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Bei einem Bambini-Training seines Sohnes hatte Andreas Mattlener zufällig Turnschuhe an und durfte dann die Übungseinheit mitgestalten. Seitdem hat den Familienvater die Sportart Fußball und der Verein SG 2000 Mülheim-Kärlich gefesselt. Seit dem letzten Jahr ist der 43-jährige Jugendleiter bei den Kombinierten. Im exklusiven Interview hat uns Andreas mitgeteilt, nach welchen Prinzipien in Mülheim-Kärlich der Nachwuchs ausgebildet wird. Darüber hinaus hat er uns berichtet, dass bei der SG2000 jeder Spieler gefördert wird und erklärt, warum fast alle Jugendspieler auch bei den Senioren Einsätze generieren können.

Das-Run.de: Hallo Andreas, danke für deine Teilnahme an unserer Interviewserie. Stelle dich zu Beginn der Community gerne einmal kurz vor.

Andreas Mattlener: Hallo zusammen, vielen Dank für die Einladung. Mein Name ist Andreas Mattlener und ich bin 43 Jahre alt. Hauptberuflich lehre ich Organisationswissenschaften an der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Mayen. Gemeinsam mit meiner Frau und meinen beiden Söhnen (12 und 16 Jahre) wohnen wir im schönen Mülheim-Kärlich. Das Vereinsmaier-Gen tragen wir alle vier in uns und so ist unsere Woche auch immer recht voll.

Das-Run.de: Vereinsarbeit gehört also ins Leben deiner Familie. Wie bist du denn zum Fußball gekommen? Welche Stationen hast du so durchlaufen?

Andreas Mattlener: Zum organisierten Fußball bin ich tatsächlich sehr spät gekommen. Vorher war ich in der Jugendarbeit in Mülheim-Kärlich tätig und auch musikalisch sehr aktiv. Ich hatte dann den Fehler gemacht, beim Bambini-Training meines älteren Sohns mit Turnschuhen aufzutauchen. Das ist jetzt gut zwölf Jahre her. Kurze Zeit später war ich Bambini-Trainer, zwei Jahre später dann Inhaber der C-Trainerlizenz und ein weiteres Jahr später dann Geschäftsführer der SG 2000 Mülheim-Kärlich. Das Amt des Geschäftsführers hatte ich dann einige Jahre inne. Aktuell trainiere ich mit meinem guten Freund Markus Mannebach unsere U17 in der Fußball-Rheinlandliga und durfte auch schon zweimal ein Team zur Meisterschaft führen. Seit November letzten Jahres bin ich außerdem Schiedsrichter im Kreis Koblenz.

Das-Run.de: Dann bist du schon gut rumgekommen im Vereinsfußball. Du bist aktuell Jugendleiter der SG 2000. Wie lange übst du das Amt schon aus?

Andreas Mattlener: In den sechs Jahren als Geschäftsführer war ich immer sehr nah an der Jugendarbeit und habe mich mit unseren Jugendleitern sehr eng ausgetauscht. Im letztem Jahr habe ich dann den Jugendleiter- Vorstandposten von Jürgen Hörter übernommen. Wir haben einen wirklich tollen Gesamt-Vorstand, der sich gegenseitig toll unterstützt.

Das-Run.de: Was sind denn so deine Aufgaben als Jugendleiter?

Andreas Mattlener: Zu den strategischen Aufgaben zählen insbesondere die Trainerakquise und das Festlegen von Grundsätzen zur Trainings- und Kaderarbeit. Was die operativen Aufgaben angeht, ist die Liste deutlich länger: Trainingszeiten koordinieren, Mannschaftsmeldungen, Passanträge, Material… Die Liste ist echt lang. Gottlob steht mir mit Martin Günzel ein engagierter und erfahrener Vertreter zur Seite. Mit ihm und unserem weiteren Jugendvorstand sind die Aufgaben aber allesamt zu stemmen.

Das-Run.de: Lass uns gerne mehr über Jugendfußball sprechen. Erzähl uns gerne einmal, wie in Mülheim-Kärlich der Nachwuchs ausgebildet wird. Worin liegen die inhaltlichen Schwerpunkte?

Andreas Mattlener: Im Kinderfußball geht es vor allem um den Spaß und der Freude am Sport. Später legen wir dann zunehmend Wert auf die individual-technische und dann auch auf die individual-taktische und positionsorientierte Ausbildung bis hin zu einer soliden gruppen- und teamtaktischen Weiterbildung des gesamten Teams. Dabei unterstützen uns Physiotherapeuten auch als Athletiktrainer ab der D-Jugend. Das hat sicherlich nicht jeder Verein. Aber auch unsere Torhüter-Ausbildung hat einen besonderen Fokus bekommen.

Das-Run.de: Das klingt nach einer Ausbildung, in der auf Alterstufen geachtet wird. Lass uns kurz über eure Mannschaften sprechen. Ihr spielt mit Jugendmannschaften in der Rheinlandliga. Passt das noch zu euren Ansprüchen? Oder ist gar mal wieder eine Jugendmannschaft in der Regionalliga wünschenswert?

Andreas Mattlener: Uns ist eine Durchlässigkeit von den Bambini bis hin zu den Senioren wichtig. Dazu passt es hervorragend, den älteren Jahrgang jeweils in der Verbandsliga und den jüngeren in der Bezirksliga zu haben. Natürlich zieht es die jeweils besten Spieler des Jahrgangs auch Mal in die Regionalliga zu anderen Vereinen – damit müssen wir dann leben. Die Regionalliga hat Licht- und Schattenseiten: Beginnend mit der A-Jugend wäre dieses Abenteuer langfristig denkbar, aber nicht mit Zwang und wenn, mit den eigenen Jungs. Söldner gibt es selbst im Jugendfußball schon zu viele.

Das-Run.de: Ihr habt, bis auf die U19, alle Altersbereiche doppelt besetzt. Trennt ihr strikt nach Alter, oder gilt ein Leistungsprinzip?

Andreas Mattlener: Bis auf wenige Ausnahmen trennen wir strikt nach Alter. Schließlich geht es ja darum, nicht nur einzelne Spieler, sondern die Mannschaft als ganzes nachhaltig zu entwickeln. Hier sind es eher die Eltern, die ihren Sohn bereits im jüngeren Jahrgang unbedingt in der Rheinlandliga sehen wollen.

Das-Run.de: Auffällig ist noch, dass ihr vor allem viele sehr viele Teams im Kleinfeldbereich habt. Wie stemmt ihr das personell? Es sind viele Trainer notwendig, oder?

Andreas Mattlener: Ohne Väter geht es hier nicht. Das wäre illusorisch. Außerdem waren viele selbst früher bei uns Fußballer und machen einen tollen Job. Spätestens ab der D-Jugend versuchen wir dann, die Trainerteams „neutraler“ zu durchmischen. Das gelingt auch.

Das-Run.de: Lass uns einen Schritt weiterdenken: Wenn man eure Seniorenteams durchschaut, lesen sich viele Namen, die bereits in der Jugend bei euch waren. Macht dies die SG so besonders?

Andreas Mattlener: Uns geht es im Jugendfußball nicht um Meistertitel. Deshalb lassen wir auch grundsätzlich niemanden fallen, der gerade zum Saisonwechsel eine Entwicklungspause hat. Das machen viele anders. Auch den Regionalliga-Aufstieg haben wir in der Jugend schon sausen lassen, wenn das den Austausch des folgenden Jahrgangs bedeutet hätte. Die fußballerische Entwicklung von Jugendlichen ist Geduldsarbeit und braucht gegenseitiges Vertrauen. Das zahlt sich am Ende auf beiden Seiten aus, wie viele Beispiele zeigen. Unseren Jugendtrainern sage ich immer: „Schaut in die goldene Mitte!“ Das sind die Spieler, die uns über Jahre die Treue halten und am Ende auch sportlich überzeugen. Wer frei nach dem Matthäusprinzip immer nur die Besten fördert, lässt viele schlummernde Talente liegen.

Das-Run.de: Das sind wahre Worte. Eure erste Mannschaft pendelt zwischen der Fußball-Rheinlandliga und der Fußball-Oberliga. Was ist das langfristige Ziel?

Andreas Mattlener: Der Oberliga-Aufstieg wäre sportlich schon toll, auch wenn das organisatorisch und finanziell herausfordernd ist. Mit dem Weg über die U23 haben wir in beiden Fällen eine gute Durchlässigkeit. Natürlich ist der Flaschenhals in die Fußball-Oberliga aber mit Blick auf den Kader enger. In der Rheinlandliga können junge Spieler etwas leichter Fuß fassen.

Das-Run.de: Und auch eure U23 spielt sehr hoch. Ist dies ein Vorteil gegenüber anderen Vereinen rund um Koblenz?

Andreas Mattlener: Auf jeden Fall. Auch wenn das für unsere U23-Trainer immer anspruchsvoll ist. Als Sandwich-Mannschaft zwischen der Ersten und der Dritten und nicht zuletzt der A-Jugend ist dies ein echter Spagat.

Das-Run.de: Wie tragisch wäre denn ein Abstieg der zweiten Mannschaft aus der Fußball-Bezirksliga Mitte?

Andreas Mattlener: Der Abstieg würde schon wehtun. Die Erfahrung der letzten Jahre hat aber immer wieder gezeigt, dass die jungen Spieler erst einmal im Seniorenfußball ankommen müssen. Wir hatten in den letzten Jahren schon mehr als nur eine schwierige Hinrunde der Zwoten. Hintenraus hat es dann aber immer gepasst und die jungen Spieler haben sich gut eingebracht. Ich persönlich vertraue da den Trainern unserer Seniorenteams. Nenad Lazarevic und Marcus Fritsch bekommen das schon hin.

Das-Run.de: Dann drücken wir die Daumen. Lass uns am Ende noch in die Zukunft blicken. Was ist in den kommenden Jahren im Nachwuchsbereich rund um die SG 2000 zu erwarten?

Andreas Mattlener: Wir haben aktuell einen gut aufgestellten Trainerstab. Mit Ahmet Akbulut, Markus Mannebach, Fatih Sözen und Marco Hunkemöller an der Spitze der Rheinlandliga-Teams und Mahmoud Mandegari, Jürgen Hörter und auch Moritz Mayer in den Bezirksliga-Mannschaften haben wir einen guten Mix an Erfahrung und Menschen mit einer gesunden Einstellung zum Jugendfußball. Hierauf lässt sicher weiter aufbauen. Wo andere Nachwuchssorgen in den jüngeren Teams haben, müssen wir mit Wartelisten vertrösten. Das stimmt positiv für die Zukunft, auch weiter aus eigener Kraft aus unseren Jugendspielern auch unsere Seniorenspieler zu machen.

Das-Run.de: Welche persönlichen Ziele hast du dir für deine Rolle als Jugendleiter noch gesetzt?

Andreas Mattlener: Ich würde gerne durch organisatorische und personelle Weiterentwicklung dafür sorgen, dass mein Nachfolger das teilweise zu umfangreiche Amt des Jugendleiters in einem so großen Verein gut geschultert bekommt. Es finden sich immer weniger Menschen, die so ein ehrenamtliches auf sich nehmen wollen, obwohl es auch so viel Spaß machen kann.

Das-Run.de: Andreas, am Ende möchten wir uns ganz herzlich für deine Zeit und die tollen Antworten bedanken. Wir wünschen dir und der SG 2000 Mülheim-Kärlich weiterhin den größtmöglichen Erfolg.

Andreas Mattlener: Vielen Dank, dass ihr mich für ein Interview eingeladen habt und ich die Jugendarbeit der SG 2000 Mülheim-Kärlich etwas vorstellen durfte.