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Unser heutiger Gast in der exklusiven Interviewreihe über den sich im Aufwind befindenden Jugendfußball ist Chris Schäfer. Der 34-Jährige spielte einst für die Bambinis und die F-Junioren des TuS Mayen, ehe er sich dazu entschied, als Balljunge für die erste Mannschaft, damals noch in der Fußball-Oberliga Südwest, tätig zu sein. Mittlerweile ist Chris seit knapp drei Jahrzehnten mit seinem Heimatverein eng verbunden und Teil des Social-Media-Teams. Seine aber wohl wichtigste Aufgabe beim Verein aus dem Nettetal ist das Amt des Jugendleiters, welches er seit 2022 ausübt. Im exklusiven Interview erläutert der Fußballfachmann, wie er gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen nach langen und schwierigen Jahren den Jugendfußball im Nettetal wieder voranbringt – aktuell in Form einer Jugendspielgemeinschaft mit dem SVE Mendig, der TuS Kottenheim und der SG Ettringen. Darüber hinaus berichtet der Lehrer, wie er sich die weitere Entwicklung des Jugendfußballs vorstellt und erklärt, warum das Ausbildungskonzept von einst leistungsorientiert auf aktuell grundlegend geändert wurde. Am Ende nennt Chris seine Wünsche für den Jugendfußball im Nettetal und spricht über die Probleme mit der aktuellen Sportstätte, die kurzfristig modernisiert werden soll. Viel Spaß beim Lesen.

Das-Run.de: Hallo Chris, du bist unser Ansprechpartner rund um den Jugendfußball beim TuS Mayen. Stelle dich gerne einmal kurz vor.

Chris Schäfer: Hallo zusammen, vielen Dank für eure Anfrage. Mein Name ist Chris Schäfer, ich bin 34 Jahre alt und Lehrer an einer berufsbildenden Schule mit den Fächern Mathematik und Informatik. Ich komme gebürtig aus Mayen und wohne auch dort.

Das-Run.de: Chris, wie bist du zum Fußballsport gekommen?

Chris Schäfer: Angefangen habe ich als Kind bei den Bambinis, allerdings schon nach der F-Jugend aufgehört. Dem Fußball bin ich zunächst als Balljunge bei der Oberligamannschaft des TuS Mayen treu geblieben: TuS Koblenz, 1. FC Saarbrücken, 1. FC Kaiserslautern II, SV Eintracht Trier, DFB-Pokalspiel gegen den VfB Stuttgart -das waren alles schon tolle Gegner und tolle Zeiten. Auch danach bin ich als Fan der 1. Mannschaft hinterhergereist. Mit 17 Jahren habe ich mich einer Thekenmannschaft angeschlossen und kicke bis heute zum Spaß in der Halle. Auch beim Training unserer zweiten Mannschaft war ich schon dabei. Der Fußball ist heute ein ganz großer Teil meines Lebens. Dem TuS Mayen habe ich viele tolle Erinnerungen und viele Freundschaften zu verdanken.

Das-Run.de: Chris, du wurdest uns als Ansprechpartner für ein Interview rund um den Jugendfußball beim TuS Mayen genannt. Welche Rolle übst du aus? Was sind deine Aufgaben?

Chris Schäfer: Angefangen hatte ich 2020 als Unterstützer in der Social-Media-Abteilung, in der ich heute noch aktiv bin. Dann kamen weitere organisatorische Aufgaben hinzu. Als im April 2022 ein neuer Vorstand gewählt wurde, sollte ich in der Jugendabteilung unterstützen. Schließlich wurde es das Amt des Jugendleiters. Meine Aufgaben sind vielfältig: Ich organisiere den Trainings- und Spielbetrieb, besorge Sponsoren für Trainingsausstattung, plane Ausflüge und Feiern, unterstütze die Trainer am Platz. Ich helfe aber auch aus, wenn Fahrer benötigt werden oder ein Trainer krank ist. Mittlerweile bin ich an sechs, manchmal sogar an sieben Tagen in der Woche auf dem Fußballplatz und versuche bei jedem Spiel und Turnier unserer Teams dabei zu sein. Besonders meine Anfangszeit im Jugendbereich war herausfordernd, da ich zum einen wenig Ahnung von den Gegebenheiten des Jugendfußballs hatte und zum anderen kein Netzwerk. Dazu kam, dass der Verein seit Jahren im Abwärtstrend war. Die Zeiten als Vorzeigeverein des Rheinlands mit A-, B- und C-Jugenden in der Junioren-Regionalliga sind lange vorbei. In der Sommerpause 2022 standen wir vor einem Scherbenhaufen. Es waren nur 40 Kinder und Jugendliche im Verein übrig. Mit viel Geduld und harter Arbeit konnten wir den Trend stoppen. Mittlerweile können wir stolz sagen, dass wir wieder bei über 130 Kindern- und Jugendlichen stehen (Bambinis und Spieler der JSG-Partner nicht mitgerechnet) und in fast jeder Jugend zwei Mannschaften melden konnten. Die Zahl der Neuanmeldungen wächst bei uns derzeit rasant.

Das-Run.de: Das klingt sehr erfreulich. Chris, nach welchem Konzept bildet ihr euren Nachwuchs aus?

Chris Schäfer: Wir orientieren uns nach den Leitlinien des DFB und des Fußballverbandes Rheinland und passen die Trainingsinhalte an die jeweilige Altersklasse an. Unser Konzept befindet sich in Überarbeitung. Früher war unsere Ausbildung stark leistungsorientiert. Heute sind wir größtenteils in der Kreisliga aktiv und das erfordert andere Schwerpunkte. Es müssen teilweise auch in höheren Altersklassen noch Grundlagen vermittelt werden. Dennoch bleibt der Leistungsgedanke ein Teil unserer Philosophie, da wir in Zukunft wieder überkreislich vertreten sein wollen. Neben der sportlichen und persönlichen Entwicklung legen wir Wert auf Vereinsidentifikation. Die Spieler sollen wieder stolz darauf sein, das Wappen des TuS Mayen zu tragen.

Das-Run.de: Ihr habt mit mehreren Vereinen Jugendspielgemeinschaften, die allerdings nicht auf den Namen JSG Mayen laufen. Kläre uns gerne einmal auf.

Chris Schäfer: Wir standen im Sommer 2024 vor einer schwierigen Entscheidung. Die A- und B-Jugenden hatten zu dünne Kader. Mit der JSG Vulkaneifel, bestehend aus dem SV Eintracht Mendig, der TuS Kottenheim und der SG Ettringen, kam man schnell ins Gespräch. Ihnen haben Spieler gefehlt und wir wollten unsere nicht verlieren. Im Endeffekt hatten alle davon einen Vorteil. Man kannte sich und die Zusammenarbeit verläuft einfach und vertrauensvoll. Der Name JSG Vulkaneifel mit den Zusätzen der anderen drei Vereine existiert schon länger und daher war es für uns in Ordnung, dass der Name Mayen nicht darin enthalten ist. Es ist klar, dass für einen großen Verein wie den TuS Mayen eine eigene Jugend das Ziel für die Zukunft sein muss. Das ist mit den JSG-Partnern auch von Anfang so kommuniziert gewesen und auch in deren Interesse, da diese in Zukunft selber wieder ausreichend eigene Spieler zur Verfügung haben werden.

Das-Run.de: Die U19 spielt aktuell in der Junioren-Kreisklasse. Kann das Ziel nur die Meisterschaft sein?

Chris Schäfer: Nach dem Abstieg im Sommer spielt die U19 oben mit, der Aufstieg ist aber keine Pflicht. Wichtig ist es, dass die Stammvereine neue Nachwuchsspieler für ihre Seniorenteams dazu gewinnen können. Einige Spieler trainieren regelmäßig bei den Senioren mit. Mit dem starken 2009er-Jahrgang wird in der nächsten Saison der Aufstieg sicher wieder ein Thema werden. Das-Run.de: Bei den B-Junioren habt ihr zwei Teams für den Spielbetrieb gemeldet. Welche Idee steckt dahinter?

Chris Schäfer: Die U17 spielt in der Junioren-Bezirksliga Mitte und die U16 in der Junioren-Kreisliga. Die grundsätzliche Idee ist es, dass alle Jugendliche Spielpraxis auf einem passenden Leistungsniveau bekommen. Uns ist es wichtig, dass jeder Spieler eine Perspektive im Verein hat, unabhängig vom Leistungsniveau. Während viele andere Vereine über hohen Spielerschwund in der B-Jugend klagen, ist das bei uns nicht der Fall. Die Trainingsbeteiligung bei beiden Teams ist überragend.

Das-Run.de: Die U15 spielt in einer Staffelrunde. Welche Ambitionen habt ihr hier?

Chris Schäfer: Die U15 wurde im Sommer Staffelsieger, daher ist das Ziel um den Aufstieg in die Leistungsklasse mitzuspielen. Derzeit steht das Team auf Rang vier, drei Punkte hinter dem Aufstiegsplatz und man hat es selber in der Hand. Wir sehen sehr viel Potenzial in dieser Mannschaft, allerdings sind die Leistungen noch nicht konstant genug. Sollte es mit der Leistungsklasse nicht klappen, wäre dies kein Beinbruch. Auch in der C-Jugend haben wir in dieser Saison zwei Mannschaften gemeldet, um allen Spielern Spielpraxis zu ermöglichen.

Das-Run.de: Die U13 spielt auch in einer Staffelrunde. Wohin soll die Reise gehen?

Chris Schäfer: Die U13 wurde ebenfalls im Sommer Staffelsieger. Derzeit befindet sich das Team auf Rang 3 in ihrer Staffel. Der Aufstieg ist bereits nicht mehr möglich, wäre in dieser Saison aber auch noch zu früh. In der neuen Staffel ab Winter möchten wir aber auf jeden Fall wieder um den ersten Platz mitspielen.

Das-Run.de: Chris, danke dir für den Überblick über die einzelnen Jugendmannschaften. Welche Ziele hast du denn für den Jugendfußball rund um den TuS Mayen?

Chris Schäfer: Unser Plan sieht vor, dass wir in der Saison 2026/2027 wieder eine eigene B-Jugend stellen. Von der Anzahl der Spieler wären eventuell sogar zwei Mannschaften möglich. In drei Jahren soll wieder eine eigene A-Jugend ins Rennen gehen. Mittelfristig sollen alle Teams wieder überkreislich vertreten sein. Bis dahin liegt aber noch viel Arbeit vor uns. Jugendarbeit ist ein langer Weg, der viel Geduld benötigt.

Das-Run.de: Chis, wie sieht es rund um die Trainer beim TuS Mayen aus? Kannst du uns mitnehmen?

Chris Schäfer: Wir haben sehr engagierte Trainer, einige davon sind Spieler in unseren Seniorenteams. Wie vielen anderen Vereinen fehlt es uns an ehrenamtlichen Trainern, Betreuern und Helfern. Wir können derzeit keine hohen Beträge für lizensierte Trainer ausgeben, daher bilden wir diese selber aus. Alle unsere Trainer müssen Lizenzen erwerben, die wir ihnen bezahlen. Ich selber habe schon zwei Trainerscheine und plane für die nahe Zukunft den Erwerb der C-Lizenz.

Das-Run.de: Danke dir für den Überblick: Kannst du uns am Ende noch berichten, wie es rund um die Sportstätten und das Trainingsmaterial ausschaut?

Chris Schäfer: Mit der Trainingsausstattung der Jugend können wir sehr zufrieden sein: Neben Trainingsmaterialien wie Hütchen, Bälle, Dummies haben wir jede Menge Materialien zum Athletiktraining und nutzen digitale Tools wie Reaktionslichter und Videoanalysesoftware. Die Platzsituation in Mayen ist jedoch kompliziert. Der Kunstrasen ist in die Jahre gekommen, soll aber erneuert werden. Das Vereinsheim im angrenzenden Stadion wurde vor wenigen Jahren saniert und wird seitdem ausgiebig genutzt. Die Platzbelegung ist eine zeitintensive Aufgabe, da die Plätze der Stadt gehören und neben uns auch der SV Rheinland Mayen und die Hockeyabteilung des TuS trainieren. In den Wintermonaten auch noch der TuS Hausen. Das ist ein hoher organisatorischer Aufwand für alle Beteiligten. Spielplan und Verlegungen müssen genauestens geplant werden. Es ist keine Böswilligkeit, wenn wir viele Spiele verlegen müssen und damit die Geduld des Verbandes und die der anderen Vereine auf die Probe stellen.

Das-Run.de: Chris, wir bedanken uns bei dir herzlich für deine Zeit und das Interesse daran, über den Jugendfußball rund um den TuS Mayen zu berichten. Wir wünschen dir und deinem Verein weiterhin alles Gute und hoffen, dass im Nettetal schon ganz bald wieder eigene Jugendmannschaften des TuS Mayen auf Punktejagd gehen.

Chris Schäfer: Vielen Dank, dass ich den TuS Mayen in eurer Serie vorstellen durfte. Wir geben weiterhin Gas, um möglichst viele Nachwuchsspieler gemeinsam mit unseren JSG-Partnern qualitativ hochwertig ausbilden zu können.

Fotoquelle: Peter Seydel