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Das-Run.de: Hallo Burkhard. Danke, dass du uns für ein Interview zur Verfügung stehst. Du bist seit vielen Jahren als Scout und Berater unterwegs. Was war der Einstieg, wie bist du in diese Branche gekommen?

Burkhard Klöckner: Anfang der 2000er-Jahre habe ich ein Angebot von Borussia Dortmund angenommen, deren neugegründete Sportartikelmarke goool.de zu vertreiben. Ich habe dann schnell Kontakt zu einigen Jugendtrainern des BVB gehabt und die U12- und U13-Mannschaften nach Mülheim-Kärlich und Weißenthurm eingeladen. Der Kontakt hat sich dann immer weiter vertieft und bei einigen Turnieren durfte ich auch als Co-Trainer fungieren. Einer meiner Kollegen bei goool, der selbst als Fußballprofi bei Dynamo Dresden an der Seite von Jens Jeremies spielte, animierte mich dann, für Jeremies und Milewski und deren Berateragentur T21plus zu scouten. Das habe ich dann mit großer Freude auch getan und einige später namhafte Spieler betreut.

Das-Run.de: Das klingt spannend. Welche Spieler waren das?

Burkhard Klöckner: Den ersten Kontakt hatte ich zu Spielern des 90er- und 91er-Jahrgangs, als diese in der U14- und U15 des BVB spielten. Das waren Marc Hornschuh, Lasse Sobiech, Marco Stiepermann und die Götze-Brüder Mario und Fabian Götze. Alle diese Spieler waren erfolgreiche Jugendnationalspieler und am Ende alle erfolgreiche Profis in der ersten und zweiten Liga. Über Mario müssen wir nicht reden. Die Karriere ist bekannt.

Das-Run.de: Wie kann man sich das vorstellen? Was genau war deine Funktion?

Burkhard Klöckner: Jens Jeremies und Jürgen Milewski hatten in der ersten Zeit meine guten Kontakte zu den BVB-Jugendspielern genutzt. Als ich dann immer erfolgreicher und effizienter für die Agentur wurde, hat man mir eine hauptberufliche Perspektive geboten. Ich habe dann sehr erfolgreich an der Seite von Karlheinz Förster gewirkt und wir beide haben es geschafft, viele gute hochtalentierte Spieler zu generieren. Hier vor allem Timo Werner, Niklas Süle und Davie Selke, viele heute sehr erfolgreiche Profis. Meine herausragende Eigenschaft war sicherlich, dass ich beim Besuch der vielen Jugendspiele sehr schnell Talent und Profipotential erkannt habe. Marvin Ducksch habe ich in der U12 kennengelernt und schon dort gewusst, dass er mal Profi werden könnte. Marvin habe ich fast 10 Jahre begleitet und ihm nahezu alle Steine auf seinem Weg nach oben weggeräumt. Bei Mario Götze war die Betreuung etwas intensiver. Ich habe mich hier um nahezu alles gekümmert.

Das-Run.de: Ist die Welt der Scouts und Berater nicht ein gefährliches Haifischbecken?

Burkhard Klöckner: Das kann man wohl sagen. Erst einmal ist die Verweildauer als Scout eher kurz. Da spielt es auch keine Rolle, ob du für einen Verein scoutest oder für eine Agentur. Es herrscht eine hohe Fluktuation. Liefert man als Scout nicht, ist man schnell weg vom Fenster. Rückblickend kann ich mit großem Stolz sagen, in der Agentur von Jeremies/Milewski fast 20 Jahre gearbeitet zu haben, mir wurden sogar immer mehr Aufgaben übertragen. Was die Bezeichnung Haifischbecken anbetrifft, so kann ich das nur bestätigen. Die Konkurrenz ist nicht zimperlich und mit vielen unsauberen Attacken werden Spieler ständig abgeworben. Leider haben wir viele der letztlich zu Nationalspieler avancierten Jungs verloren. Der bitterste Verlust war sicherlich Mario Götze. Mario habe ich wie bereits erwähnt, vier Jahre eng betreut und ich war mit der Familie Götze eng verbunden. Eine Woche vor der Unterzeichnung seines ersten großen Vertrages beim BVB hat Mario uns verlassen und der Verlockung einer anderen Agentur nachgegeben. Bei Ridle Baku musste ich eine ähnliche Erfahrung erleiden. Ridle habe ich extrem intensiv betreut und ihn musste ich immer wieder motivieren. Ridle hat sich von Nebensächlichkeiten verunsichern lassen, Jens Jeremies und ich hatten diesbezüglich viel Arbeit. Es ist sehr dramatisch, junge Spieler in den Profibereich zu begleiten, ihnen die notwendigen Verhaltensregeln zu verinnerlichen und dann meist unbegründete Trennungen akzeptieren zu müssen. Man muss wissen, dass die hochintensive Betreuung viel Zeit und Geld kostet. Eine monetäre Entlohnung findet aber nur statt, wenn im Seniorenbereich durch Profiverträge eine hieraus resultierende Provision generiert wird.

Das-Run.de: Das heißt, es gibt wenig bis keine Loyalität?

Burkhard Klöckner: Wenn eine Eigenschaft bei vielen Fußballern fehlt, dann Dankbarkeit und Loyalität. Ich möchte nichts beklagen, die Branche ist halt so. Es gilt zunächst einmal festzuhalten, dass Scouting und die Befähigung hierzu eine berufliche Kunst ist. Nicht jeder der Fußball gespielt hat, hat auch das Auge, Potential zu erkennen. Darüber hinaus muss man Ahnung von der professionellen Fußballwelt haben. Die Jugendspieler, die man als befähigt betrachtet und anschließend betreut und begleitet sind vielfach nicht das Problem. Eher Eltern, die in Zeiten wo es sportlich nicht läuft die Schuld und Verantwortung dem Berater aufbürden.

Das-Run.de: Noch einmal die Frage zur Entlohnung der Arbeit. Geht eine Agentur also jahrelang in eine Art Vorfinanzierung bzw. Investment?

Burkhard Klöckner: Während der Jugendzeit ist die Betreuung trotz intensivem Zeit- und Kostenmanagement kostenfrei. Gute Agenturen, und ich war in einer der besten Deutschlands, investieren darüber hinaus in ärztliche Top-Versorgung und allgemeine Vollversorgung. Dies alles, wie gesagt, kostenlos für den Spieler bzw. die Eltern. Jede Agentur hofft auf eine Profikarriere. Erst dann werden Provisionen fällig, die nicht vom Spieler entrichtet werden, sondern vom Verein. Wenn dann der gemeinsame Weg in einen Profivertrag mündet und der Spieler oder die Eltern eine Trennung vollziehen, ist das natürlich sehr bitter. Dieser Umstand ist mir und meinen Kollegen leider dutzendfach passiert.

Das-Run.de: Du bist nicht mehr bei Jeremies und Milewski. Was ist passiert?

Burkhard Klöckner: Unsere Agentur war gespickt mit berühmten Ex-Profifußballern und Nationalspielern. Jens Jeremies, Jürgen Milewski, Karlheinz Förster und Souleyman Sané, der Vater von Leroy Sané. Trotz dieser geballten Kompetenz und einer nahezu perfekten Betreuung sind uns wie gesagt trotzdem viele Spieler abgeworben worden. Irgendwann reichte es Milewski und er zog Konsequenzen. Das Jugendscouting wurde eingestellt, und ich sowie meine Kollegen mussten leider neue Wege gehen.

Das-Run.de: Bist du diesen neuen Weg dann auch gegangen?

Burkhard Klöckner: Ja, ich habe mich mit einem Top-Juristen zusammengetan und versuche jetzt alle Erfahrungen, die ich bei T21plus sammeln durfte, alleine fortzuführen. Einige Spieler sind bei mir geblieben, und einige Neue habe ich rekrutiert. Ihnen helfe ich jetzt, den Weg in den Profifußball zu gehen.

Das-Run.de: Hier im FV Rheinland sind wir eher schlecht mit Profifußball versorgt. Gibt es trotzdem eine Klientel für dich?

Burkhard Klöckner: Ich bin nicht explizit auf der Suche. Aktuell betreuen wir knapp 10 Spieler. Deren Betreuung erfüllt mich zeitlich sehr ausreichend. Was die Talente im Rheinland betrifft, so gibt es diese natürlich. Einigen davon konnte ich sehr helfen. Niklas Behr habe ich beispielsweise nach Karlsruhe gebracht. Ihm traue ich eine Karriere zu. Was die Talente im FV Rheinland betrifft, so stelle ich leider fest, dass uns als Fußball-Diaspora viele Möglichkeiten vorenthalten werden, die in Verbänden mit einer hohen Zahl an Proficlubs selbstverständlich sind.

Das-Run.de: Was meinst du damit?

Burkhard Klöckner: Nun, meine über 20-jährige Erfahrung im Umgang mit jungen Talenten zeigt deutlich, dass Spieler und deren Eltern aus NRW anders agieren als die Spieler und Eltern aus dem Rheinland. Das meine ich nicht als Vorwurf, sondern die Sozialisierung mit Leistungs- und Hochleistungssport ist in anderen Bundesländern professioneller.

Das-Run.de: Kannst du deine Erfahrungen den Eltern nicht verdeutlichen? Du weißt doch offensichtlich, wie es geht.

Burkhard Klöckner: Ja, das versuche ich sehr intensiv. Aber wenn es sportlich nicht läuft, ist immer jemand schuld: Trainer, Verein und natürlich auch der Berater. Es ist für junge talentierte Spieler und deren Eltern nicht einfach, einem Berater nahezu blind zu vertrauen. In Deutschland gibt es weit über 1000 Berateragenturen mit einer Unmenge an Scouts. Als Eltern kann man sich vertrauensvoll von jemandem helfen lassen, der bewiesen hat, Talente in ein NLZ vermitteln zu können. Hat man einen verlässlichen Partner gefunden, sollte man auch diesem vertrauen.

Das-Run.de: Was dich betrifft, so kannst du ja durchaus etwas vorweisen.

Burkhard Klöckner: In meiner Zeit als Scout habe ich weit über 50 Spieler gescoutet und betreut. Viele davon sind Profis geworden. 2015 haben wir bei T21plus eine Statistik ermittelt, wonach fast 70 % meiner Spieler Profis geworden sind. Für eine Berateragentur ist es finanziell lebenswichtig, Spieler aus der Bundesliga zu betreuen. Das ist das oberste Ziel. Ein Sahnehäubchen ist es, wenn deine Spieler darüber hinaus Nationalspieler werden. Mit Ridle Baku, Mario Götze, Niklas Süle, Timo Werner, Leroy Sané und Marvin Ducksch ist mir das gelungen.

Das-Run.de: Hast du aus deiner langen Zeit als Scout kuriose Erlebnisse und Geschichten?

Burkhard Klöckner: Mit Sicherheit: Eine mir lebhaft in Erinnerung gebliebene Geschichte ist, dass ich einen Spieler zweimal vor Beugehaft bewahrt habe. Ich konnte in letzter Sekunde den Gerichtsvollzieher hindern, tätig zu werden. Besonders gerne erinnere ich mich an die Zeit, als unser Spieler von allen europäischen Top-Clubs umworben wurde und ich mit meinen Chefs in einem Düsseldorfer Luxushotel abwechselnd deren Vertreter in Empfang nehmen durfte und das Grinsen von Milewski wahrnehmen konnte, der sehr entspannt in die Verhandlung ging. Auch an die U17-EM des Jahrgangs 92 erinnere ich mich gerne. Deutschland wurde Europameister, und unsere Agentur betreute neben Mario Götze noch drei weitere Spieler in diesem Team. Auch im Endspiel der deutschen U19-Meisterschaft zwischen Mainz und dem BVB waren auf Dortmunder Seite vier von mir betreute Spieler aktiv.

Das-Run.de: Die Beraterbranche und der Berater schlechthin genießen nicht den allerbesten Ruf. Wie empfindest du das?

Burkhard Klöckner: Ich muss zugeben, dass mich das sehr ärgert. Klar gibt es schwarze Schafe und Vorgehensweisen, die kritisierbar sind. Auch die Millionensummen, die kolportiert werden, erzeugen ein Missbild. Allerdings kommt es oft vor, dass die Vereine auch mal den Pfad der Tugend verlassen. Darüber hinaus verkennt man die Tatsache, dass, wie schon erwähnt, eine Agentur finanziell stark in Vorleistung tritt und keine Garantie gegeben ist, dass ein Spieler auch Profi wird. Weiterhin profitiert ein Verein davon, dass die Agenturen mit dem Anbieten von Spielern kostenloses Scouting erhalten. Ich für meinen Teil kann sagen, dass ich in meiner Zeit immer sehr gut mit allen Vereinen klargekommen bin. Ich bin immer als verlässlicher und seriöser Partner akzeptiert worden.

Das-Run.de: Danke für das Gespräch.