball-Oberliga RPS und von seinen Zielen an der Pfeife. Darüber hinaus erläutert er das Amt des Schiedsrichterobmanns und berichtet, welche Ziele er in dieser Rolle noch erreichen möchte. Zu guter Letzt übt der Schiedsrichter noch Kritik an der Nachwuchsförderung und verrät, dass er sich nach seiner aktiven Karriere vorstellen kann, weiterhin Verantwortung zu übernehmen. Viel Spaß beim Lesen.
Das-Run.de: Hallo Manuel, herzlich Willkommen zum Interview. Stelle dich zu Beginn gerne einmal kurz vor.
Manuel Mück: Hi, erstmal vielen Dank für die Anfrage. Mein Name ist Manuel Mück, ich bin 26 Jahre alt, komme aus Koblenz und pfeife für den FC Arzheim.
Das-Run.de: Manuel, wie bist du denn Schiedsrichter geworden? Seit wann bist du aktiv an der Pfeife?
Manuel Mück: Ich wollte bereits als kleiner junge immer Schiedsrichter werden, habe bereits in der Grundschule mit selbstgebastelten Karten den Schiedsrichter gespielt, wenn alle anderen Fußball spielten. Die Prüfung habe ich dann im Jahr 2013 im Alter von 14 Jahren abgelegt.
Das-Run.de: Manuel, was waren denn deine Highlights als Schiedsrichter?
Manuel Mück: Zu meinen bisherigen Highlights gehören sicherlich die Leitung des Kreispokalfinales im Jahr 2021 und auch das Viertelfinale im Fußball-Rheinlandpokal in der letzten Saison zwischen den Fußball-Oberligisten TuS Koblenz und FC Rot-Weiß Koblenz, in dem ich als Assistent dabei sein dürfte. Nicht zu vernachlässigen ist mein Debüt in der Fußball-Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar vor ein paar Wochen.
Das-Run.de: Gibt es eine Partie, die du gerne noch leiten würdest als Schiedsrichter?
Manuel Mück: Ich denke da an keine bestimmte Paarung. Dafür gibt es viel zu viele attraktive Begegnungen, aber irgendwann mal das Finale um den Fußball-Rheinlandpokal leiten zu dürfen, dass auch im Fernsehen live übertragen wird, dürfte ein solches Spiel sein, dass sich jeder Schiedsrichter mal wünschen würde.
Das-Run.de: Manuel, du bist in dieser Saison als Schiedsrichter in die Fußball-Oberliga RPS aufgestiegen. Was möchtest du denn noch erreichen? Geht es vielleicht noch in höhere Spielklassen?
Manuel Mück: Man muss da realistisch sein. Natürlich möchte ich alles mitnehmen, was irgendwie geht. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass ich mit 26 Jahren bereits keine wirkliche Perspektive nach oben habe. Das ist schade und die Gründe dafür sind für mich bis heute nicht nachvollziehbar. Aber letztlich kann ich es nicht ändern und freue mich deshalb über alles, was ich bislang erreicht habe. Ein Ziel kann ja auch sein, den Status Quo so lange wie möglich zu halten. Eine weitere Möglichkeit wäre es, in der Rolle des Schiedsrichterassistenten noch in höhere Spielklassen vorzustoßen.
Das-Run.de: Wir haben deinen Aufstieg in die Fußball-Oberliga RPS gerade angesprochen. Seit der Saison 2025/2026 darfst du Spiele in der fünfthöchsten deutschen Spielklasse leiten. Wie hast du es denn so weit geschafft?
Manuel Mück: Ich habe 2013 angefangen zu pfeifen. Nachdem ich etwa vier Jahre in den Jugendklassen viele Spiele geleitet habe, durfte ich dann irgendwann meine ersten Spiele in der Fußball-Kreisliga B und wenig später auch in der Fußball-Kreisliga A pfeifen. 2018 wurde ich dann erstmals für den Perspektivkader des Verbandes gemeldet. Insgesamt habe ich damals teils durch eigene Fehler, teils durch Pech (Corona-Pandemie) drei Jahre gebraucht, um den Sprung in die Fußball-Bezirksliga zu schaffen. Nach weiteren drei Jahren in der Fußball-Bezirksliga bin ich dann im Sommer 2024 in die Fußball-Rheinlandliga aufgestiegen. Den Aufstieg hätte ich damals auch fast im ersten Jahr direkt geschafft, allerdings war meine letzte Beobachtung nicht mehr gut genug und ich durfte nicht aufsteigen. Immerhin durfte ich im Jahr 2022 ein Jahr als Assistent in der Junioren-Bundesliga mitfahren. In diesem Jahr folgte dann überraschend der Aufstieg in die Fußball-Oberliga RPS, nachdem ich in meinem ersten Jahr in der Fußball-Rheinlandliga direkt ganz oben in der Bewertungsrangliste stand.
Das-Run.de: Wer entscheidet eigentlich über den Aufstieg eines Schiedsrichters? Und wie sehr hast du dich über deinen Aufstieg gefreut?
Manuel Mück: Über den Aufstieg in die Fußball-Oberliga entscheidet zuerst der Verbandsschiedsrichterausschuss, wobei die Entscheidung dann noch vom Regionalverband Südwest, der für die Fußball-Oberliga RPS und die Fußball-Regionalliga Südwest zuständig ist, bestätigt werden muss. Natürlich hat mich der Aufstieg sehr gefreut, auch weil ich seit vielen Jahren immer hart dafür gearbeitet habe mich zu verbessern. Eigentlich war es nicht der Plan, direkt im ersten Jahr wieder aufzusteigen. Nachdem ich bereits im Winter auf Platz eins der Bewertungsrangliste gestanden hatte und sich dadurch eine realistische Chance auftat, war in der Rückrunde der Saison 2024/2025 dann schon etwas Druck drauf, um die gute Ausgangsposition über die Ziellinie zu bringen. Wer weiß, ob es jemals nochmal die Chance dazu gegeben hätte.
Das-Run.de: Wird man dich in der Saison 2025/2026 nur in der Fußball-Oberliga RPS antreffen?
Manuel Mück: Erstmal gilt es jetzt in der Fußball-Oberliga RPS anzukommen und dort beständig gute Leistungen zu zeigen. Aber natürlich pfeife ich nicht nur Spiele in der Fußball-Oberliga RPS. Ich werde auch weiterhin in der Fußball-Rheinlandliga und der Fußball-Bezirksliga angesetzt und pfeife mit Freude auch mal ein Spiel in der Fußball-Kreisliga A oder in der Jugend.
Das-Run.de: Welche Herausforderungen siehst du denn in deinem Aufstieg? Und gehst du dieses Abenteuer mit festen Assistenten an?
Manuel Mück: Die größte Herausforderung ist es, sich der neuen Spielklasse anzupassen und dort gute Leistungen zu zeigen. Die Konkurrenz ist deutlich größer, sobald man den eigenen Verband verlässt. Das hat zumindest im ersten Spiel zwischen dem FV Dudenhofen und dem SV Gonsenheim schon mal funktioniert. Ja, jeder Schiedsrichter meldet zu Beginn der Saison vier Assistenten, aus denen nach Möglichkeit dann immer zwei Zeit haben. Sollte das mal nicht der Fall sein, bekommt man aber auch mal Assistenten aus einem anderen Kreis zugeteilt.
Das-Run.de: Auf was freust du dich bei deinem Abenteuer in der Fußball-Oberliga RPS am meisten?
Manuel Mück: Eigentlich freue ich mich am meisten darauf, mir selbst beweisen zu können, dass ich in der Oberliga bestehen kann. Und natürlich auf einige tolle Spiele in schönen Stadien wie Worms oder Primasens.
Das-Run.de: Manuel, du bist ja nicht nur als Schiedsrichter im gesamten Rheinland unterwegs, sondern auch Schiedsrichterobmann im Fußballkreis Koblenz. Erläutere uns gerne einmal die Aufgaben eines Schiedsrichterobmanns.
Manuel Mück: Als Schiedsrichterobmann bin ich verantwortlich für alle Schiedsrichter im Kreis Koblenz. Bei uns in Koblenz sind da aktuell etwas mehr als 100 Schiedsrichter aktiv. Zu den Aufgaben gehört unter anderem die Organisation von Belehrungen und sonstigen Veranstaltungen, die Ehrung von Schiedsrichtern, die Ansetzung der Schiedsrichter auf die verschiedenen Spiele oder auch einfach ein offenes Ohr für alle Schiedsrichterkollegen zu haben und diese zu unterstützen. Das versuche ich bestmöglich umzusetzen.
Das-Run.de: Wie wird man denn Schiedsrichterobmann und welche Erfahrungen sind von Nöten?
Manuel Mück: Als Obmann wird man bei uns im Fußballverband Rheinland gewählt. Zuerst haben die Schiedsrichter mich als Vorschlag für den Kreistag gewählt. Für die Wahl des Amtes selbst sind allerdings die Vereine auf jenem Kreistag zuständig. Grundsätzlich kann jeder Schiedsrichter sich dazu wählen lassen, aber natürlich ist es sicherlich kein Nachteil, wenn man vorher bereits Mitglied des Schiedsrichterausschusses war und etwas Erfahrung mitbringt, wie bestimmte Sachen funktionieren. Am Ende gibt es aber keine Schulung oder sowas, sodass auch ich erstmal viele Fehler machen muss, um daraus anschließend zu lernen.
Das-Run.de: Das bedeutet, alle Fußballkreise im Fußballverband Rheinland haben einen Schiedsrichterobmann?
Manuel Mück: Ja, es gibt in jedem der neun Kreise des Fußballverbandes Rheinland einen Schiedsrichterobmann und jeweils mindestens zwei Ansetzer. Dazu kommt der Verbandsschiedsrichterausschuss, der die selben Aufgaben für den gesamten Verband übernimmt und uns damit in vielen Dingen weisungsbefugt ist.
Das-Run.de: Du hast schon angesprochen, dass es neben den Schiedsrichterobmännern auf Kreisebene noch den Verbandsschiedsrichterausschuss gibt. Wie läuft denn die Zusammenarbeit mit dem Verbandsschiedsrichterausschuss ab? Welche Schnittstellen gibt es?
Manuel Mück: Grundsätzlich gibt es eine klare Aufgabenverteilung. Die Kreise sind für die Schiedsrichter im Kreis zuständig, der Verbandsschiedsrichterausschuss für die Schiedsrichter, die in den Verbandsklassen und höher Spiele leiten. Die größte Schnittstelle gibt es, wenn Schiedsrichter von der Fußball-Kreisliga A in die Fußball-Bezirksliga aufsteigen möchten. Hier kann jeder Kreis jedes Jahr bis zu drei Kandidaten nennen, die dann vom Verband beobachtet werden und die Chance haben, sich für die Fußball-Bezirksliga zu empfehlen. Natürlich gibt es in einer solchen Zusammenarbeit auch immer wieder Situationen, in denen Meinungen auseinander gehen. In meinem Fall ist es das Thema der Nachwuchsförderung. Ich hatte zu Beginn erwähnt, dass ich mit 26 Jahren keine wirkliche Perspektive mehr habe. Heute muss man als Schiedsrichter im besten Fall mit 20 oder 21 Jahren bereits in der Fußball-Oberliga pfeifen, um noch weiter zu kommen. Im besten Fall ist man noch jünger. Ich bin aber der festen Überzeugung, dass Erfahrung im Schiedsrichterwesen wichtiger ist als reines Talent. Meine Kritik geht vor allem dahin, dass viele junge Schiedsrichter heute sehr schnell nach oben kommen, und dann in den oberen Klassen sehr große Probleme bekommen, weil ihnen einfach die Erfahrung fehlt mit bestimmten Situationen umzugehen. Viele schaffen das dann nicht und steigen wieder ab. Deren Karriere ist dann mit 22 Jahren zu Ende und viele hören wieder auf. Meine Kritik geht also vor allem dahin, dass wir sehr viele junge Schiedsrichter träumen lassen und sie dann haufenweise verbrennen, damit eventuell am Ende mal einer durchrutscht. Das finde ich nicht in Ordnung. Auch allen anderen gegenüber, die Woche für Woche versuchen, mit ihrer Leistung das Bestmögliche rauszuholen und nur aufgrund des Alters einer anderen Bewertungsgrundlage zum Opfer fallen.
Das-Run.de: Danke für diese Erläuterung und auch deine kritischen Worte zur Nachwuchsförderung. Wie war denn dein Weg zum Schiedsrichterobmann im Kreis Koblenz?
Manuel Mück: Ich würde damals im Jahr 2019 gefragt, ob ich Interesse habe, Jugendansetzer zu werden, da der bisherige Ansetzer berufsbedingt sein Amt nicht weiter ausführen konnte. Ich hatte zugesagt und war dann bis zum Ende der regulären Amtszeit Jugendansetzer. Im Jahr 2021 wurde ich dann zum Seniorenansetzer und stellvertreten Obmann befördert. Auch in diesem Fall war dies auf fehlende Zeit meines Vorgängers zurückzuführen. Dieses Amt habe ich dann fast die gesamte Amtsperiode bis Sommer 2024 ausgeübt. Als sich dann der vorherige Schiedsrichterobmann Robert Depken aus beruflichen Gründen dazu entschied, nicht erneut zu kandidieren, habe ich als einer von zwei Bewerbern damals meine Kandidatur erklärt und wurde schließlich auch mit einer deutlichen Zwei-Drittel Mehrheit gewählt.
Das-Run.de: Wie stellst du dir deine Zukunft als Schiedsrichterobmann des Fußballkreises Koblenz vor? Was möchtest du noch umsetzen?
Manuel Mück: Aktuell macht mir die Arbeit als Obmann Spaß und ich habe das Gefühl und bekomme auch die Rückmeldung, dass vieles, was wir uns als Team vorgenommen haben, bereits zum Positiven umgesetzt wurde. Natürlich gibt es immer auch Herausforderungen und einzelne Leute, die unzufrieden sind, aber damit werde ich wohl auch weiterhin leben müssen. Ich habe aktuell keine anderen Ziele in diesem Bereich. Ich habe erstmal noch einige Jahre als aktiver Schiedsrichter vor mir, bevor ich mir irgendwann überlegen kann, ob ich auch in höheren Ebenen Verantwortung übernehmen möchte. Aktuell bin ich mit meiner Rolle als Schiedsrichterobmann im Fußballkreis Koblenz sehr zufrieden.
Das-Run.de: Manuel, dann bedanken wir uns bei dir sehr herzlich für das ausführliche Interview und wünschen dir als aktiver Schiedsrichter gut Pfiff und viel Spaß in der Fußball-Oberliga RPS. Für deine Zeit als Schiedsrichterobmann wünschen wir dir ein gutes Händchen, damit der Fußball im Kreis Koblenz weiterhin gut organisiert stattfinden kann. Und zu guter Letzt hoffen wir, dass deine Worte über die Nachwuchsförderung Anklang finden und du dafür einmal selbst einstehen kannst, in einem offiziellen Amt, sofern es die Zeit hergibt.
Manuel Mück: Auch ich bedanke mich bei euch für das nette Interview. Danke, dass ich über meinen Weg in die Fußball-Oberliga RPS berichten konnte. Und auch danke, dass ich über mein Amt als Schiedsrichterobmann berichten durfte. Macht es gut, wir sehen uns auf dem Sportplatz.
Bildquelle: privat
Das-Run.de: Hallo Manuel, herzlich Willkommen zum Interview. Stelle dich zu Beginn gerne einmal kurz vor.
Manuel Mück: Hi, erstmal vielen Dank für die Anfrage. Mein Name ist Manuel Mück, ich bin 26 Jahre alt, komme aus Koblenz und pfeife für den FC Arzheim.
Das-Run.de: Manuel, wie bist du denn Schiedsrichter geworden? Seit wann bist du aktiv an der Pfeife?
Manuel Mück: Ich wollte bereits als kleiner junge immer Schiedsrichter werden, habe bereits in der Grundschule mit selbstgebastelten Karten den Schiedsrichter gespielt, wenn alle anderen Fußball spielten. Die Prüfung habe ich dann im Jahr 2013 im Alter von 14 Jahren abgelegt.
Das-Run.de: Manuel, was waren denn deine Highlights als Schiedsrichter?
Manuel Mück: Zu meinen bisherigen Highlights gehören sicherlich die Leitung des Kreispokalfinales im Jahr 2021 und auch das Viertelfinale im Fußball-Rheinlandpokal in der letzten Saison zwischen den Fußball-Oberligisten TuS Koblenz und FC Rot-Weiß Koblenz, in dem ich als Assistent dabei sein dürfte. Nicht zu vernachlässigen ist mein Debüt in der Fußball-Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar vor ein paar Wochen.
Das-Run.de: Gibt es eine Partie, die du gerne noch leiten würdest als Schiedsrichter?
Manuel Mück: Ich denke da an keine bestimmte Paarung. Dafür gibt es viel zu viele attraktive Begegnungen, aber irgendwann mal das Finale um den Fußball-Rheinlandpokal leiten zu dürfen, dass auch im Fernsehen live übertragen wird, dürfte ein solches Spiel sein, dass sich jeder Schiedsrichter mal wünschen würde.
Das-Run.de: Manuel, du bist in dieser Saison als Schiedsrichter in die Fußball-Oberliga RPS aufgestiegen. Was möchtest du denn noch erreichen? Geht es vielleicht noch in höhere Spielklassen?
Manuel Mück: Man muss da realistisch sein. Natürlich möchte ich alles mitnehmen, was irgendwie geht. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass ich mit 26 Jahren bereits keine wirkliche Perspektive nach oben habe. Das ist schade und die Gründe dafür sind für mich bis heute nicht nachvollziehbar. Aber letztlich kann ich es nicht ändern und freue mich deshalb über alles, was ich bislang erreicht habe. Ein Ziel kann ja auch sein, den Status Quo so lange wie möglich zu halten. Eine weitere Möglichkeit wäre es, in der Rolle des Schiedsrichterassistenten noch in höhere Spielklassen vorzustoßen.
Das-Run.de: Wir haben deinen Aufstieg in die Fußball-Oberliga RPS gerade angesprochen. Seit der Saison 2025/2026 darfst du Spiele in der fünfthöchsten deutschen Spielklasse leiten. Wie hast du es denn so weit geschafft?
Manuel Mück: Ich habe 2013 angefangen zu pfeifen. Nachdem ich etwa vier Jahre in den Jugendklassen viele Spiele geleitet habe, durfte ich dann irgendwann meine ersten Spiele in der Fußball-Kreisliga B und wenig später auch in der Fußball-Kreisliga A pfeifen. 2018 wurde ich dann erstmals für den Perspektivkader des Verbandes gemeldet. Insgesamt habe ich damals teils durch eigene Fehler, teils durch Pech (Corona-Pandemie) drei Jahre gebraucht, um den Sprung in die Fußball-Bezirksliga zu schaffen. Nach weiteren drei Jahren in der Fußball-Bezirksliga bin ich dann im Sommer 2024 in die Fußball-Rheinlandliga aufgestiegen. Den Aufstieg hätte ich damals auch fast im ersten Jahr direkt geschafft, allerdings war meine letzte Beobachtung nicht mehr gut genug und ich durfte nicht aufsteigen. Immerhin durfte ich im Jahr 2022 ein Jahr als Assistent in der Junioren-Bundesliga mitfahren. In diesem Jahr folgte dann überraschend der Aufstieg in die Fußball-Oberliga RPS, nachdem ich in meinem ersten Jahr in der Fußball-Rheinlandliga direkt ganz oben in der Bewertungsrangliste stand.
Das-Run.de: Wer entscheidet eigentlich über den Aufstieg eines Schiedsrichters? Und wie sehr hast du dich über deinen Aufstieg gefreut?
Manuel Mück: Über den Aufstieg in die Fußball-Oberliga entscheidet zuerst der Verbandsschiedsrichterausschuss, wobei die Entscheidung dann noch vom Regionalverband Südwest, der für die Fußball-Oberliga RPS und die Fußball-Regionalliga Südwest zuständig ist, bestätigt werden muss. Natürlich hat mich der Aufstieg sehr gefreut, auch weil ich seit vielen Jahren immer hart dafür gearbeitet habe mich zu verbessern. Eigentlich war es nicht der Plan, direkt im ersten Jahr wieder aufzusteigen. Nachdem ich bereits im Winter auf Platz eins der Bewertungsrangliste gestanden hatte und sich dadurch eine realistische Chance auftat, war in der Rückrunde der Saison 2024/2025 dann schon etwas Druck drauf, um die gute Ausgangsposition über die Ziellinie zu bringen. Wer weiß, ob es jemals nochmal die Chance dazu gegeben hätte.
Das-Run.de: Wird man dich in der Saison 2025/2026 nur in der Fußball-Oberliga RPS antreffen?
Manuel Mück: Erstmal gilt es jetzt in der Fußball-Oberliga RPS anzukommen und dort beständig gute Leistungen zu zeigen. Aber natürlich pfeife ich nicht nur Spiele in der Fußball-Oberliga RPS. Ich werde auch weiterhin in der Fußball-Rheinlandliga und der Fußball-Bezirksliga angesetzt und pfeife mit Freude auch mal ein Spiel in der Fußball-Kreisliga A oder in der Jugend.
Das-Run.de: Welche Herausforderungen siehst du denn in deinem Aufstieg? Und gehst du dieses Abenteuer mit festen Assistenten an?
Manuel Mück: Die größte Herausforderung ist es, sich der neuen Spielklasse anzupassen und dort gute Leistungen zu zeigen. Die Konkurrenz ist deutlich größer, sobald man den eigenen Verband verlässt. Das hat zumindest im ersten Spiel zwischen dem FV Dudenhofen und dem SV Gonsenheim schon mal funktioniert. Ja, jeder Schiedsrichter meldet zu Beginn der Saison vier Assistenten, aus denen nach Möglichkeit dann immer zwei Zeit haben. Sollte das mal nicht der Fall sein, bekommt man aber auch mal Assistenten aus einem anderen Kreis zugeteilt.
Das-Run.de: Auf was freust du dich bei deinem Abenteuer in der Fußball-Oberliga RPS am meisten?
Manuel Mück: Eigentlich freue ich mich am meisten darauf, mir selbst beweisen zu können, dass ich in der Oberliga bestehen kann. Und natürlich auf einige tolle Spiele in schönen Stadien wie Worms oder Primasens.
Das-Run.de: Manuel, du bist ja nicht nur als Schiedsrichter im gesamten Rheinland unterwegs, sondern auch Schiedsrichterobmann im Fußballkreis Koblenz. Erläutere uns gerne einmal die Aufgaben eines Schiedsrichterobmanns.
Manuel Mück: Als Schiedsrichterobmann bin ich verantwortlich für alle Schiedsrichter im Kreis Koblenz. Bei uns in Koblenz sind da aktuell etwas mehr als 100 Schiedsrichter aktiv. Zu den Aufgaben gehört unter anderem die Organisation von Belehrungen und sonstigen Veranstaltungen, die Ehrung von Schiedsrichtern, die Ansetzung der Schiedsrichter auf die verschiedenen Spiele oder auch einfach ein offenes Ohr für alle Schiedsrichterkollegen zu haben und diese zu unterstützen. Das versuche ich bestmöglich umzusetzen.
Das-Run.de: Wie wird man denn Schiedsrichterobmann und welche Erfahrungen sind von Nöten?
Manuel Mück: Als Obmann wird man bei uns im Fußballverband Rheinland gewählt. Zuerst haben die Schiedsrichter mich als Vorschlag für den Kreistag gewählt. Für die Wahl des Amtes selbst sind allerdings die Vereine auf jenem Kreistag zuständig. Grundsätzlich kann jeder Schiedsrichter sich dazu wählen lassen, aber natürlich ist es sicherlich kein Nachteil, wenn man vorher bereits Mitglied des Schiedsrichterausschusses war und etwas Erfahrung mitbringt, wie bestimmte Sachen funktionieren. Am Ende gibt es aber keine Schulung oder sowas, sodass auch ich erstmal viele Fehler machen muss, um daraus anschließend zu lernen.
Das-Run.de: Das bedeutet, alle Fußballkreise im Fußballverband Rheinland haben einen Schiedsrichterobmann?
Manuel Mück: Ja, es gibt in jedem der neun Kreise des Fußballverbandes Rheinland einen Schiedsrichterobmann und jeweils mindestens zwei Ansetzer. Dazu kommt der Verbandsschiedsrichterausschuss, der die selben Aufgaben für den gesamten Verband übernimmt und uns damit in vielen Dingen weisungsbefugt ist.
Das-Run.de: Du hast schon angesprochen, dass es neben den Schiedsrichterobmännern auf Kreisebene noch den Verbandsschiedsrichterausschuss gibt. Wie läuft denn die Zusammenarbeit mit dem Verbandsschiedsrichterausschuss ab? Welche Schnittstellen gibt es?
Manuel Mück: Grundsätzlich gibt es eine klare Aufgabenverteilung. Die Kreise sind für die Schiedsrichter im Kreis zuständig, der Verbandsschiedsrichterausschuss für die Schiedsrichter, die in den Verbandsklassen und höher Spiele leiten. Die größte Schnittstelle gibt es, wenn Schiedsrichter von der Fußball-Kreisliga A in die Fußball-Bezirksliga aufsteigen möchten. Hier kann jeder Kreis jedes Jahr bis zu drei Kandidaten nennen, die dann vom Verband beobachtet werden und die Chance haben, sich für die Fußball-Bezirksliga zu empfehlen. Natürlich gibt es in einer solchen Zusammenarbeit auch immer wieder Situationen, in denen Meinungen auseinander gehen. In meinem Fall ist es das Thema der Nachwuchsförderung. Ich hatte zu Beginn erwähnt, dass ich mit 26 Jahren keine wirkliche Perspektive mehr habe. Heute muss man als Schiedsrichter im besten Fall mit 20 oder 21 Jahren bereits in der Fußball-Oberliga pfeifen, um noch weiter zu kommen. Im besten Fall ist man noch jünger. Ich bin aber der festen Überzeugung, dass Erfahrung im Schiedsrichterwesen wichtiger ist als reines Talent. Meine Kritik geht vor allem dahin, dass viele junge Schiedsrichter heute sehr schnell nach oben kommen, und dann in den oberen Klassen sehr große Probleme bekommen, weil ihnen einfach die Erfahrung fehlt mit bestimmten Situationen umzugehen. Viele schaffen das dann nicht und steigen wieder ab. Deren Karriere ist dann mit 22 Jahren zu Ende und viele hören wieder auf. Meine Kritik geht also vor allem dahin, dass wir sehr viele junge Schiedsrichter träumen lassen und sie dann haufenweise verbrennen, damit eventuell am Ende mal einer durchrutscht. Das finde ich nicht in Ordnung. Auch allen anderen gegenüber, die Woche für Woche versuchen, mit ihrer Leistung das Bestmögliche rauszuholen und nur aufgrund des Alters einer anderen Bewertungsgrundlage zum Opfer fallen.
Das-Run.de: Danke für diese Erläuterung und auch deine kritischen Worte zur Nachwuchsförderung. Wie war denn dein Weg zum Schiedsrichterobmann im Kreis Koblenz?
Manuel Mück: Ich würde damals im Jahr 2019 gefragt, ob ich Interesse habe, Jugendansetzer zu werden, da der bisherige Ansetzer berufsbedingt sein Amt nicht weiter ausführen konnte. Ich hatte zugesagt und war dann bis zum Ende der regulären Amtszeit Jugendansetzer. Im Jahr 2021 wurde ich dann zum Seniorenansetzer und stellvertreten Obmann befördert. Auch in diesem Fall war dies auf fehlende Zeit meines Vorgängers zurückzuführen. Dieses Amt habe ich dann fast die gesamte Amtsperiode bis Sommer 2024 ausgeübt. Als sich dann der vorherige Schiedsrichterobmann Robert Depken aus beruflichen Gründen dazu entschied, nicht erneut zu kandidieren, habe ich als einer von zwei Bewerbern damals meine Kandidatur erklärt und wurde schließlich auch mit einer deutlichen Zwei-Drittel Mehrheit gewählt.
Das-Run.de: Wie stellst du dir deine Zukunft als Schiedsrichterobmann des Fußballkreises Koblenz vor? Was möchtest du noch umsetzen?
Manuel Mück: Aktuell macht mir die Arbeit als Obmann Spaß und ich habe das Gefühl und bekomme auch die Rückmeldung, dass vieles, was wir uns als Team vorgenommen haben, bereits zum Positiven umgesetzt wurde. Natürlich gibt es immer auch Herausforderungen und einzelne Leute, die unzufrieden sind, aber damit werde ich wohl auch weiterhin leben müssen. Ich habe aktuell keine anderen Ziele in diesem Bereich. Ich habe erstmal noch einige Jahre als aktiver Schiedsrichter vor mir, bevor ich mir irgendwann überlegen kann, ob ich auch in höheren Ebenen Verantwortung übernehmen möchte. Aktuell bin ich mit meiner Rolle als Schiedsrichterobmann im Fußballkreis Koblenz sehr zufrieden.
Das-Run.de: Manuel, dann bedanken wir uns bei dir sehr herzlich für das ausführliche Interview und wünschen dir als aktiver Schiedsrichter gut Pfiff und viel Spaß in der Fußball-Oberliga RPS. Für deine Zeit als Schiedsrichterobmann wünschen wir dir ein gutes Händchen, damit der Fußball im Kreis Koblenz weiterhin gut organisiert stattfinden kann. Und zu guter Letzt hoffen wir, dass deine Worte über die Nachwuchsförderung Anklang finden und du dafür einmal selbst einstehen kannst, in einem offiziellen Amt, sofern es die Zeit hergibt.
Manuel Mück: Auch ich bedanke mich bei euch für das nette Interview. Danke, dass ich über meinen Weg in die Fußball-Oberliga RPS berichten konnte. Und auch danke, dass ich über mein Amt als Schiedsrichterobmann berichten durfte. Macht es gut, wir sehen uns auf dem Sportplatz.
Bildquelle: privat