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Daniel Nitsch lebt für den Sport. Der 55-Jährige hat bis zu seinem Studium im Bereich Elektrotechnik hochklassig Fußball gespielt und dann zahlreiche Sportarten ausprobiert. Die Rückkehr zum Fußballsport hat er seiner Tochter zu verdanken, die als E-Jugendliche mit dem Kicken angefangen hat. Der Diplom-Physiker fand dann schnell gefallen daran, das Team seiner Tochter mit einem Freund zu trainieren, um sein akkumuliertes Wissen weiterzugeben. Seit dem Jahr 2023 ist der Familienvater Jugendleiter beim SC 13 Bad Neuenahr. Im exklusiven Interview berichtet er von der schwierigen Zeit seit der Flutkatastrophe im Sommer 2021 und der Vorfreude auf die Rückkehr ins Apollinarisstadion. Daniel erläutert des Weiteren, warum die Nachwuchsteams des Frauenfußballvereins sportlich so erfolgreich sind und wie wichtig es für einen Verein ist, eine sportliche Heimat zu haben, um das Vereinsleben in Vollen Zügen genießen zu können. Am Ende spricht er davon, wie der Boom im Frauenfußball seinen Verein nachhaltig prägen soll, denn neben Erfolg ist vor allem das menschliche Miteinander ein Faktor, der Vereine nach vorne bringt.

Das-Run.de: Hallo Daniel, herzlich willkommen zum Interview. Stell dich unserer Community gerne einmal vor.

Daniel Nitsch: Hallo zusammen, vielen Dank für die Einladung. Ich heiße Daniel Nitsch, bin 55 Jahre alt, verheiratet und habe eine Tochter. Von der Ausbildung her bin ich Diplom-Physiker, ich habe in Elektrotechnik promoviert und arbeite zurzeit im Bundesministerium der Verteidigung an Umwelt- und Klimaschutz- sowie Nachhaltigkeitsthemen. Mein Ausgleich für den Bürojob ist der Sport. Ich habe viele Sportarten wie Fechten, Kampfsport, Fußball, Basketball und (Beach-)Volleyball und vieles mehr ausprobiert und zum Teil hochklassig gespielt. Es macht mir auch viel Freude, das akkumulierte Wissen weiterzugeben, von daher arbeite ich auch gerne und begeistert mit den jungen Menschen am Fußballplatz.

Das-Run.de: Wie bist du denn zum Fußball gekommen?

Daniel Nitsch: Neben vielen anderen Sportarten habe ich selber recht erfolgreich Fußball gespielt, habe dann aber zu Beginn des Studiums aufgehört. Wieder zurück zum Fußball bin ich über meine Tochter und ihre beste Freundin gekommen, die in der E-Jugend gemeinsam mit dem Fußballspielen in einer Mädchenmannschaft begonnen haben. Nachdem der Trainer dieser Mannschaft aufgehört hat, fragte mich ein Freund, ob wir beide nicht das vielversprechende Team übernehmen wollten. Da das Team sehr erfolgreich war und über die Jahre von der Kreis- über die Bezirksliga in die Mittelrheinliga und letztendlich in die Regionalliga aufgestiegen ist, mussten auch wir uns schnell mit den wachsenden Aufgaben weiterentwickeln. Diese interessanten Herausforderungen und die Arbeit mit den jungen Menschen haben mich dann wieder an diesen Sport gebunden.

Das-Run.de: Das klingt nach einer spannenden Trainertätigkeit. Und heute bist du Jugendleiter beim SC 13 Bad Neuenahr. Wie lange übst du dieses Amt schon aus?

Daniel Nitsch: Ich bin seit Sommer 2023 Jugendleiter des SC13 Bad Neuenahr und werde von zwei ausgezeichneten und extrem motivierten Stellvertreterinnen unterstützt. Ohne ein so starkes Team wären viele der erreichten Erfolge nicht möglich gewesen.

Das-Run.de: Erzähl uns gerne mehr über das Amt des Jugendleiters. Was sind denn deine Aufgaben?

Daniel Nitsch: Durch die Corona-Pandemie und dann insbesondere durch die Flut im Ahrtal hat der Verein extrem schwierige Jahre durchleben müssen. Vor diesem Hintergrund lag der Schwerpunkt unserer Arbeit erst einmal in der konzeptionellen Hinterlegung der Jugendarbeit, der Formulierung und Realisierung der Ansprüche an das Jugendtraining für alle Altersstufen sowie der engen Zusammenführung aller Jugendmannschaften und der Ausgestaltung des Kontakts mit den Seniorinnenmannschaften. Daneben müssen wir diese Ziele gemeinsam mit unserem Vorstand finanziell hinterlegen und die hervorragende Ausstattung unserer Teams sicherstellen. Enorm wichtige Daueraufgaben liegen zusätzlich in der Kommunikation mit dem Vorstand, den Trainerteams, den Spielerinnen und den Eltern sowie den anderen Vereinen. Dabei hilft es sehr, dass ich als einer der beiden Athletiktrainer der Jugendmannschaften häufig am Platz bin und das Jugendleitungsteam die Trainerteams umfassend unterstützen kann.

Das-Run.de: Das klingt nach einer ganzen Palette an Aufgaben. Was macht euch deiner Meinung nach im Jugendbereich so erfolgreich?

Daniel Nitsch: Da kommen einige Dinge zusammen: Bei der Übernahme der neuen Aufgabe haben wir uns mit den Trainerteams zusammengesetzt und gemeinsam klare Ziele für das Training und unsere Teams formuliert. Grundlage hierfür waren Steckbriefe für alle Jugendteams, in denen Ziele, Verhalten, Anspruch und Trainingsinhalte kurz und prägnant formuliert wurden. Ich glaube, dass drei Maßnahmen besonders zu unseren Erfolgen beigetragen haben. Die erste Maßnahme ist der Zusammenhalt: Es ist für uns absolut essenziell, dass alle Jugendtrainerteams und Spielerinnen eng zusammenarbeiten und sich gegenseitig vorbehaltlos und ohne Eitelkeiten unterstützen. So können zum Beispiel besonders talentierte Spielerinnen regelmäßig an Trainingseinheiten älterer Mannschaften teilnehmen oder auch komplett in diesen Teams spielen. Die zweite Maßnahme ist hochklassiges Training: Ab letzter Saison besteht jedes Jugendtrainerteam aus einer Trainerin oder einem Trainer, einer Co-Trainerin oder einem Co-Trainer, einem Athletiktrainer und einer Torwarttrainerin oder einem Torwarttrainer, sodass wir immer ein umfassendes und hochklassiges Training für alle Spielerinnen ab der U13 anbieten können. Darüber hinaus gibt es für die U17 gemeinsam mit der 2. Frauenmannschaft noch einen extra Athletiktrainingstag. Die dritte Erfolgsmaßnahme sind engagierte Teams: Wir konnten hervorragende und hochqualifizierte Trainerteams für alle Teams zusammenstellen und finanzieren. Wir haben im Verein mehrere A-, B- und C-lizensierte Fußballtrainerinnen und Fußballtrainer, einen A-lizensierten Leichtathletiktrainer, einen Athletiktrainer im Fußball sowie lizensierte Torwarttrainer. Gleichzeitig haben wir einen großen Zulauf an besonders motivierten Spielerinnen, die das fordernde und anspruchsvolle Training mit Freude annehmen und sich hervorragend entwickeln. Dazu kommt, dass wir als SC13 ein reiner Frauenfußballverein sind, sodass alle Einnahmen den Mädchen- und Frauenteams zu Gute kommen und diese nicht mit zum Teil doch mit sehr teuren Herrenmannschaften um die Mittel konkurrieren müssen. Von daher können wir hier und da auch etwas mehr in Personal und Ausstattung investieren.

Das-Run.de: Erfolgsmaßnahmen sind das eine, Rückschläge durch höhere Gewalt das andere. Du hast ja angesprochen, dass euch die Phase seit der Flut im Sommer 2021 vor Herausforderungen gestellt hat. Schließlich konnte eure sportliche Heimat, dass Apollinarisstadion, mehrere Jahre nicht in den vollen Umfängen genutzt werden. Wie ist dieser Zeitraum gewesen?

Daniel Nitsch: Die Phase seit der Flut war für den Verein sehr, sehr hart. Unsere Plätze, unser Vereinsheim sowie ein Großteil unseres Trainingsmaterials und unserer Ausstattung sind durch die Flut zerstört worden. Dadurch hatten wir über zwei Saisons keine eigenen Plätze für Training und Spiele und keinen zentralen Punkt für das so wichtige Vereinsleben. Alle Mannschaften waren für Trainings und Spiele in der weiteren Umgebung auf wechselnden Plätzen zu Gast, wodurch es keine richtigen Heimspiele gab, bei denen sich die Teams untereinander anfeuern konnten. Die finanzielle Unterstützung durch verschiedene Hilfsorganisationen und den Verband war sehr gut, konnte aber natürlich die schwierigen Rahmenbedingungen nur mildern. Ohne die vielfältige Hilfe von Spendern, Hilfsorganisationen, Stadt, Kreis und Verband gäbe es den Verein wahrscheinlich nicht mehr. Von daher sind wir allen Helfenden sehr, sehr dankbar, dass sie uns ermöglicht haben, diese herausfordernden Zeiten zu überstehen und unsere Arbeit mit den jungen Menschen fortzusetzen.

Das-Run.de: Das klingt nach einer sehr schwierigen Zeit, in der ihr als Verein eng zusammenrücken musstet. Umso mehr hat uns die Nachricht erfreut, dass das Apollinarisstadion wieder genutzt werden kann. Wie läuft es denn aktuell?

Daniel Nitsch: Seit einem Jahr können wir den Mittelplatz neben dem Stadion bereits wieder nutzen, was uns als Verein und dem Zusammenhalt zwischen den Teams schon sehr gutgetan hat. Da wir uns den Platz noch mit mehreren Vereinen teilen müssen, sind die Trainingsmöglichkeiten noch etwas eingeschränkt, doch verglichen mit der Situation vorher waren wir schon enorm glücklich, endlich wieder richtige Heimspiele haben zu dürfen. Das Apollinarisstadion wurde vor Kurzem für die Heimspiele der beiden Top-Teams (Damen und Herren) aus der Stadt geöffnet, sodass unsere Frauen-Regionalligamannschaft am 3. November nach mehr als drei Jahren endlich wieder ein Heimspiel in dem für den Frauenfußball besonders geschichtsträchtigen und sehr schön wieder aufgebauten Stadion absolvieren darf. Das wird ein besonderer Tag für den Verein, auf den ich mich schon wahnsinnig freue.

Das-Run.de: Du hast angesprochen, dass in eurem Stadion der Frauenfußball eine tolle Zeit erleben darf. Ihr seit ja auch jahrelang der Vorreiter im Frauenfußball im Fußballverband Rheinland gewesen. Wie nehmt ihr die Tatsache wahr, dass der Frauenfußball einen Boom erlebt?

Daniel Nitsch: Es gibt auch andere Vereine die gute Arbeit im Juniorinnenbereich leisten, was ich für sehr wichtig halte, da es vielen Mädchen Spaß, Herausforderungen, Teamgeist und Gesundheit bringt. Ein Zuwachs an Leistungsdichte im Rheinland wird meines Erachtens das Niveau des Frauenfußballs im Rheinland weiter steigern und tut allen Vereinen gut. Die Konkurrenz nehmen wir freundschaftlich, sportlich und selbstbewusst an.

Das-Run.de: Und auch vonseiten des DFB wird dieser Aufschwung erkannt. Seit dieser Saison dürfen ja auch U19-Mannschaften gemeldet werden. Ist dies für euch keine Option?

Daniel Nitsch: Das ist eine gute Möglichkeit, da der Sprung, gerade körperlich, für viele Spielerinnen aus einer U17 in eine höherklassige Frauenmannschaft nicht immer einfach ist. Wir haben das im Auge und überlegen, eine U19 Juniorinnenmannschaft in einer möglichst herausfordernden U19-Liga zu melden.

Das-Run.de: Aktuell ist eure U17 euer Aushängeschild. Ihr habt Spielerinnen, die in Verbandsmannschaften auflaufen und sogar schon in einer Nachwuchsnationalmannschaft Luft schnuppern konnten. Was macht eure B-Juniorinnen so besonders?

Daniel Nitsch: Bei unserer aktuellen U17 handelt es sich um ein extrem junges Team. Mehr als ein Drittel des Teams besteht aus talentierten U15 Spielerinnen, nur wenige gehören dem älteren U17-Jahrgang an. Die Spielerinnen sind auch der Kern unseres Erfolges: Sie sind mit einem unglaublichen Einsatz und Riesenspaß bei der Sache und haben untereinander einen wirklich einmaligen Zusammenhalt. Darüber hinaus haben wir ein hochqualifiziertes und motiviertes Trainerteam, dass sich untereinander sehr gut versteht und den Teamgedanken sowie den Einsatz füreinander fördert und fordert. Das Trainerteam hat ein klares und modernes Trainings- und Spielkonzept, an dem sich die Spielerinnen orientieren können und dass sie auch sehr gut umsetzen. Daneben haben die Spielerinnen eine sehr intensive Vorbereitung hinter sich gebracht und wurden auch athletisch auf ein forderndes Spielsystem vorbereitet.

Das-Run.de: Ihr habt aber neben sportlich erfolgreichen Jugendteams auch zwei Frauenmannschaften, die hochklassig (Fußball-Regionalliga Südwest und Fußball-Rheinlandliga) spielen. Sind die Bedingungen für junge Spielerinnen nach der Jugendzeit ideal?

Daniel Nitsch: Unsere Frauenteams bieten unseren Spielerinnen perspektivisch ein großes Entwicklungspotential. Wir als Jugendbereich sind daher sehr glücklich, dass auch im Seniorinnenbereich eine so gute Arbeit geleistet wird. Wir können damit talentierten Spielerinnen einen Einstieg in den technisch und körperlich schon recht anspruchsvollen Frauenverbandsligafußball bieten, der in der Regel sehr gut funktioniert. Hier können die Spielerinnen sich an den Frauenfußball akklimatisieren und werden auch von der Haupttrainerin der ersten Mannschaft interessiert beobachtet. Herausragend talentierte Spielerinnen erhalten die Möglichkeit, direkt die Vorbereitung mit der ersten Mannschaft zu absolvieren und dürfen auch in diesem Team trainieren. Ein großer Schwerpunkt liegt in unserem Verein auf einem problemlosen und geführten Übergang zwischen Jugend- und Seniorinnenbereich. Dazu sind wir in enger und harmonischer Abstimmung mit der Sportlichen Leitung des Seniorinnenbereiches. Auch ist der Co-Trainer der U17 gleichzeitig der Haupttrainer der Zweiten Frauenmannschaft, sodass die Spielerinnen gut bekannt sind und ihnen menschlich sowie sportlich ein leichter Übergang in den Seniorinnenbereich ermöglicht wird.

Das-Run.de: Ihr seid echt gut und vor allem breit sowie erfolgsversprechend aufgestellt. Spannend ist noch zu wissen, wie ihr euch im Jugendfußball weiter entwickeln möchtet. Was wollt ihr in den nächsten Jahren erreichen?

Daniel Nitsch: Grundsätzlich wollen wir zuerst einmal, dass Spielerinnen und Trainerteams Spaß am Sport und der Gemeinschaft haben. Wir möchten uns aber auch mit dem Gesamtverein auf dem eingeschlagenen Weg weiterentwickeln und damit sportlich bei den Juniorinnen in allen Altersstufen im Rheinland eine sehr gute Rolle spielen sowie eine bekannte Adresse für eine ausgezeichnete, aber auch menschliche Ausbildung von talentierten Spielerinnen sein. Da wir im Juniorinnen, aber auch im Seniorinnenbereich, einen sehr großen Zulauf haben, wollen wir auf der einen Seite das hohe Niveau des Trainings und der sportlichen Ansprüche aufrecht erhalten, auf der anderen Seite aber auch den Spielerinnen, die es nicht in die ersten Mannschaften der jeweiligen Altersklassen schaffen, eine Möglichkeit zur Entwicklung und zum Erhalt von Spielpraxis schaffen. So haben wir dieses Jahr erstmal eine zweite Mannschaft in der U13 gemeldet. Für die nächste Saison überlegen wir, eine zweite Mannschaft in der Altersklasse U17 und eine U11 anzumelden. Ein weiteres Ziel wäre, eine starke U19-Mannschaft in einer interessanten und anspruchsvollen Liga zu melden.

Das-Run.de: Klingt nach ehrgeizigen Zielen für den Jugendfußball. Sollen diese mit dir als Jugendleiter umgesetzt werden? Was sind denn deine sportlichen Ziele?

Daniel Nitsch: Sehr gerne, denn eine Grundmotivation von mir ist es, den Rahmen für viele junge Menschen zu schaffen, sich mit viel Freude an der Bewegung und der Gemeinschaft betätigen zu können. Ich möchte, dass alle Spielerinnen, Trainerinnen und Trainer sowie Vereinsverantwortliche hart, aber auch mit Spaß an dem gemeinsamen Ziel des sportlichen Erfolges und des menschlichen Miteinanders arbeiten. Das große Ziel soll es nämlich sein, gemeinsam die Erfolge feiern zu können.

Das-Run.de: Daniel, vielen Dank für das Interview. Hut ab, wie ihr in den letzten Jahren für den Frauenfußball geackert habt. Wir wünschen euch jetzt wieder angenehmere und vor allem erfolgreiche Zeiten.

Daniel Nitsch: Vielen Dank für die Möglichkeit des Interviews. Kommt doch gerne am Sonntag ins Apollinarisstadion, wenn unsere Frauenmannschaft wieder in ihrem Wohnzimmer um Punkte kämpfen wird.