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Erst Spieler, dann Trainer. So geht es einigen ehemaligen Kickern. Das trifft auch auf Kim Kossmann zu. Seit 2019 trainiert er die Rheinlandliga-Mannschaft der Bäckerjungen. Mehr als erfolgreich. Denn die SG 99 Andernach hat immer die Klasse gehalten. Mit das-run.de spricht Kossmann über die Philosophie des Vereins, Zukunftspläne und Trainertypen.

Seit einigen Jahren sitzt du – direkt nach deiner aktiven Zeit – schon auf der Trainerbank der SG 99 Andernach. Was macht eigentlich mehr Spaß? Trainer oder Spieler?

Ja, damals geschah das ganze sehr spontan. Das war 2019, seitdem bin ich Trainer. Aufgrund meiner Knieschmerzen musste ich aufhören, mein körperlicher Zustand hat Rheinlandliga-Fußball nicht mehr zugelassen. In dieser Phase bin ich nachts vor Schmerzen aufgewacht, diese Strapazen wollte ich nicht mehr zulassen. Auch wenn ich sagen muss, dass ich sehr gerne Fußball gespielt habe. Aber wie das dann immer so ist. In dieser Zeit kam auch mein Sohn zur Welt, ich war zunächst Trainer der zweiten Mannschaft. Als dann der damalige Coach der Ersten nach sieben Spieltagen zurücktrat, wurde ich gefragt und bin seitdem Trainer der Rheinlandliga-Mannschaft. Ich muss sagen, dass ich sehr gerne Fußball gespielt habe, aber ich bin noch lieber Trainer. Das muss ich wirklich sagen. Ganz besonders natürlich in diesem tollen Verein.

Dein Verein hält sich im Gegensatz zu einigen „Derbygegnern“ seit Jahren in der Rheinlandliga. Wie habt ihr das geschafft? Und fehlen dir die Spiele gegen den TuS Mayen und Mendig?

Letzte Saison hat es Mendig und Mayen leider erwischt. Das finden wir wirklich alle sehr schade. Früher war die Rivalität schon sehr, sehr groß. Natürlich wollen wir auch heute noch alle Derbys gewinnen, keine Frage. Aber wir haben sowohl zu Mendig als auch zu Mayen sehr gute Verhältnisse. Wir haben letzte Spielzeit einen Punkt mehr auf dem Konto gehabt als Mayen. Für uns ist es natürlich jedes Jahr ein Kraftakt. Unser Ziel kann es immer nur sein über dem Strich zu stehen. Mit 22,3 Jahren haben wir die jüngste Mannschaft überhaupt in der Rheinlandliga aufgestellt. Wir setzen tatsächlich auf unsere Jugend. Von 26 Spielern im Kader kommen 23 aus der eigenen Jugend. Und ich hoffe, dass wir auch dieses Jahr wieder die Klasse halten können.

Wie sehr hängt euch die „Corona-Saison“ noch in den Knochen? Damals wart ihr Spitzenreiter, hättet theoretisch in die Oberliga aufsteigen können. Letztlich wurde die Saison abgebrochen.

Es waren erst elf Spieltage gespielt und wir waren von einem Oberliga-Aufstieg ganz, ganz weit entfernt. Wir hatten einfach einen guten Lauf, viel Spielglück auf unserer Seite. In dieser Phase hatten wir irgendwie immer das Gefühl oder Selbstverständnis, dass uns niemand schlagen kann. Das war eine tolle Zeit, aber der Aufstieg war für uns nicht realistisch und wäre es sicher auch nicht geworden.

Wie würdest du dich als Trainer beschreiben? Was bist du für ein Typ? Eher der „Kloppo“ oder Baumgart?

Klopp oder Baumgart, gute Frage. Jürgen Klopp ist der Mann, der von der ganzen Welt geliebt wird. Das ist bei mir mit Sicherheit nicht so (lacht). Wenn man mich kennt, dann kommt man mit mir ganz gut aus. Ich bin eigentlich sehr pflegeleicht. Aber ich muss schon zugeben, dass ich sehr emotional bin. Oft mache ich Dinge, die mir später vielleicht etwas peinlich sind. Aber das liegt nur an meinen Emotionen. Und ich muss ehrlich sagen, dass ich froh bin, dass ich so bin. Denn wenn ich von meinen Jungs Emotionen erwarte und selbst emotionslos bin, dann läuft da was falsch. Ohne Emotionen geht es nicht. Ich bin also eher „Team Baumgart“, auch wenn ich sagen muss, dass Kloppo ein richtiger geiler Typ ist und ich hoffe, dass er irgendwann Nationaltrainer wird.

Zur aktuellen Saison. Nach 19 Spieltagen steht ihr mit 20 Punkten auf dem 14. Tabellenplatz in der Rheinlandliga. Ihr habt ein Spiel weniger und vier Punkte Vorsprung auf die Abstiegszone. Wie zufrieden bist du bislang mit der Spielzeit deiner Mannschaft?

Unser Ziel ist es – wie bereits erwähnt – über dem Strich zu stehen. In dieser Saison gibt es wahrscheinlich fünf Absteiger, also wären wir theoretisch aktuell auf einem Abstiegsplatz. Wir werden natürlich alles geben und wollen so viele Punkte sammeln, dass wir am Ende auf Platz 13 landen und nicht absteigen können. Generell gewinne ich Spiele lieber mit 4:3 als 1:0. Mit unserer Offensive bin ich auch sehr zufrieden, in der Defensive hatten wir in dieser Saison schon einige Probleme. Aber die Jungs geben niemals auf und geben Woche für Woche alles. Unser Ziel ist es natürlich auch in der nächsten Saison in der Rheinlandliga zu spielen. Und das ist für uns absolut keine Selbstverständlichkeit, sondern sehr harte Arbeit. Jahr für Jahr. Wir investieren unfassbar viel dafür.

Zählt in dieser Saison nur der Klassenerhalt?

Diese Liga ist verrückt. Da kann jeder gegen jeden gewinnen. Zu Hause sowieso. 40 Punkte sind immer unser Ziel. Für uns geht es nur um den Klassenerhalt.

Was ist in deinen Augen das Besondere an der SG 99 Andernach?

Das liegt auf der Hand. Wir haben eine super Jugendarbeit, sehr gute junge Mannschaften. Davon werden auch die Senioren in den nächsten Jahren wieder profitieren. Hier ist alles sehr familiär. In Andernach spielt man nicht, um Geld zu verdienen. Das kann ich ganz klar sagen. Man identifiziert sich mit dem Verein und der Stadt. Und es ist, glaube ich, ganz selten, dass so auf die eigene Jugend gesetzt wird.

Welche Ziele hast du mit der Mannschaft in der Zukunft?

Wir wollen junge Spieler besser machen, wollen vielleicht auch mal in die Situation kommen, dass nicht nur der Klassenerhalt als Saisonziel ausgegeben wird. Da wollen wir hinkommen. Was ich sagen kann, ist, dass wir keine Spieler für 400 oder 500 Euro verpflichten werden. Das wird es in Andernach nicht geben. Wir bilden aus und wollen junge Spieler in die erste Mannschaft führen. Wir setzen auf unsere Jungs. So macht es uns am meisten Spaß.

Jetzt noch ein Blick auf die Bundesliga. Packt es Leverkusen? Und gelingt deinem 1. FC Köln noch der Klassenerhalt?

Vizekusen wird es packen. Die sind einfach mal an der Reihe. Ich bin Kölner. Das echte Derby ist für mich gegen Gladbach. Von daher können die Leverkusener gerne mal Meister werden. Sie spielen sensationellen Fußball. Das schaue ich mir sehr gerne an. Es ist wirklich genial, was die da veranstalten. Zu meinem geliebten FC. Was soll ich dazu sagen? Ich hoffe, dass wir irgendwie den 16. Tabellenplatz halten können. Für mehr fehlt mir die Fantasie. Mainz sitzt uns sehr im Nacken. Ich bin gespannt und bin bei jedem Heimspiel dabei. Ich fiebere mit und drücke die Daumen. Hoffentlich reicht es am Ende, irgendwie.

Bildquelle: SG 99 Andernach