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Im letzten Teil unserer neuen Interviewserie mit regionalen Fußballtrainern, in der vor allem die Hinserie der Saison 2024/2025 im Vordergrund stehen wird, haben wir mit Anne-Kathrine Kremer gesprochen. Die 37-Jährige hat als Spielerin in den höchsten Fußballigen Deutschlands gespielt und sich danach dazu entschieden, ihr großes Fachwissen weiterzugeben. In den ersten Jahren nach ihrer Profikarriere hat sie sich als Torwarttrainerin rund im Frankfurt, Köln und das Ahrtal einen Namen gemacht. Als Sie dann 2018 beim SC 13 Bad Neuenahr in der zweiten Mannschaft vorstellig wurde, ging alles sehr schnell. Die zweite Mannschaft wurde abgemeldet und Kremer wurde Interimstrainerin der in der Fußball-Regionalliga Südwest spielenden Frauenmannschaft. Aus dieser Zwischenlösung hat sich mittlerweile eine echte Erfolgsgeschichte entwickelt. Im exklusiven Interview berichtet Anne-Katherine von ihren Erlebnissen im Frauenfußball und geht dabei auch auf ihre eigene Philosophie ein. Des Weiteren macht sie deutlich, wie sich ihr Verein in den letzten Jahren entwickelt hat und verrät, welche Ziele sie für die Rückrunde als realistisch ansieht. Abschließend spricht die Lehrerin darüber, welche Rolle der Frauenfußball mittlerweile in der Gesellschaft spielt und erklärt, warum das Trainer-Sein ein fortlaufender Prozess ist. Viel Spaß beim Lesen.

Das-Run.de: Hallo Anne-Kathrine, herzlich willkommen zum Interview. Stelle dich zu Beginn gerne einmal kurz vor.

Anne-Kathrine Kremer: Mein Name ist Anne-Kathrine Kremer. Ich bin 37 Jahre alt und Trainerin der 1. Mannschaft des SC 13 Bad Neuenahr. Bis zu meinem 30. Lebensjahr habe ich selbst höherklassig gespielt und währenddessen den Master in Sportwissenschaften und Leistungsphysiologie abgeschlossen. Anschließend habe ich mein Referendariat gemacht und arbeite inzwischen als Lehrerin in den Fächern Sport, Biologie und Mathe in NRW.

Das-Run.de: Wie bist du zum Fußball gekommen? Welche Stationen hast du erleben dürfen?

Anne-Kathrine Kremer: Mein älterer Bruder hat Fußball gespielt, wodurch ich früh mit dem Sport in Berührung kam und das natürlich auch machen wollte. Mit vier Jahren habe ich bei der SG Schadeck/Hofen/Eschenau angefangen. Als ich zu den Mädchen wechseln musste, landete ich beim VfR 07 Limburg (Fußball-Hessenliga). Mit 22 wechselte ich zum 1.FFC Frankfurt (2. und 1. Bundesliga) und war abschließend noch beim 1.FC Köln (Fußball-Bundesliga).

Das-Run.de: Somit konntest du bereits als Spielerin Erfahrungen auf höchstem Niveau sammeln. Wie bist du denn Trainerin geworden?

Anne-Kathrine Kremer: Die ersten Erfahrungen habe ich mit 18 bei meinem damaligen Verein Limburg gesammelt, als ich die E-Jugend trainiert habe. Danach trainierte ich ausschließlich Torhüter und Torhüterinnen. Zunächst lange in Frankfurt, anschließend in Köln, beim Ahrweiler BC und in Bad Neuenahr. Der Wechsel von der Torwarttrainerin zur Cheftrainerin fand erst beim SC 13 Bad Neuenahr statt.

Das-Run.de: Anne-Kathrine, seit wann und warum trainierst du denn die Frauen des SC13?

Anne-Kathrine Kremer: Im Jahr 2018 habe ich beim 1.FC Köln aufgehört und wollte noch ein bisschen im Feld kicken. Dafür wechselte ich in die zweite Mannschaft vom SC 13 Bad Neuenahr, die Kreisstadt ist mein damaliger Wohnort gewesen. Dort habe ich dann 2019 die sportliche Leitung übernommen. Leider waren die Seniorinnen zu diesem Zeitpunkt schlecht aufgestellt. Die zweite Mannschaft musste abgemeldet werden und die erste Frauenmannschaft stand auf dem letzten Platz der Fußball-Regionalliga Südwest. Nach einer Trainerentlassung konnte die Stelle nicht kurzfristig nachbesetzt werden, wodurch ich interimsweise übernahm. Aus dem Interimsamt sind inzwischen mehr als fünf Jahre geworden.

Das-Run.de: Da ist es dir gelungen, die Vereinsverantwortlichen von deiner Arbeit voll und ganz zu überzeugen. Was für ein Trainertyp bist du eigentlich?

Anne-Kathrine Kremer: Das müsste man vermutlich eher die Spielerinnen fragen (lacht). Wenn ich es beantworten muss, würde ich sagen eine Mischung aus verständnisvoll und Lehrer. Ich möchte, dass die Mädels die Dinge verstehen, die sie umsetzen sollen. Warum mache ich etwas und wie mache ich etwas. Gleichzeitig bin ich immer offen für Verbesserungsvorschläge. Ich höre mir alles an und versuche sinnvolle Einwände zur Optimierung zu nutzen. Letztlich haben wir innerhalb der Mannschaft alle das gleiche Ziel: Besser werden und eine gute Zeit miteinander verbringen.

Das-Run.de: Und wie können wir uns deine Spielphilosophie vorstellen?

Anne-Kathrine Kremer: Meine bevorzugte Spielweise ist die kompakte Defensive und schnelles Kontern. Ich gewinne lieber 1:0 als 7:5. Allerdings bin ich da auch flexibel und passe die Spielweise dem Spielermaterial beziehungsweise der Stärke der Gegner gezielt an. Da wir derzeit im vorderen Drittel der Tabelle unterwegs sind, hat sich unser Spiel teilweise in Richtung Ballbesitzfußball entwickelt.

Das-Run.de: Dann lass ins mal auf die nackten sportlichen Zahlen schauen. Die Saison 2023/2024 habt ihr auf Rang drei in der Fußball-Regionalliga Südwest abgeschlossen. Wie lautet rückblickend dein Fazit?

Anne-Kathrine Kremer: Der dritte Platz war über den gesamten Saisonverlauf gesehen leistungsgerecht. Die Saison muss allerdings zweischneidig betrachtet werden. Wir haben eine überragende Hinrunde gespielt. Es wäre insgesamt mehr drin gewesen, wenn wir in der Rückrunde nicht so eingebrochen wären.

Das-Run.de: In der laufenden Saison steht ihr aktuell auf Rang vier. Wie stehst du denn dazu?

Anne-Kathrine Kremer: Wir hatten gerade zu Beginn der Saison einige Hürden zu überwinden. Beispielsweise mussten wir das Zentrum zwischenzeitlich komplett neu besetzen. Nichtsdestotrotz haben wir uns im Laufe der Hinrunde immer weiter nach oben gearbeitet. Vor uns stehen mit dem 1.FSV Mainz 05, dem 1.FC Saarbrücken und dem SV Elversberg ausschließlich Lizenzvereine, die nochmal ganz andere Möglichkeiten haben als wir. Da muss man leider realistisch bleiben. Unser Hinrundenziel von 22 Punkten haben wir erreicht. Deswegen bin ich insgesamt zufrieden.

Das-Run.de: Und was habt ihr euch für die am heutigen Nachmittag startende Rückserie der Meisterschaftsrunde vorgenommen? Mit dem SV Elversberg begrüßt ihr zu Beginn ein Topteam im Apollinarisstadion. Eine Woche drauf seid ihr dann beim 1. FSV Mainz 05 zu Gast.

Anne-Kathrine Kremer: Ein konkretes Ziel werden wir mannschaftsintern im Laufe der Vorbereitung noch festgelegen. Ich persönlich möchte, dass wir uns in den Spielen gegen die Spitzenmannschaften deutlich besser präsentieren als in der Hinrunde. Wenn wir es zudem schaffen unsere Leistung konstant abzurufen, bin ich zufrieden.

Das-Run.de: Lass uns gerne noch über deinen Moment im Jahr 2024 sprechen. Ist es die Rückkehr ins Apollinarisstadion gewesen?

Anne-Kathrine Kremer: Emotional gesehen auf jeden Fall. Auch wenn wir uns bei den anderen Vereinen stets gut aufgenommen fühlten, ist ein echtes Heimspiel doch was besonderes. Wie so oft im Leben lernt man in Ausnahmesituation sehr zu schätzen, was sonst selbstverständlich ist.

Das-Run.de: Am Ende würden wir mit dir gerne noch über den Frauenfußball im Allgemeinen sprechen. Wie siehst du denn die Entwicklung des Frauenfußballs? Schließlich hast du in den höchsten Ligen gespielt und viele Einblicke bekommen.

Anne-Kathrine Kremer: Prinzipiell finde ich die Entscheidung der großen (Lizenz-)Vereine ernsthaft in den Frauenfußball zu investieren, sehr lobenswert. Die Entwicklung, zum Beispiel in der Athletik, ist auffällig, was vor allem mit der zunehmenden Professionalisierung zusammenhängt. Wichtig wird es jetzt sein die Breite nicht zu verlieren. Es wird eine breite Basis gebraucht, um die Spitze kontinuierlich zu verbessern.

Das-Run.de: Blickt man auf den Fußballverband Rheinland, dann sind die SG 99 Andernach, der SC 13 Bad Neuenahr und der 1. FFC Montabaur die Zugpferde. Wie stolz bist du darauf, Trainerin eines der besten Frauenteams im Verband zu sein?

Anne-Kathrine Kremer: Mir geht es weniger darum, wer die beste, zweitbeste oder drittbeste Mannschaft im Rheinland ist. Viel mehr bin ich stolz darauf, dass wir inzwischen sehr viele tolle und engagierte Menschen im Verein haben, die alles geben um das bestmögliche aus den Mädchen und Frauen rauszuholen – sowohl menschlich als auch fußballerisch. Wenn ich das mit dem Zustand vor fünf Jahren vergleiche, hat sich da einiges getan. Auf diese Entwicklung bin ich stolz.

Das-Run.de: Auf deine Spielerkarriere sind einige Jahre als Torwarttrainerin gefolgt. Daraufhin wurdest du Cheftrainerin des SC 13 Bad Neuenahr in der Fußball-Regionalliga Südwest. Wie will sich Anne-Kathrine Kremer denn noch persönlich weiterentwickeln?

Anne-Kathrine Kremer: Ein konkretes Ziel habe ich derzeit nicht. Ich möchte mich aber kontinuierlich weiterentwickeln. Auch wenn ich fachlich durch meine Erfahrung, das Studium und die A-Lizenz gut aufgestellt bin, lerne ich doch immer wieder durch neue Situationen dazu. Ich mache Fehler, reflektiere und versuche meine Übung oder mein Verhalten anzupassen. Das ist ein anhaltender Prozess.

Das-Run.de: Dann wünschen wir dir weiterhin den größtmöglichen Erfolg und für die Begegnung am Nachmittag ganz viel Spaß. Wir hoffen, ihr könnt mit dem SV Elversberg eine Lizenzmannschaft bezwingen.

Anne-Kathrine Kremer: Vielen Dank für die Wünsche. Kommt gerne mal vorbei im Apollinarisstadion. Und auch vielen Dank für euer Interesse, ein Interview zu führen.