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Im Fußballverband Rheinland ist Jonny Susa kein Unbekannter. Seine Vita als Trainer und Spieler sind herausragend. Als Trainer feierte er drei Meisterschaften mit dem SV Rot-Weiss Merl. Mit dem Ahrweiler BC schaffte er das Kunststück in drei Jahren dreimal in Folge Meister zu werden (Meister B-Klasse, A-Klasse und Bezirksliga). Im vierten Jahre feierte er die Vizemeisterschaft und spielte 2018/19 die Relegationsrunde um den Aufstieg in die Oberliga. In der Saison 2021/22 legte er mit dem SC Fortuna Bonn eine Meisterschaft nach und holte sich die Titel in der Kreisliga A. Im Exklusivinterview mit Das-Run.de spricht der 49-Jährige Susa über sein Erfolgsrezept, die Gefühle nach seiner Entlassung und über seine Ziele mit seinem Herzensverein Ahrweiler BC.

Das-Run.de: Von 2015 bis 2020 warst Du Cheftrainer und zuweilen in einer Doppelfunktion sportlicher Leiter der 1. Mannschaft. Du hast mit Deinem Team den Durchmarsch von der Kreisliga B bis in die Aufstiegsrunde der Oberliga geschafft. Welches Erfolgsrezept steckt hinter Deinen Erfolgen?

Jonny Susa: Im Jahre 2015 haben wir mit dem Projekt begonnen, den Verein überkreislich zu etablieren. Die Voraussetzungen waren nicht so einfach, da die finanziellen Mittel beschränkt waren. Durch mein Netzwerk konnten wir einige Spieler von unserem Weg überzeugen und haben gemeinsam losgelegt. Wer mich kennt, der weiß genau, dass ich nichts dem Zufall überlasse und mich sehr akribisch auf eine Saison vorbereite. Ich plane sehr genau den Spielerkader, die Vorbereitung sowie die Trainingswochen. Im Training und Spiel verlange ich harte und ehrliche Arbeit. Eine positive Grundstimmung ist mir sehr wichtig, vor allem, wenn es Rückschläge gibt. Die Tugenden abseits des Platzes sind enorm wichtig und schweißen ein Team zusammen. Das ist aus meiner Sicht das Erfolgsrezept und wir können alle stolz sein, dass wir ein Teil der Erfolgsgeschichte sind.

Das-Run.de: Du bist am 9.10.2020 als Trainer für viele überraschend entlassen worden. Wie geht ein erfolgsverwöhnter Mensch mit einer Niederlage um?

Jonny Susa: Intern haben wir uns das Ziel gesetzt, junge Spieler weiterzuentwickeln. Entwickeln bedeutet für mich, dass es auch Rückschläge gibt. Leider sind wir nicht gut in die Rheinlandliga-Saison 2020/21 gestartet. Dann flogen wir mit 6:0 gegen die SG Eintracht Mendig/Bell aus dem Rheinlandpokal. Ich wurde dann zwei Tage später vom Vorstand zum Gespräch eingeladen. Bezüglich des Gesprächsinhalts sind beide Parteien damals mit unterschiedlichen Voraussetzungen ins Gespräch gegangen. Ich hatte mir nach den erfolgreichen Jahren Rückendeckung erhofft. Der Vorstand wollte eine Veränderung auf der Trainerposition. Damals war ich sehr verletzt und enttäuscht über diese Entscheidung. Ich wollte es damals nicht verstehen und auch die Bemühungen, einen harmonischen Schluss zu ziehen, konnte ich nicht akzeptieren. Ich wollte mich seinerzeit mit einer besseren sportlichen Platzierung verabschieden und nicht mit einer 6:0-Pokalniederlage. Heute kann ich über meine Gefühle sprechen und habe die Situation verarbeitet. Wir haben uns auch vor meinem erneuten Engagement ausgesprochen und alles bereinigt.

Das-Run.de: Warum hat Dein Engagement beim SC Fortuna Bonn nur eine Saison gedauert?

Jonny Susa: Nach der Entlassung brauchte ich sportlich eine neue Herausforderung. Diese habe ich beim SC Fortuna Bonn gefunden. Ein neuer Landesverband und die Erkenntnis, dass die A-Klasse eine richtig starke Liga ist, hat mich überzeugt, diesen Schritt zu gehen. Erfreulicherweise haben wir auf Anhieb die Meisterschaft gewonnen. Nach der Entlassung wollte ich sportlich einiges wieder geradebiegen. Ich bin stolz auf meine alte Mannschaft, den Verein und auch auf mich. Mit einer Meisterschaft aufzuhören war mein persönliches Ziel. Dann gibt es noch das Sprichwort, höre auf, wenn es am schönsten ist.

Das-Run.de: Was hat dich dazu bewogen, erneut in Ahrweiler anzuheuern und das in der Funktion des Sportlichen Leiters?

Jonny Susa: Der Abstand zwischen den handelnden Personen und mir hat uns allen gutgetan. Wir alle konnten die Erfolge und auch die Entlassung verarbeiten. Der sportliche Erfolg mit der Fortuna aus Bonn hat natürlich auch dazu geführt, dass man wieder in den Focus gelangt ist. Ich war stolz, als der Verein auf mich zugekommen ist und mir ein Angebot unterbreitet hat. Die Vergangenheit haben wir schnell abgearbeitet und uns dann auf die Zukunft konzentriert. Der ABC ist immer in meinem Herzen und wird es auch immer bleiben.

Das-Run.de: Wie schwer ist die Aufgabe als Sportlicher Leiter, vor allem nach der Flutkatastrophe?

Jonny Susa: Sehr schwer ist die Aufgabe. Das Flair des Apollinarisstadion und unsere tollen Zuschauer fehlen uns sehr. Die Flutkatastrophe im letzten Jahr hat uns sportlich alles genommen. Im organisatorischen Bereich ist es aktuell unmöglich, die Bindung zwischen Senioren und Jugend wieder aufleben zu lassen. Diese Identifikation und Stärke fehlt uns aktuell. Die sportliche Leitung hat es bisher immer geschafft, dass Niveau des Kaders an der Spielklasse anzupassen. Neben den Spielern, die schon sehr lange für Ahrweiler spielen, konnten wir uns immer gezielt verstärken. Der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft war unser größter Trumpf. Der Verein kann nicht entgegenwirken, da wir wie ein Vagabund ständig die Plätze wechseln müssen. Der enorme Mehraufwand für die Spieler und unser fehlendes Vereinsheim ist ein Problem für den Zusammenhalt im Team.

Das-Run.de: Wo steht der Ahrweiler BC in der Region?

Jonny Susa: Unsere Jugendmannschaften entwickeln sich trotz der Umstände prächtig. 2015 spielte als einzige Mannschaft unsere A-Jugend in der Bezirksliga. Heute spielen sämtliche Jugendmannschaften in den höchsten Spielklassen im Fußballverband Rheinland. In dieser Saison ist unsere U15 auf dem Weg, die Meisterschaft in der Rheinlandliga zu erringen. Dies bedeutet den Aufstieg in die höchste Spielklasse, die Regionalliga. Die Vereine TuS Koblenz und Bonner SC sind uns bezüglich Historie und Fanstrahlkraft überlegen. Unser Ansatz bzw. Ziel ist es, in der Region zwischen Koblenz und Bonn die beste Adresse für Jugend- und Juniorenspieler zu werden.

Das-Run.de: Welche Ziele verfolgst Du mit dem Ahrweiler BC in der Rückrunde?

Jonny Susa: Wir arbeiten sehr hart an unserem Ziel, die Klasse zu halten. Das Trainerteam und die Mannschaft werden alles daransetzen, dass wir in der kommenden Saison erneut Oberligafußball in unserer Region sehen werden. Man muss aber auch realistisch bleiben und sehen, dass bis zu acht Mannschaften absteigen können. Fakt ist aber auch, dass wir schnell zurück ins Apollinarisstadion müssen. Wir brauchen unser Stadion und unsere Fans als Einheit. Dann ist alles möglich. Sportlich und aus Eigeninteresse drücken wir den Vereinen aus der Region, die aktuell in der Regionalliga Südwest spielen, die Daumen, dass sie die Liga halten und der Zweitplatzierte aus der Oberliga die Aufstiegsrelegation gewinnt. Im Fußball wird Sieg und Niederlage auf dem Platz entschieden. Von daher schauen wir nur auf uns.

Das-Run.de: Wie schwer ist es, nach der Flutkatastrophe in Ahrweiler ein Etat aufzustellen?

Jonny Susa: Durch den sportlichen Erfolg der letzten Jahre ist unser Etat selbstverständlich gestiegen. Trotz der Corona-Pandemie und der Flutkatastrophe im letzten Jahr stand und steht die Region sowie die Sponsoren hinter dem ABC. Vor dem Unglück hatten wir eine funktionierende Infrastruktur, eine abgestimmte Organisation sowie eine tolle Öffentlichkeitsarbeit. Für uns sind 400 – 500 Zuschauer nie ein Problem gewesen. Dementsprechend konnten wir an den Spieltagen den Sponsoren einiges wieder zurückgeben. Jetzt bauen wir wieder alles auf und müssen dabei zur Kenntnis nehmen, dass ca. 7.000 Menschen durch die Flut ihre Heimat verlassen mussten. Das gesamte Ehrenamt im und um den Verein waren im Dauereinsatz und mussten die Tragödie verarbeiten. Wir sind zusammengerückt, halten zusammen und sind stolz auf unsere Region. Unter normalen Umständen würde die Region sicherlich mehr hergeben. Der Verein ist in der Breite sehr gut aufgestellt und wir haben viele Partner im Boot, die uns weiterhin die Treue halten. Fußball ist die schönste Nebensache der Welt und es gibt wichtigere Dinge im Leben. Dennoch ist Fußball wichtig für die Allgemeinheit und den Zusammenhalt.

Das-Run.de: Sieht man Jonny Susa irgendwann wieder als Trainer?

Jonny Susa: Die Frage ist echt schwierig. Das letzte Jahr hat mich persönlich sehr viel Kraft gekostet. Durch die Flut hatte meine Familie kein Dach mehr über den Kopf. Sportlich wollte ich unbedingt die Meisterschaft mit dem SC Fortuna Bonn. Dieser emotionale Spagat hat dazu geführt, dass ich nach der Saison 2021/22 völlig ausgepowert war. Meine Familie hat viel geopfert in den letzten Jahren und meine Arbeit als Automobilverkäufer fordert mich ebenfalls stark. Es ist Zeit, etwas zurückzugeben. Daher ist meine Karriere als Trainer grundsätzlich beendet. Als 49-Jähriger sage ich aber abschließend „Sag niemals nie“…

Fotoquelle: Ahrweiler BC